Adhs symptome kleinkind

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ADHS

Therapie

Therapiebausteine

Folgende Bausteine sind für die erfolgreiche ADHS-Behandlung von Kindern wichtig:

  • Aufklärung und Beratung der Eltern, des Kindes/Jugendlichen und des Erziehers beziehungsweise des Klassenlehrers
  • Elterntraining, Miteinbeziehen der Familie (einschließlich Familientherapie), um die Symptomatik im familiären Umfeld zu vermindern
  • Kindergarten/Schule: Zusammenarbeit mit Erziehern und Lehrern
  • Kognitive Verhaltenstherapie des Kindes/Jugendlichen (ab dem Schulalter): Impulsives und unorganisiertes Verhalten kontrollieren lernen
  • Therapie mit entsprechenden Medikamenten (meist Amphetamine wie Methylphenidat), um Symptome in der Schule, im Kindergarten, im Familienkreis oder in anderen Umgebungen zu vermindern

Sehr bewährt hat sich die Kombination aus Medikamenten, Verhaltenstherapie und Elterntraining. Welche Bausteine eingesetzt oder kombiniert werden, hängt vom Alter des Kindes und der Ausprägung des ADHS ab.

Therapie im Vorschulalter

Im Vorschulalter stehen vor allem das Elterntraining sowie die Aufklärung des Umfeldes über die Störung im Vordergrund. Eine kognitive Therapie ist in diesem Alter noch nicht möglich. Haben die Kinder Schwierigkeiten, längere Zeit bei einer Sache zu bleiben, kann ein Spieltraining diese Fähigkeit fördern. Einige Kliniken bieten eine spezielle Mutter-Kind-Kur an. ADHS wird in diesen Kliniken unter anderem mit einer Kombination aus Lerntraining und Beziehungsarbeit behandelt.

Experten warnen davor, bereits Vorschulkinder mit Medikamenten gegen ADHS zu behandeln. Es ist unklar, wie sich die Medikamente auf die Entwicklung der Kinder auswirken. Für den Einsatz von Methylphenidat bei Kindern unter sechs Jahren liegen bisher nur wenige Erfahrungen vor. Manche Fachleute befürchten, dass ADHS-Medikamente die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen.

Therapie im Schulalter

Für Schulkinder und Jugendliche sind die Aufklärung und Beratung der Kinder und Eltern sowie das Elterntraining die Grundlage der Therapie. Eine wichtige erste Maßnahme ist das sogenannte Selbstinstruktionstraining. In einer sprachlichen Selbstanweisung geben sich die Kinder ihre nächsten Handlungsschritte vor.

Das Motto „Erst handeln, dann denken“ wird so umgekehrt zu „Erst denken, dann handeln“. Die Fähigkeit, sich selbst konkrete Anweisungen zu geben, stärkt die Selbstkontrolle hilf, das eigene Verhaltens zu überdenken.

In fünf Schritten lässt sich die Selbstinstruktion zur Behandlung von ADHS erlernen:

  • Der Therapeut oder Erzieher spricht die „Selbstanweisungen“ modellhaft vor und handelt auch entsprechend.
  • Das Kind handelt nach den gerade gehörten Anweisungen des Lehrers (externe Verhaltenssteuerung).
  • Das Kind lenkt sein Verhalten durch eigene Selbstanweisungen (offene Selbstinstruktion) mit lautem Sprechen.
  • Das Kind flüstert die Selbstanweisung (ausgeblendete Selbstinstruktion).
  • Das Kind soll lernen, sich durch das Einüben verinnerlichte Selbstinstruktion selbst zu steuern (verdeckte Selbstinstruktion).

Ist das Kind trotz Therapien und Training extrem unruhig oder aggressiv, können zusätzlich Medikamente sinnvoll sein.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie umfasst die Zusammenarbeit mit den Kindern, deren Eltern und auch der Schule. Die Kinder lernen, ihren Alltag zu strukturieren und ihr Verhalten besser zu kontrollieren. In vielen Fällen ist es sinnvoll, dass ein professioneller Helfer die Kinder einige Zeit auch in der Schule unterstützt.

Auch das Üben in Modellsituationen kann hilfreich sein. Im Rahmen von Rollenspielen, zum Beispiel unter Gleichaltrigen, üben die ADHS-Kinder in einer praxisnahen Situation ein Verhalten, das sie später auch zu Hause oder in der Schule anwenden können. Erleben sie Anerkennung, werden sie das neue Verhaltensmuster schnell in ihr Repertoire aufnehmen.

Elterntraining

Ein wichtiger Bestandteil der ADHS-Therapie ist das Elterntraining. Um ihre Sprösslinge besser zu unterstützen, lernen die Eltern einen konsequenten, aber liebevollen Erziehungsstil. Dazu gehören unter anderem:

  • klare Strukturen vorgeben, sich unmissverständlich ausdrücken
  • eigenes Verhalten mit den Anweisungen in Übereinstimmung bringen
  • Ablenkungen von einer gerade anstehenden Aufgabe vermeiden
  • Rückmeldung geben, ob sie das Verhalten positiv oder negativ finden
  • Erwünschtes Verhalten deutlich erkennbar belohnen

Viele Eltern suchen auch Hilfe bei Elterninitiativen. Der Austausch mit anderen hilft ihnen aus der Isolation und kann mögliche Schuldgefühle reduzieren. Oft schaffen Eltern von ADHS-Kindern es erst dank des Rückhalts durch die Gruppen, ihr hyperaktives Kind so zu akzeptieren, wie es ist.

Medikamente in der ADHS-Behandlung

Medikamente zur Behandlung von ADHS können bei stark ausgeprägten ADHS-Symptome helfen, die sonst erhebliche Schwierigkeiten im Alltag verursachen. Sie wirken meist schnell und gut. Bei starken Verhaltensproblemen schaffen sie oft erst die Voraussetzung für eine Verhaltenstherapie. In weniger ausgeprägten Fällen sollten die Kinder erst dann Medikamente erhalten, wenn eine verhaltenstherapeutische Behandlung nicht ausreicht.

Medikamente können die Störung nicht heilen. Daher müssen die Patienten sie oft über Jahre, manchmal auch bis ins Erwachsenenalter einnehmen. Um ADHS dauerhaft zu stabilisieren, müssen sie regelmäßig eingenommen werden. Die Behandlung sollte nicht auf eigene Faust unterbrochen werden.

Außerdem sollte der Arzt mindestens einmal im Jahr den Verlauf der Krankheit überprüfen und feststellen, ob Wirkstoff und Dosis noch optimal sind. Haben sich die ADHS-Symptome über einen längeren Zeitraum deutlich gebessert, können die Medikamente möglicherweise abgesetzt werden.

Methylphenidat

Das am häufigsten eingesetzte Medikament zur Behandlung von ADHS ist Methylphenidat. Methylphenidat ist kein Beruhigungsmittel, sondern fördert die Aktivität. Dies scheint zunächst widersprüchlich, da Kinder mit ADHS ohnehin hyperaktiv sind.

Es ist vor allem unter dem Handelsnamen Ritalin bekannt. Der Wirkstoff ist ein Psychostimulans aus der Gruppe der Amphetamine. Er erhöht die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Dopamin leitet Signale zwischen den Nervenzellen weiter. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, ist aber auch entscheidend für psychischen Antrieb und Konzentrationsfähigkeit.

Bei den meisten betroffenen Kinder mindert Methylphenidat Unaufmerksamkeit und Ruhelosigkeit und verbessert ihre Konzentration. Manchen Kindern ermöglicht Methylphenidat überhaupt erst die Teilnahme am Unterricht und erleichtert erheblich die sozialen Kontakte.

So wirkt Methylphenidat Methylphenidat blockiert die Wiederaufnahme von den Botenstoffen Dopamin und Noradrenalin in die Nervenzelle. Die freien Botenstoffe können so vermehrt an passende Rezeptoren binden und so die Konzentrationsfähigkeit verbessern.

Methylphenidat wirkt schnell. Schon nach einer Stunde spüren die Patienten eine deutliche Wirkung.

Zu Beginn der Therapie ermittelt der Arzt die niedrigste wirksame Dosis. Dazu steigert er die Wirkstoffmenge langsam. Diese Dosis ist bei jedem Patienten verschieden: Sie kann von einer niedrig dosierten Tablette bis hin zu drei hoch dosierten Tabletten am Tag reichen.

Für ADHS-Kinder, die eine ganztägige Stabilisierung brauchen, eignen sich Tabletten, die einmalig morgens eingenommen werden. Sie setzen den Wirkstoff kontinuierlich über den ganzen Tag frei. Die regelmäßige Tabletteneinnahme wird nicht so leicht vergessen. Auch Schlafstörungen treten seltener auf.

Methylphenidat fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Um Missbrauch zu verhindern, dürfen Ärzte solche Medikamente nur für einen begrenzten Zeitraum und nur auf einem speziellen Rezeptformular (Betäubungsmittelrezept) verschreiben. Eine körperlich süchtigmachende Wirkung hat Methylphenidat aber nicht.

Bei sachgemäßer Anwendung sind die Risiken von Betäubungsmitteln gering. Bei missbräuchlicher Anwendung, zum Beispiel zum „Gehirndoping“, können sie jedoch die Gesundheit gefährden.

Atomoxetin

Ein neuerer Wirkstoff zur Behandlung von ADHS ist Atomoxetin. Es stammt aus der Antidepressiva-Forschung, wirkt aber nicht antidepressiv. Der Wirkstoff wirkt tendenziell etwas weniger gut als Methylphenidat, bietet aber eine Alternative. Er steigert vor allem die Konzentration von Noradrenalin im Gehirn, indem er dessen Abbau verlangsamt. Der Botenstoff bleibt so länger aktiv und sorgt dafür, dass die Signalübertragung im Gehirn wieder besser funktioniert.

Anders als Methylphenidat fällt Atomoxetin nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Es kann ab einem Alter von sechs Jahren für die Behandlung von ADHS bei Kindern angewandt werden.

Weitere Medikamente

Wenn Methylphenidat und Atomoxetin nicht ausreichend wirken, können auch verschiedene Neuroleptika, Antidepressiva, Beruhigungsmittel und weitere Amphetamine sowie Fenetyllin und Pemolin verordnet werden.

Substanz Stimulanzium, zum Beispiel Methylphenidat Noradrenalin (NA)-Wiederaufnahmhemmer, zum Beispiel Atomoxetin
Wirkungsweise Wirkt auf den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn, erhöht Dopaminkonzentration Beeinflusst Noradrenalin(NA)-Stoffwechsel, NA wird langsamer in die Zelle wiederaufgenommen und wirkt so länger
Wirksamkeit Hilft in der Mehrheit der Fälle Effektivität eher geringer als die von Methylphenidat, kann bei Patienten wirksam sein, die nicht auf Methylphenidat ansprechen
Wirkdauer 1 bis 3 Gaben pro Tag, neuere Retardpräparate gewährleisten Wirkdauer von 6 bzw. 12 Stunden Kontinuierliche Wirkung über den gesamten Tag
Erfahrung Seit mehr als 50 Jahren Seit März 2005 in Deutschland auf dem Markt, Studienerfahrung seit 1998

Nebenwirkungen

In der Anfangsphase für 2-3 Wochen:

– Kopfschmerzen
– Magenbeschwerden
– verstärkte Reizbarkeit
– Übelkeit und Erbrechen

Häufig:
– Appetitlosigkeit
– Gewichtsabnahme
– Benommenheit
– Muskelzucken/Tics
– Allergische Hautreaktionen

Selten:
– Anstieg von Blutdruck und Puls
– Seltene Berichte über ein Ansteigen der Leberwerte oder Leberentzündungen (Hepatitis)
– Bremst das Längenwachstum und die Gewichtszunahme der Kinder

Vor allem in der Anfangsphase:

– Kopfschmerzen
– Mundtrockenheit (Erwachsene)
– Bauchschmerzen
– verminderter Appetit
– Übelkeit und Erbrechen
– Verstopfungen
– Müdigkeit
– Stimmungsschwankungen

Häufig:

– verminderter Appetit
– Gewichtsabnahme
– leichter Anstieg von Blutdruck und Puls

Gelegentlich:
– allergische Reaktionen

Selten:
– zusätzliche Verhaltensstörungen mit aggressiver Komponente
– Sehr seltene Berichte über ein Ansteigen der Leberwerte, Gelbsucht oder Leberentzündungen (Hepatitis)
– Bremst das Längenwachstum und die Gewichtszunahme der Kinder wohl nur vorübergehend

Spätfolgen Keine erhöhte Rate von Spätfolgen, Befürchtungen wegen Parkinson-Erkrankung oder Hirnschäden nicht belegbar. Spätfolgen noch nicht absehbar
Suchtgefahr Richtig angewendet keine erhöhte Suchtgefahr; wird bei ADHS sogar reduziert (Verlaufsstudien). Keine Suchtgefahr
Gegenanzeigen – epileptische Anfallsleiden
– Angst und Anspannung
– erhöhter Augeninnendruck
– Tourette-Syndrom
– gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten aus der Arzneimittelgruppe der MAO-Hemmer zur Behandlung von Depressionen
– Schilddrüsenüberfunktion
– schwere Angina pectoris
– Herzrhythmusstörungen
– Schwerer Bluthochdruck
– schwere Depressionen
– Magersucht
– Psychosen
– Tic-Störungen
– Medikamentenmissbrauch
– Alkohol- oder Drogenmissbrauch
– Schwangerschaft und Stillzeit
– Prostatavergrößerung
– kürzlich aufgetretener Schlaganfall
– gleichzeitige Einnahme von Medikamenten aus der Arzneimittelgruppe der MAO-Hemmer zur Behandlung von Depressionen
– erhöhter Augeninnendruck (Engwinkelglaukom)
Verordnung Betäubungsmittel-(BTM)-Rezept, für Reisen ins Ausland Bestätigung des behandelnden Arztes erforderlich. Normales Rezept
Zulassung Für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren Für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren, auch zur Weiterbehandlung ins Erwachsenenalter

Neurofeedback – ADHS-Therapie am Computer

Das Neurofeedback ist ein Verfahren, bei dem der Patient lernt, seine Hirnaktivitäten positiv zu beeinflussen. Dazu werden Elektroden auf die Kopfhaut geklebt, die die Gehirnströme ablesen, sodass sie auf einem Monitor sichtbar werden.

Diese Messung nennt sich auch Elektroenzephalografie (EEG). Durch Konzentration gelingt es dem Patienten, seine Gehirnaktivität auf einem bestimmten Level zu halten. Durch längeres Training können sie die erlernten Fähigkeiten auch im Alltag, in der Schule oder im Beruf anwenden. Für viele Kinder ist das Neurofeedback eine effektive Methode zur Konzentrationssteigerung.

Homöopathie in der ADHS-Therapie

Es gibt auch alternative Versuche zur Behandlung von ADHS. Sie sollen die schulmedizinische Therapie ergänzen. Eine davon ist die Homöopathie. Manche Eltern und Patienten berichten von einer Verbesserung der Symptome. Die Auswahl an homöopathischen Mitteln ist groß. Abhängig von den Symptomen stehen Globuli auf Basis von Kalium phosphoricum, das die Konzentrationsfähigkeit fördern soll, bis hin zu Sulfur, das bei Impulsivität und Energieüberschuss gegeben wird.

Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt.

Ernährung bei ADHS

Manche Eltern berichten, dass Fast Food und eine zuckerhaltige Ernährung die Hyperaktivität ihrer Kinder zusätzlich steigert. Wissenschaftlich sind die Zusammenhänge zwischen einer solchen Ernährung und ADHS nicht eindeutig belegt.

Anders ist es bei Kindern, die sowohl unter ADHS, als auch einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder -allergie leiden. In diesen Fällen bessert eine allergenarme Ernährung bei vielen Kindern die Symptome von ADHS. Ernährung kann dann einen positiven Beitrag leisten. Zusätzlich zur Standardbehandlung empfehlen Ärzte daher oft eine Ernährungsumstellung. Einige Nahrungsmittel, die häufig Allergien auslösen, sind zum Beispiel Milchprodukte, Eier, Nüsse sowie Farb- und Konservierungsstoffe.

© Fotografie Loban (Symbolfoto)

Artikelinhalt

  • ADHS bei Kindern: Symptome und Ursachen
  • ADHS bei Kindern: Behandlung

In Deutschland leiden schätzungsweise fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen an ADHS. Jungen sind dabei von der Aufmerksamkeitsstörung deutlich häufiger betroffen als Mädchen. ADHS macht sich bei Kindern durch Symptome wie Überaktivität und Konzentrationsschwierigkeiten bemerkbar. Doch auch viele andere Symptome können auf ADHS hindeuten. Wir klären Sie auf über Ursachen, Symptome sowie verschiedene Behandlungsmöglichkeiten von ADHS bei Kindern.

ADHS oder ADS: Wo liegen die Unterschiede?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, das Kürzel ADS für Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Der Unterschied zwischen ADHS und ADS liegt also in dem Begriff Hyperaktivität: Kinder, die an ADHS leiden, sind nicht nur häufiger unkonzentriert und leichter abzulenken als gleichaltrige Mitschüler, sondern eben auch hyperaktiv. Sie sind zappelig, ständig in Bewegung und können sich nur selten ruhig mit etwas beschäftigen. ADS-Kinder fallen dagegen eher durch Tagträume auf.

Je nachdem, welche Symptome die betroffenen Kinder zeigen, werden verschiedene Typen unterschieden:

  • Hyperaktiv-impulsiver Typ
  • Vorwiegend aufmerksamkeitsgestörter Typ (tritt besonders bei Mädchen auf)
  • Kombinierter Typ: hyperaktiv und aufmerksamkeitsgestört

Ursachen von ADHS bei Kindern

Wodurch ADHS genau verursacht wird, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Es wird jedoch vermutet, dass die Aufmerksamkeitsstörung in vielen Fällen genetisch bedingt ist. Denn oft leiden neben dem betroffenen Kind auch nahe Verwandte wie Eltern oder Geschwister an ADHS.

Die Ursache der Störung ist vermutlich eine fehlerhafte Signalübertragung im Gehirn: Die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, die eine wichtige Rolle für unsere Aufmerksamkeit und Motivation spielen, sind bei Personen mit ADHS in geringeren Mengen vorhanden als gewöhnlich. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen gestört und Reize teilweise nicht mehr richtig verarbeitet.

Doch nicht nur genetische Einflüsse, sondern auch die Umwelt soll angeblich eine Rolle bei der Entstehung von ADHS spielen: So soll durch Rauchen und Trinken während der Schwangerschaft die Veranlagung für die Aufmerksamkeitsstörung verstärkt werden. Ebenfalls kann sich ein Sauerstoffmangel bei der Geburt negativ auswirken. Daneben ist auch das Umfeld, in dem das Kind aufwächst, wichtig: Traumatische Ereignisse sollen beispielsweise die Entstehung von ADHS bei Kindern begünstigen.

Typische Symptome von ADHS bei Kindern

Ob bei einem Kind ADHS vorliegt, ist meist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Häufig lassen sich die Symptome nämlich nur schwer von altersgemäßem Verhalten unterscheiden. Ein typisches Symptom, das bei Kindern auf ADHS hindeutet, ist eine deutliche Überaktivität: Die Kinder sind unruhig, zappelig und ständig in Bewegung – auch in Situationen, in denen von ihnen ruhiges Verhalten gefordert wird.

ADHS-Kinder sind häufiger unkonzentriert als Altersgenossen und lassen sich leicht ablenken. Zudem fällt es ihnen schwer, sich über einen längeren Zeitraum ruhig mit einer Sache zu beschäftigen. Auch haben sie Probleme, zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu unterscheiden. Aufgrund dieser Symptome kommt es oft zu Problemen, wenn die Kinder in die Schule kommen.

Als begleitende Symptome können sich bei ADHS-Kindern außerdem eine erhöhte Vergesslichkeit, eine gesteigerte Reizbarkeit, Aggressivität und Impulsivität sowie eine geringere Frustrationstoleranz bemerkbar machen. Auch können motorische Schwierigkeiten, beispielsweise beim Schreiben Lernen, auftreten.

Von ihren Mitschülern werden ADHS-Kinder in der Regel eher gemieden, deswegen bauen sie nur selten beständige Freundschaften auf. Daraus resultiert häufig ein geringeres Selbstwertgefühl, das langfristig zu Angst und Depressionen führen kann. Deswegen ist es für ADHS-Kinder besonders wichtig, in ihrer Familie Liebe, Geborgenheit und Akzeptanz zu erfahren.

Verlauf von ADHS

Erste Symptome, die auf ADHS hindeuten, können bereits im Kleinkindalter auftreten: Säuglinge und kleine Kinder leiden unter Schlafproblemen oder Verdauungsstörungen, sind misslaunig und lehnen Körperkontakt ab. Etwas ältere Kinder haben Probleme, motorisch neue Aufgaben zu erlernen – beispielsweise das selbstständige Essen mit Besteck. Von der Lerngeschwindigkeit bleiben ADHS-Kinder hierbei häufig hinter ihren Altersgenossen zurück.

Durch die vielen neuen Reize, denen die Kinder im Kindergarten ausgesetzt sind, verschlimmern sich die Symptome meist noch. Die Kinder sind unberechenbar in ihren Handlungen, schließen nur schwer Freundschaften und einige bekommen heftige Wutausbrüche.

Am deutlichsten treten die ADHS-Symptome jedoch in der Regel mit der Einschulung hervor. ADHS-Kinder sind häufig unkonzentriert, stören den Unterricht und reagieren teilweise aggressiv gegenüber Lehrern oder Mitschülern. Bezüglich ihrer schulischen Leistungen bleiben Kinder mit ADHS hinter vielen ihrer Klassenkameraden zurück: Sie sind oft weniger aufnahmefähig und haben Probleme beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Häufig bleiben einige der AHDS-Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Aktualisiert: 28.09.2012 – Autor: Kathrin Mehner

Symptome, Kennzeichen und Diagnose

Leitsymptome ADHS

Die medizinisch definierten Leitsymptome sind

  1. Aufmerksamkeitsschwäche wie beim Hans-guck-in-die-Luft
  2. Impulsivität wie beim „Paulinchen“, das faszinierend mit dem Feuer spielt
  3. Hyperaktivität wie beim Zappelphillip.

Die Ausprägung ist unterschiedlich .

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ADHS im Alltag

ADHS wirkt sich auf fast alle alltäglichen Lebensbereiche aus.

Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Das können Einschlafschwierigkeiten, Schulprobleme, Auffälligkeiten im Sozialen Bereich u.v.m. sein.

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Positive Eigenschaften bei Kindern und Erwachsenen

ADHS bringt nicht nur Nachteile mit sich. Viele besitzen oft ganz außergewöhnliche und besondere Fähigkeiten anderer Art.

Sie sind zum Beispiel oft sehr kreativ, hilfsbereit, begeisterungsfähikg u.v.m.

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ADHS in Comic und Kinderliteratur

Schon in der alten Kinderliteratur oder auch neueren Comics sind treffende Episoden von Kindern mit ADHS ähnlichen Symptomen beschrieben. Sich die mal anzusehen und die vor allem Reaktionen der Bezugspersonen zu beobachten, das ist interessant und kann manchmal sogar als Vorbild dienen.

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ADHS – Ein Relikt aus der Steinzeit?

Interessant ist eine Theorie, die ADHS genetisch betrachtet. Es geht darum, dass es Zeiten in der Menschheitsgeschichte gab, wo die „ADHS-Eigenschaften“ dringend notwendig waren, aber als sich später andere Lebensweisen herauskristallisierten, andere Fähigkeiten gefragter wurden.

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Wie erkennt man ADHS?

Wie machen sich Anzeichen von ADHS in verschiedenen Entwicklungsabschnitten bemerkbar?

Eltern von ADHS-Kindern berichten häufig, dass sie Verhaltensauffälligkeiten in der Entwicklung ihrer Kinder schon in sehr frühem Alter beobachtet haben. Diese Tatsache spricht umso mehr dafür, dass ADHS nicht die Folge falscher Erziehung ist, sondern eine Erkrankung, für die eine erblich bedingte Neigung vorhanden sein muss.

Im Folgenden sind Verhaltensauffälligkeiten von ADHS-Kindern in den verschiedenen Entwicklungsabschnitten dargestellt. Zur Erinnerung: Diese Auffälligkeiten können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und müssen nicht in jedem Fall zwingend auftreten.

  • Säuglingsalter
    Es wird vermutet, dass ADHS-Kinder schon im Säuglingsalter als „Schreibabys“ auffallen können – mit ungewöhnlich lang andauernden Schreiphasen. Vielfach wird von motorischer Unruhe, Ess- und Schlafstörungen, Ablehnung eines Körperkontakts und Unausgeglichenheit der Säuglinge berichtet.
  • Kleinkind-/Kindergartenalter
    Die Kinder fallen durch ihren rastlosen Aktivitätsdrang auf. Geringe Ausdauer beim Spielen, trotziges Verhalten, motorische Ungeschicklichkeit und in der Folge häufige Verletzungen und Unfälle. Bereits im Kleinkindalter können diese Verhaltensauffälligkeiten dazu führen, dass ein Kind mit ADHS schnell auf Ablehnung bei gleichaltrigen Spielkameraden stößt und keine stabilen Freundschaften entwickeln kann.
  • Grundschulalter
    Besonders deutlich zeigen sich die ADHS-typischen Verhaltensstörungen oft erst mit Schulbeginn. Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung können nicht lange still sitzen. Sie lassen sich schnell ablenken, sind ständig in Bewegung und fallen durch häufiges Stören des Unterrichts auf. Charakteristisch ist auch eine niedrige Frustrationsschwelle, schnelle Reizbarkeit und die Unfähigkeit, sich länger auf Aufgaben zu konzentrieren. So kommt es trotz normaler Intelligenz häufig zu Lern- und Leistungsproblemen. Viele ADHS-Kinder leiden parallel noch unter weiteren Lernstörungen wie Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche, die die Schulprobleme verstärken. Damit wird nicht nur eine „negative Schulkarriere“ eingeleitet, sondern die Kinder erfahren frustrierende, oft traumatische Erlebnisse, die sich auf das ganze weitere Leben auswirken können.
  • Jugendalter
    Bei Jugendlichen mit ADHS nehmen die hyperaktiven Verhaltensstörungen eher ab. Im Vordergrund stehen Aufmerksamkeitsstörungen und mangelnde Fähigkeit zur Selbstorganisation. Diese Jugendlichen versuchen häufig, ihre innere Unruhe zu betäuben, indem sie sich starken äußeren Reizen (z.B. laute Musik, exzessive Computerspiele) aussetzen oder bewusst Gefahren und Konfrontationen suchen. Charakteristisch sind außerdem Leistungsverweigerung und aggressives Verhalten über das im Jugendalter normale Maß hinaus. Auch in der Entwicklung ihrer sozialen Kompetenz zeigen Jugendliche mit ADHS starke Defizite gegenüber ihren gesunden Altersgenossen. Werden diese Störungen und ihre Auswirkungen nicht rechtzeitig erkannt, können diese Jugendlichen kein gesundes Selbstwertgefühl ausprägen. Sie neigen zu Depressionen und Ängsten – Folgen, die durch eine rechtzeitige Diagnose und angemessene Behandlung vermieden werden können.

Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADS, ADHS)

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Symptome und dem Alter des Kindes. Hilfreich ist meistens die individuell passende Mischung aus Beratung, Handlungsstrategien, verhaltenstherapeutischen Methoden und oft auch Medikamenten. Experten sprechen von einem „multimodalen Therapiekonzept“. Was eigesetzt wird, richtet sich danach wie ausgeprägt die Einschränkungen sind und wie alt das Kind ist.

Meistens kann die Behandlung ambulant stattfinden. Sind die Verhaltensauffälligkeiten sehr stark ausgeprägt, so dass es zu massiven Konflikten mit der Umgebung kommt, ist manchmal auch eine stationäre oder teilstationäre Therapie erforderlich. Das kann auch angebracht sein, wenn die Situation im Elternhaus besonders schwierig ist oder zusätzliche Krankheiten vorliegen.

Die Behandlung soll das Kind in die Lage versetzen, seine Möglichkeiten optimal zu nutzen. Es lernt gemeinsam mit Eltern und anderen Bezugspersonen, das eigene Verhalten besser zu steuern, Konflikte zu entschärfen und auch Strategien zum Umgang mit der Ablenkbarkeit zu entwickeln.

Aufklärung und Beratung (Psychoedukation)

Im ersten Schritt erfahren Eltern, wie sich ADHS äußert und wie sie ihrem Kind am besten helfen können. Sie lernen, klare Regeln zu definieren und konsequent zu bleiben. Gleichzeitig werden sie ermutigt, das Selbstwertgefühl ihres Kindes gezielt zu stärken und positive Verhaltensweisen – auch in Ansätzen – zu erkennen und zu loben.

Im Idealfall sollten auch Lehrer und Erzieher des betroffenen Kindes ausführlich über ADHS informiert werden und gemeinsam mit Experten und Eltern überlegen, wie sie am besten auf spezielle Probleme reagieren können. Die Pädagogen sollten wissen, dass die betroffenen Kinder nicht einfach „dumm“, „faul“ oder „ungezogen“ sind.

Älteren Kindern und Jugendlichen hilft es in der Regel auch, selbst über ihr „Handicap“ Bescheid zu wissen. Wenn sie bewusster erkennen, wie sie in bestimmten Situationen handeln, können sie auch effektiver gegensteuern. Es ist auch sehr wichtig, dass die Betroffenen in die Behandlung miteinbezogen werden. Spätestens im Jugendalter haben sie sonst keine Lust mehr, Therapien zu machen oder Medikamente einzunehmen, die sie „normal machen“ oder „ruhig stellen“ sollen. Wenn sie wissen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wie sie damit umgehen können und welche Behandlung ihnen auf welche Art hilft, sind sie viel eher bereit, diese fort zu setzen.

Eltern machen sich manchmal Vorwürfe, wenn sie erfahren, dass ihr Kind ADHS hat. Sie glauben in der Erziehung versagt zu haben. Der Kontakt zu anderen Betroffenen kann ihnen diesen Druck nehmen. In Selbsthilfegruppen erfahren Betroffene, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine dastehen – und welche Möglichkeiten es gibt, das Leben mit ADHS zu meisten.

Psychotherapie

In der Behandlung von ADHS werden vor allem verhaltenstherapeutische Maßnahmen eingesetzt. Die Therapie kann sich an das Kind selbst oder an seine Eltern richten. Eventuell entwickeln die Experten auch gezielte Programme für die Situation in der Schule oder im Kindergarten. Idealerweise setzt die Therapie genau dort an, wo die Konflikte auftreten.

Mit Hilfe der Verhaltenstherapie sollen Betroffene erkennen, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren und warum. So können sie langfristig lernen, mit Problemen besser umzugehen.

Mit verschiedenen Übungen versuchen Experten zum Beispiel, die Aufmerksamkeit des Kindes zu verbessern. Eltern werden Methoden angeboten, die ihnen helfen, dem Kind Regeln und Strukturen zu vermitteln. Beispiele sind:

  • Das Münzverstärker-System: Dieses Belohnungssystem wird in der Behandlung von ADHS häufig eingesetzt. Dabei wird mit dem Kind über positives Verhalten gesprochen, das möglichst gefördert werden sollte. Mit Plänen wird dieses Verhalten geübt und in den Alltag übertragen. Um es den Kindern leichter zu machen, erhalten sie für jedes positive Verhalten eine Münze. Mehrere Münzen können später gegen etwas eingetauscht werden, was sich die Kinder sehr wünschen. Das kann ein Kinobesuch sein, eine Vorlesestunde oder eine neue CD. Nach und nach wird der Einsatz der Münzen reduziert. Mit der Zeit stellt sich so ein dauerhafter Lerneffekt ein.
  • Response-Cost: Auch hier wird mit Belohnungen gearbeitet, aber das System funktioniert ein bisschen anders. Mit dem Kind wird eine Belohnung für gutes Verhalten vereinbart. Sobald sich das Kind jedoch unerwünscht verhält, wird diese Belohnung entzogen. Dieses System sollte jedoch nur mit Bedacht und in guter Abstimmung mit einem Experten eingesetzt werden. Kinder mit ADHS haben meist nur ein geringes Selbstbewusstsein und wenig Frustrationstoleranz. Sie reagieren daher oft sehr empfindlich auf Bestrafungen.

Medikamente

Medikamente sollen Betroffenen ermöglichen, sich besser konzentrieren zu können, aufmerksamer zu sein und mehr Kontrolle über impulsive Reaktionen zu erhalten. Am häufigsten kommen Medikamente zum Einsatz, die stimulierend wirkend (Methylphenidat und Amphetamine). Daneben gibt es aber auch weitere Wirkstoffe.

Behandlungsleitlinien empfehlen den Einsatz von Medikamenten bei Kindern ab sechs Jahren, wenn die ADHS-Symptome so ausgeprägt sind, dass Kind und Umfeld erheblich beeinträchtigt sind. In diesen Fällen können Medikamente dem Kind oft recht schnell helfen.

Wichtig ist eine genaue Untersuchung des Kindes vor der Gabe von Medikamenten. Der behandelnde Experte muss eventuelle Risikofaktoren erkennen, die gegen die Arzneien sprechen könnten oder besondere Vorsicht erfordern, beispielsweise Herzkrankheiten. Er sollte mit den Eltern auch ausführlich über die Wirkung und die möglichen Nebenwirkungen sprechen. Alle Medikamente können Nebenwirkungen auslösen. Einige Studien fanden negative Einflüsse der Arzneien auf Größe und Gewicht der Kinder. Andere Studien fanden solche Effekte nicht. Soweit bisher bekannt, wird die endgültige Größe der Kinder wohl nicht beeinträchtigt.

Die Dauer der Behandlung hängt davon ab, wie sich die ADHS-Symptome entwickeln. Selten kann in einer akuten Krise die Gabe über wenige Wochen und Monate ausreichen. Meist ist die Therapie auf einen längeren Zeitraum angelegt. Mindestens einmal pro Jahr sollte der behandelnde Experte überprüfen, ob eine weitere medikamentöse Behandlung wirklich notwendig ist. Bei 85 bis 90 Prozent der Betroffenen bringen die Arzneien den gewünschten Erfolg. Sollte eine Behandlung mit Medikamenten nicht mehr nötig oder nicht mehr gewünscht sein, sollte das mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Insbesondere der Übergang ins Erwachsenenalter mit mehr Anforderungen an Organisation, Eigenverantwortung und Selbständigkeit birgt viele Herausforderungen.

Methylphenidat: Dieses stimulierende Medikament erhöht die neuronale Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin und wird unter vielen Namen vertrieben. Die heutigen Produkte unterscheiden sich vor allem in der Dauer der Wirksamkeit. Die Therapie kann mit einer schnell wirkenden Form oder einer Retardform mit verzögerter Freisetzung des Wirkstoffs begonnen werden. Die jeweilige Dosis wird individuell bestimmt und muss eventuell nach einiger Zeit angepasst werden. Die Verschreibung von Methylphenidat unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz, das heißt dass der Arzt spezielle Rezepte verwenden muss, die maximal eine Woche gültig sind.

Methylphenidat erhöht das Risiko für eine Drogen-, Nikotin- und Alkoholsucht nicht, manche Studien weisen auch auf ein verringertes Risiko hin. Eventuelle Nebenwirkungen wie Tics, vermehrte Unruhe oder Kopfschmerzen verschwinden nach Einstellung auf die richtige Dosis meist wieder. Weil das Arzneimittel manchmal den Blutdruck oder Puls erhöhen kann, sind regelmäßige Kontrollen vor allem in der Einstellungsphase empfehlenswert.

Amphetamine: Sie erhöhen ebenfalls die neuronale Verfügbarkeit von Noradrenalin und Dopamin und setzen zusätzlich beide Botenstoffe frei. Sie sind besonders für Betroffene geeignet, bei denen Methylphenidat nicht ausreichend wirkt oder die mit Nebenwirkungen wie depressiven Verstimmungen oder Tics darauf reagieren. Auch bei zusätzlichen sozialen Störungen und aggressiven Verhaltensstörungen scheint der Einsatz von Amphetaminen günstig. Eine Zeit lang wurden Amphetamine in Deutschland nicht als fertige Medikamente angeboten, sondern individuell bei Bedarf als Saft in der Apotheke hergestellt. Das ist heute auch noch möglich, allerdings gibt es mittlerweile D-Amphetamin als Tablette. Lisdexamfetamin ist ein neueres Medikament, das eine längere Wirkdauer als die meisten anderen Stimulanzien hat und bei dem vermutet wird, dass das Missbrauchsrisiko gering ist. Auch Amphetamine unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz und erfordern ähnliche Verlaufskontrollen wie Methylphenidat.
Nichtstimulierende Medikamente:

Atomoxetin, das eigentlich ein Antidepressivum ist, erhöht die neuronale Verfügbarkeit von Noradrenalin und kann auch die Symptome von ADHS reduzieren. Die Nebenwirkungen ähneln denen von Methylphenidat, allerdings können häufiger sexuelle Probleme auftreten. Eine langsame und vorsichtige Aufdosierung hilft, Nebenwirkungen zu vermeiden. Die Wirkung setzt in vielen Fällen auch nur verzögert ein, sodass oft erst nach mehreren Wochen der optimalen Dosis die Wirkung zuverlässig beurteilt werden kann. Atomoxetin hat dafür im Vergleich zu den Stimulanzien den Vorteil, dass es nicht missbraucht werden kann.

ADHS

Was es mit dem Zappelphilipp auf sich hat

1845 beschrieb ein Frankfurter Nervenarzt zum ersten Mal die Zeichen des „Zappelphilipp-Syndroms“. Über viele Jahre hinweg wurde dann von POS-Kindern (POS= Psycho-Organisches-Syndrom) gesprochen. In den letzten Jahren lautet der Fachbegriff ADS, respektive ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung).

Bei ADHS handelt es sich um eine Verhaltensstörung, die meist schon im Kleinkindalter auftritt – aber in der Regel erst mit dem Schuleintritt augenfällig wird. Allerdings ist es so, dass bereits ein Baby Anzeichen von ADHS zeigen kann – Fachleute denken hierbei insbesondere an „schwierige“ Kleinkinder oder „Schreibabys“. Die psychiatrische Störung ADHS macht sich durch drei Faktoren bemerkbar: Stete Unruhe, ständiger Bewegungsdrang und verminderte Aufmerksamkeit.

Über die Ursachen von ADHS streiten sich die Experten, dennoch finden sich ein paar gemeinsame Nenner: Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass ADHS einerseits genetisch bedingt – also vererbbar ist. Aber auch biologische Faktoren, die vor allem vor der Geburt erworben wurden (beispielsweise durch Alkohol- und Nikotinkonsum der Mutter/Eltern sowie Sauerstoffmangel während der Geburt), fallen ins Gewicht. Und schliesslich geht man davon aus, dass psychosoziale Faktoren (Umfeld der Betroffenen) als weitere Ursache gewertet werden kann. Das Umfeld eines ADHS-Kindes wird oft auch für den Krankheitsverlauf und mögliche Erfolge bei einer Therapie verantwortlich gemacht. Andererseits wird betont, dass ADHS keine Folge falscher Erziehung ist.

Interessant ist, dass ADHS bei Buben weitaus öfter vorkommt als bei Mädchen, die eher zu ADS ohne Hyperaktivität („verträumt“) neigen, und dass im Schnitt ein Kind pro Schulklasse von ADHS betroffen ist. Ausserdem sind Frühgeborene häufiger betroffen. Wichtig zu wissen: ADHS findet man bei Kindern aller Intelligenzgrade.

Die wichtigsten Merkmale von ADHS:

  • Verminderte Ausdauer bezüglich Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Ständiger Bewegungsdrang, ziellose Überaktivität (Hyperaktivität), Unruhe
  • Mangelnde Fähigkeit, stillzusitzen
  • Verminderte Kontrolle von Gefühlen, Neigung zu impulsivem Verhalten, Gefühlsausbrüchen und Stimmungsschwankungen
  • Geringe Frustrationstoleranz
  • Schwierigkeiten, beim Spielen abzuwarten, bis sie an der Reihe sind
  • Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben oder Spiele zu konzentrieren.
  • Tendenz, wichtige Dinge zu verlieren
  • Neigung dazu, sich in riskante und gefährliche Situationen zu begeben, ohne sich die möglichen Konsequenzen zu überlegen. Hier besteht vermehrte Unfallgefahr
  • Ständige Bewegung von Händen und Füssen
  • Schwierigkeiten, sich auf eine Sache zu konzentrieren und Tendenz, immer wieder neue Dinge anzufangen, ohne die vorangegangene Aktivität beendet zu haben
  • Unfähigkeit, in Ruhe zu spielen
  • Tendenz, viel zu reden und andere zu unterbrechen, mangelnde Fähigkeit, zuzuhören

Bei der Beschreibung der ADHS-Symptome wird deutlich, dass Zappelphilippe neben augenfälligen Problemen auch viele Stärken haben – die allerdings gerne übersehen werden. Ein ADHS-Kind ist in der Regel sehr offen, anderen Menschen zugewandt, meist guter Laune, voller Tatendrang, begeisterungsfähig und zum Scherzen aufgelegt.

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Gut informiert

www.elpos.ch

www.sfg-adhs.ch

SF-Videoportal: PULS vom 15.10.2012.

Interview:“ADHS und Familie“

Die Behandlung von ADHS wird nach sorgfältiger Abklärung den individuellen Bedürfnisse des einzelnen Kindes angepasst. Meist handelt es sich bei den Massnahmen um eine Verhaltenstherapie respektive Psychotherapie oder aber um die Verabreichung von Medikamenten.

Die Information und Beratung von Eltern und Lehrern ist bereits ein wichtiger Teil der Behandlung. Die Verhaltenstherapie und Psychotherapie haben zum Ziel, dem Kind zu mehr Selbstkontrolle und zu einer besseren Anpassungsfähigkeit zu verhelfen. Bei nachgewiesenen Teilleistungsschwächen, die durch ADHS auftreten und sich zum Beispiel beim Lesen oder Schreiben bemerkbar machen, ist es sinnvoll, eine gezielte Förderung anzubieten.

Unabhängig davon, ob eine Therapie durchgeführt wird oder nicht, ist die Prognose für intelligente Kinder mit stabilen Familienverhältnissen und einer unkomplizierten Form von ADHS am besten. Solche Kinder benötigen oft nur eine kurze Therapie (zwei Jahre oder weniger).

Allerdings weisen über 30 Prozent aller Kinder, welche an ADHS leiden, auch als Erwachsene noch Symptome der Störung auf.

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Newsticker

Zappel-Zigi | 18.04.2019

Nikotin während der Schwangerschaft steigert laut einer finnischen Studie das spätere ADHS-Risiko (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) beim Kind. Zum Zeitpunkt der Studie (1999) rauchten noch 12,5% aller finnischen Schwangeren. Weil schwangere Raucherinnen bei Befragungen ihren Zigarettenverbrauch immer herunterspielen, wurde in der Studie der Cotinin-Spiegel im Blut der Schwangeren gemessen, der objektiv Auskunft über das Rauchverhalten gibt – auch bei einer Nikotinersatztherapie oder Passivrauchen. Je höher der Cotinin-Spiegel der werdenden Mutter war, desto grösser war das spätere Risiko für ADHS beim Kind. War die Nikotinexposition besonders hoch, stieg die ADHS-Wahrscheinlichkeit bei den später untersuchten Kindern und Jugendlichen um mehr als das Dreifache.

Wächst sich aus | 18.10.2018

Im Erwachsenenalter ist die ADHS-Häufigkeit mit 2–3 % nur halb so hoch wie bei Kindern und Jugendlichen mit 5–6 %. Daraus haben viele Experten in der Vergangenheit den Schluss gezogen, dass bei rund der Hälfte der Kinder mit ADHS die Krankheit bis ins Erwachsenenalter bleibt. Neuere Untersuchungen in Neuseeland, Brasilien und England zeigen, dass dies nicht richtig ist: Erwachsene und Kinder mit ADHS sind nicht dieselben Personen. Bei Erwachsenen tritt die Erkrankung zumeist sehr spät auf. Umgekehrt wird die Krankheit bei betroffenen Kindern kaum noch beobachtet, sobald sie ihre Jugend hinter sich haben. Vieles spreche nach Meinung von Experten dafür, dass Kindheits- und Erwachsenen-ADHS zwei unterschiedliche Krankheiten sind. Das Erwachsenen-ADHS ist zudem sehr häufig mit Suchtmittelmissbrauch und anderen psychischen Störungen verbunden.

Zappelkinder ruhiggestellt | 11.01.2018

Die deutschen Kinderärzte lehnen den Einsatz von Sandwesten bei unruhigen und unkonzentrierten Primarschülern ab. Laut Medienberichten werden die bis zu sechs Kilo schweren Westen schon an über 200 Schulen in Deutschland eingesetzt. Das soll angeblich wie ein behutsames Handauflegen wirken und über die Muskel- und Belastungssensoren dem Gehirn neue Impulse geben. Der therapeutische Nutzen der Westen bei zappeligen Schülern sei bisher nicht belegt. Zudem würden unruhige Kinder dadurch als Störenfriede oder gar als ADHS-Patienten abgestempelt. Nur etwa 3-5% eines Jahrgangs seien Kinder mit ADHS, die eine Therapie brauchen. Die vielen anderen Kinder, die den Unterricht stören, hätten meist einfach nicht gelernt, sich anzupassen und still zu sitzen, was sich oft bei gründlicher Abklärung herausstelle.

Ohne Autsch! | 22.06.2017

Viele Eltern von Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) berichten von einer reduzierten Schmerzwahrnehmung. Das wurde in einer aktuellen deutschen Studie zur Schmerzempfindlichkeit von ADHS-Patienten bestätigt. Es zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den drei untersuchten Gruppen: Kinder mit ADHS ohne Medikation zeigten die geringste Schmerzwahrnehmung, Kinder mit ADHS unter Methylphenidat (MPH) zeigten eine deutlich höhere Schmerzwahrnehmung, die mit der von Kindern aus der Kontrollgruppe ohne ADHS vergleichbar war. Die Autoren vermuten, dass bei Kindern mit ADHS ein Defizit an körpereigenen Schmerzübertragungsstoffen vorliegt, das mit Hilfe von MPH korrigiert wird. Sie sehen ausserdem einen Zusammenhang zwischen der erhöhten Unfallgefährdung der Kinder mit ADHS und ihrer Schmerzunterempfindlichkeit.

ADHS bremst Verdauung: Kinder mit ADHS haben vermehrt Probleme wie Verstopfung und Stuhlinkontinenz. In einer Studie an US-Militärangestellten und ihren Familien wurden die Angaben zu knapp 750.000 Kindern im Alter zwischen vier und zwölf Jahren ausgewertet. ADHS-Kranke litten im Schnitt dreimal häufiger unter Obstipation und siebenmal häufiger unter Stuhlinkontinenz als Kinder ohne ADHS. Es machte keinen Unterschied, ob sie ADHS-Mittel nahmen oder nicht. Mögliche Erklärungen: Entweder eine gestörte Kommunikation innerhalb des Nervensystems, wobei die Kinder mit ADHS nicht rasch genug auf die Signale aus dem Darm reagieren. Oder auch nur eine Entwicklungsverzögerung, weil sich das Problem in der Regel auswächst. (swissmom Newsticker, 5.2.14)

Mehr ADHS bei Klassenjüngsten: Eine neue Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt an den Daten von 7 Mio. Kindern: Die Jüngsten im Klassenverband erhalten häufiger die Diagnose „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ (ADHS) – und eine entsprechende Medikation – als ihre älteren Klassenkameraden. Von den jüngeren Kindern, die im Monat vor dem Stichtag der Einschulung geboren waren, erhielten im Schnitt im Laufe der nächsten Jahre 5,3 % eine ADS-Diagnose, bei den älteren Kindern, die im Monat nach dem Stichtag geboren waren und ein Jahr später eingeschult wurden, nur 4,3 %. Bei grossen Klassen und einem höheren Anteil ausländischer Schüler – was die Unterrichtsbedingungen erschwert – war der Unterschied noch deutlicher. Hausärzte sollten bei Kindern, die relativ jung erscheinen für ihre Klassenstufe, mit der Diagnose ADHS vorsichtig umgehen – es kann einfach am Geburtsdatum liegen. (swissmom Newsticker, 25.9.15)

Zappelphilipp-Syndrom: Was ADHS auslöst, ist noch nicht vollständig ergründet. Es gibt jetzt Hinweise, dass nicht ausreichend entwickelte Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen eine Rolle spielen – vor allem bei Kindern, die zu früh zur Welt kommen. Finnische Forscher haben ca. 10.000 ADHS-Kindern untersucht. Das Ergebnis: Je früher ein Baby zur Welt kam, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass es später ADHS entwickelte. Bei Geburt in der 38. Schwangerschaftswoche war das Risiko nur leicht erhöht. Frühgeburten in der 30. Woche hatten bereits ein 3,6-faches, Kinder der 25. Woche ein 5-faches und Kinder der 23. – 24. Woche sogar ein 12-fach erhöhtes Risiko. Auch das Geburtsgewicht beeinflusste das ADHS-Risiko, jedoch geringer als die Geburtswoche. (swissmom Newsticker, 1.4.16)

Psychiatrie, Psychosomatik & Psychotherapie

Elterntraining/Interventionen in der Familie

Die Schulung der Eltern gilt als wichtiger Bestandteil des multimodalen Therapiekonzeptes im Rahmen der ADHS-Behandlung. Voraussetzung für ein erfolgreiches Elterntraining ist die Kooperationsbereitschaft der Hauptbezugsperson(en). Innerhalb des Trainings werden u.a. problembelastete Verhaltensmuster für konkrete Situationen untersucht. Unter Einbeziehung spezieller verhaltenstherapeutischer Techniken wird vor allem die Anwendung positiver Verstärkung bei erwünschten Verhaltensweisen und der Einsatz negativer Konsequenzen bei Problemverhalten geübt. D.h. konkret, es gibt in spezifischen Problemsituationen generell eine Rückmeldung an das Kind – mit einem Belohnungssystem für positive Verhaltensweisen (positive Verstärkung) bzw. mit angemessenen negativen Konsequenzen bei auffälligem Verhalten. Eltern lernen darüber hinaus, sich selbst zu beobachten und zu beurteilen, um so ihre negativen Reaktionen auf das Kind zu kontrollieren. Bei Störungen der familiären Beziehungen und bei betroffenen Jugendlichen kann eine Familientherapie durchaus sinnvoll sein.

Interventionen im Kindergarten/in der Schule

Bei Schulkindern wird u.a. mit der Schule, den Schulbehörden und den Eltern bei der Platzierung des Kindes zusammengearbeitet, um eine Schule/Klasse zu finden, die der grundlegenden schulischen Leistungsfähigkeit des Kindes entspricht. Eine Sonderbeschulung ist häufig nicht notwendig. Erklären sich Erzieher bzw. Lehrer zur aktiven Unterstützung bereit, wird hier wie beim Elterntraining mithilfe von speziellen verhaltenstherapeutischen Techniken die Anwendung positiver Verstärkung und negativer Konsequenzen bei Problemverhalten trainiert.

Verhaltenstherapie des Kindes/Jugendlichen

Hilfreich sind verhaltenstherapeutisch konzipierte Gruppenkonzepte zur Förderung der Konzentration, der Lernstrategien oder der sozialen Kompetenz. In der Gruppe werden die in der Schule auffälligen Symptome besonders deutlich. Spezielle Behandlungsprogramme helfen den Kindern, in der Gruppe ihre Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität besser zu steuern. Verschiedene Behandlungseinheiten können vor oder während einer medikamentösen Behandlung sinnvoll sein.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen wird eine Verhaltenstherapie einzeln durchgeführt. Hier steht das so genannte Selbstinstruktionstraining im Mittelpunkt, welches ADHS-Kinder an eine strukturierte Aufgabenlösung heranführt. Das Kind ist typischerweise nicht in der Lage, auch bei dem Angebot von attraktiven Belohnungen, Hausaufgaben über eine der Klassenstufe des Kindes angemessene Zeit mit angemessenem Arbeitstempo organisiert durchzuführen. Da nicht erwartet werden kann, dass durch das Selbstinstruktionstraining die meisten Symptome in der Familie und in der Schule vermindert werden können, ist es sinnvoll, parallel Interventionen in der Familie und/oder in der Schule durchzuführen.

Therapie von ADHS-begleitenden Störungen

Zur Behandlung begleitender Störungen können beispielsweise folgende Maßnahmen ergänzt werden:

  • Soziales Kompetenztraining zur Verbesserung des zwischenmenschlichen Zusammenlebens und der Minderung von aggressiven Verhaltensstörungen;
  • Einzel- und/oder Gruppenpsychotherapie zur Verminderung von geringem Selbstwertgefühl und/oder Problemen mit Gleichaltrigen;
  • Übungsbehandlungen zur Verminderung von möglichen Entwicklungsstörungen (Teilleistungsschwächen wie Rechen- oder Lese- und Rechtschreibschwäche).

ADHS > Behandlung bei Kindern

1. Das Wichtigste in Kürze

Bei Kindern kann ADHS* vorliegen, wenn sie Probleme in ihrer Entwicklung oder ihrem Verhalten haben, sich nur schwer konzentrieren können oder sehr unruhig und impulsiv sind. Sinnvoll ist die Diagnose durch einen Facharzt, da frühzeitige und geeignete Therapien die Entwicklung des Kindes fördern und das Schul- und Sozialleben positiv beeinflussen können.

2. Diagnose

ADHS-Symptome bei Kindern sind insbesondere Hyperaktivität, Impulsivität und/oder Unaufmerksamkeit. Zudem sind oft die Beziehungen, die Leistungsfähigkeit oder die Teilhabe (= Einbezogensein in eine Gruppe) in mehreren Lebensbereichen beeinträchtigt.
Die Diagnose ADHS soll vor einem Alter von 3 Jahren nicht gestellt werden. Auch im Vorschulalter sollte ADHS nur bei sehr starken Symptomen diagnostiziert werden. Generell gilt, dass eine Diagnose umso schwieriger ist, je jünger das Kind ist.
Ausführliche Informationen zur Durchführung der diagnostischen Maßnahmen, den beteiligten Fachrichtungen und den Symptomen, die auf ADHS hinweisen, unter ADHS > Ursachen und Diagnose.

3. Behandlung

Bei der Auswahl einer geeigneten Therapie sollten Ärzte auf die Wünsche des Kindes und der Eltern eingehen und gemeinsam die zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten besprechen. Diese hängen von der Schwere der Symptome, der Persönlichkeit und dem Umfeld des Kindes sowie möglichen Begleiterkrankungen ab.

In der Regel wird ADHS durch eine sog. multimodale Therapie behandelt. Dazu wird ein Behandlungsplan aufgestellt, in dem psychosoziale und medikamentöse Therapien kombiniert werden:

  • Aufklärung und Beratung (Psychoedukation) der Eltern, des Kindes/Jugendlichen und des Erziehers bzw. des Klassenlehrers
  • Psychotherapie, in der Regel Verhaltenstherapie
  • Unterstützung im Kindergarten/in der Schule zur Verbesserung der Situation im Kindergarten/in der Schule
  • Medikamente
  • Neurofeedback ab einem Alter von 6 Jahren, wenn andere wirkungsvollere Therapien dadurch nicht verzögert/verhindert werden
  • Eliminationsdiät (Weglassen bestimmter Nahrungsmittel) in Abstimmung mit Ernährungsberater und Arzt/Psychotherapeut, wenn sich ein Zusammenhang zwischen Nahrungsmitteln und dem Verhalten des Kindes bestätigt hat
  • Unterstützung im Kindergarten/in der Schule zur Verbesserung der Situation im Kindergarten/in der Schule

Bei besonders schweren Formen von ADHS oder Begleiterscheinungen wie Selbst-/Fremdgefährdung können zudem (teil-)stationäre Therapien in Kliniken oder Reha-Einrichtungen in Erwägung gezogen werden.

3.1. Psychoedukation

Psychoedukation meint insbesondere die Aufklärung und Beratung des Betroffenen und seines sozialen Umfelds. Sie ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung von ADHS. Gemeinsam mit dem Arzt wird ein individuelles Behandlungskonzept mit u.a. folgenden Inhalten erstellt:

  • Erklärung der Krankheitsentstehung und möglicher Risikofaktoren
  • Erläuterung und Besprechung der verschiedenen Therapiemöglichkeiten
  • Umgang mit krankheitsspezifischen Beeinträchtigungen
  • Stärken und Ressourcen des Betroffenen

Ziel der Psychoedukation ist, das Verständnis für die Krankheit zu fördern, damit ein verbesserter Umgang mit den Krankheitsfolgen stattfinden kann. Die umfassende Aufklärung und Beratung ist wichtig, um die Symptome besser zu verstehen, das Erziehungsverhalten zu optimieren und Verhaltensprobleme zu mindern.

Kinder werden vor allem spielerisch an die Entstehung der Störung herangeführt. Bei Erwachsenen erfolgt die Aufklärung häufig durch theoretisches, faktenbasiertes Wissen. In allen Altersstufen wird das Wissen anschließend auf praktische Situationen bezogen, um es gezielt im Alltag anwenden zu können. So erhält der Betroffene eine Vorstellung davon, wie er mit den negativen Auswirkungen der ADHS umgehen und die Folgen der Störung positiv beeinflussen kann.

Findet die Psychoedukation in Form von Einzelgesprächen statt, kann besonders auf die individuelle Situation und Symptomatik eingegangen werden. Bei Gruppengesprächen hingegen kann der Betroffene vor allem vom Erfahrungsaustausch mit anderen profitieren.

3.1.1. Praxistipp

Das Online-Projekt ADHSpedia bietet umfassende Informationen zum Thema Psychoedukation bei ADHS unter www.adhspedia.de > Suchbegriff: „Psychoedukation“.

3.2. Psychotherapie

Ziel der Psychotherapie bei ADHS ist es, emotionale und psychische Verhaltensstörungen mit Hilfe von unterschiedlichen psychologischen Therapieansätzen zu verbessern. Die Therapie soll die Krankheitsbewältigung unterstützen und zu einer Verbesserung der Selbstwertproblematik beitragen. Welche Form der Psychotherapie angewendet wird ist einzelfallabhängig und erfolgt in Absprache mit dem Psychotherapeuten.

3.3. Medikamente

Ob Medikamente in der ADHS-Therapie eingesetzt werden, hängt unter anderem vom Alter des Kindes, der Schwere der Symptome und den Wünschen des Kindes/der Eltern ab.

Unter drei Jahren werden generell keine Medikamente verschrieben. Im Kleinkind- und Vorschulalter nur wenn Psychoedukation und psychosoziale Unterstützung nicht helfen und mit besonderer Vorsicht. Ab dem Schulalter wird bei schweren Symptomen und starken Beeinträchtigungen des Kindes in der Regel eine medikamentöse Therapie empfohlen.

Die Behandlung mit Medikamenten sollte nur nach gesicherter Diagnose und von einem Facharzt/ärztlichen Psychotherapeuten vorgenommen werden. Vor Beginn der medikamentösen Therapie sollten körperliche und neurologische Untersuchungen stattfinden und Puls, Blutdruck, Körpergewicht und Körpergröße überprüft werden. Diese Daten, die Wirksamkeit des Medikaments und eventuelle Nebenwirkungen sollten etwa alle 6 Monate überprüft werden. Einmal jährlich empfiehlt sich zudem eine behandlungsfreie Zeit ohne Medikamente, um zu überprüfen, ob sie noch notwendig sind.

Bei der Wahl des Medikaments sind z.B. folgende Gesichtspunkte zu bedenken:

  • Aktueller Zulassungsstatus
  • Wirkdauer
  • Mögliche Nebenwirkungen
  • Zusätzliche Erkrankungen (z.B. Tic-Störungen, Epilepsie)
  • Soziale Gesichtspunkte (z.B. wenn das Kind ein kurz wirksames Medikament auch in der Schule einnehmen muss)

In Deutschland sind zur Pharmakotherapie für Kinder folgende Wirkstoffe zugelassen: Methylphenidat, Atomoxetin, Dexamphetamin, Lisdexamfetamin und Guanfacin.

3.3.1. Methylphenidat

Methylphenidat ist ein Stimulans (= Substanz, die die Aktivität des Nervensystems anregt/beschleunigt). Es ist das zur Behandlung von ADHS am längsten erprobte Medikament und wird eingesetzt, um die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit bei Kindern mit ADHS zu verbessern. Methylphenidat unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz und die Verschreibung erfolgt auf einem gesonderten Rezeptvordruck. Methylphenidat kann die Neigung zu Suchtmittelabhängigkeiten fördern und als leistungssteigerndes Mittel missbraucht werden.

ADHS wird unter anderem durch eine Fehlregulation der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin ausgelöst. Dopamin und Noradrenalin sind, gemeinsam mit anderen Botenstoffen, an der Kommunikation der Nervenzellen beteiligt. Schüttet eine Zelle die Botenstoffe aus, werden sie mit kurzer zeitlicher Verzögerung von der benachbarten Nervenzelle wieder aufgenommen und es findet eine Erregung der Zelle statt. Bei ADHS werden diese beiden Botenstoffe zu schnell weitergeleitet und liegen deshalb dauerhaft in zu niedriger Konzentration am Wirkort vor. Methylphenidat hemmt die Wiederaufnahme der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin in den benachbarten Nervenzellen. Durch die Wiederaufnahme-Hemmung können die Botenstoffe länger an den Andockstellen der Nervenzellen verweilen. So kann der gestörte Dopamin- und Noradrenalin-Haushalt ausgeglichen werden und es erfolgt ein Rückgang der ADHS-Symptomatik.

3.3.2. Lisdexamfetamin

Lisdexamfetamin ist ebenfalls ein Betäubungsmittel und muss auf einem speziellen Rezept verschrieben werden. Auch dieser Wirkstoff kann als stimulierendes Rauschmittel missbraucht werden. Im Vergleich zu Methylphenidat ist das Missbrauchspotential dennoch etwas geringer, da sich die Wirkung langsamer und ausdauernder entfaltet.

Lisdexamfetamin hemmt zudem die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin und fördert so die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

3.3.3. Atomoxetin

Atomoxetin ist kein Betäubungsmittel und begünstigt Abhängigkeiten somit deutlich weniger als beispielsweise Methylphenidat. Ebenso wird der Missbrauch des Medikaments im Vergleich zu Methylphenidat unwahrscheinlicher, weil Atomoxetin weniger euphorisierend und stimulierend wirkt.
Der Wirkstoff hemmt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Noradrenalin an einer benachbarten Nervenzellen im Gehirn. Somit steigt die Gesamtkonzentration des Botenstoffs an. Der Dopamin-Haushalt wird dadurch (im Gegensatz zur Einnahme von Methylphenidat und Lisdexamfetamin) kaum beeinflusst.

3.3.4. Guanfacin

Guanfacin wird vor allem dann verabreicht, wenn eine Behandlung mit Stimulanzien nicht in Frage kommt (z.B. wegen Unverträglichkeit oder Suchttendenz). Der Wirkungsmechanismus von Guanfacin in Zusammenhang mit ADHS ist sehr komplex und noch nicht vollständig geklärt. Der Wirkstoff trägt zu einer Verringerung der Impulsivität bei.

3.3.5. Dexamphetamin

Auch Dexamphetamin ist ein Betäubungsmittel. Der Wirkstoff fördert die Freisetzung von Noradrenalin, wodurch unter anderem die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit gesteigert wird.

3.4. Neurofeedback

Neurofeedback kann Kindern mit ADHS helfen, ihre Konzentration und Aufmerksamkeit nachhaltig zu verbessern und sich auf eine Sache zu fokussieren. Beim Neurofeedback trainieren die Kinder gezielt ihre Hirnaktivität zu regulieren, indem sie über ein EEG (Elektroenzephalografie = Gerät zum Messen der elektrischen Hirnaktivität) mit einem Computer verbunden sind. Durch Konzentration können sie das Geschehen auf dem Bildschirm steuern. Es kann zwischen mehreren Möglichkeiten der Bildschirmanimation ausgewählt werden (z.B. Beeinflussen der Flughöhe eines Vogels oder der Geschwindigkeit einer Rakete). Durch mehrmalige Wiederholung dieses Verfahrens soll die Gehirnfunktion dauerhaft positiv verändert und die Symptome der ADHS abgeschwächt werden. Es sollten mind. 25-30 Sitzungen erfolgen.

3.5. (Teil-)Stationäre Rehabilitation für Kinder und Jugendliche mit ADHS

Teilstationäre oder stationäre Reha sind zu erwägen, wenn bei starken Störungen ein zeitweises Herausnehmen aus der Familie Erfolg verspricht, oder die Familie gemeinsam eine intensive Therapie braucht. Bei stationärer Rehabilitation (= Kur) können aus therapeutischen Gründen Mutter oder Vater stationär mit aufgenommen werden. Der Elternteil gilt dabei als Begleitperson.

In der Reha besteht für die Patienten und deren Eltern die Möglichkeit, nachhaltige Verhaltensänderungen zu erzielen und damit die psychosozialen Belastungen in der Familie zu mindern. Ziel der Reha ist auch die Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung. Gezielte Übungen fördern das gegenseitige Verständnis und die Konfliktlösefähigkeit. Schulkinder mit ADHS erhalten in einer Reha-Klinik wissenserhaltenden Unterricht, in dem motivationsfördernde Lerntechniken im Vordergrund stehen.

Nachfolgend Links zu den allgemeinen Bestimmungen der Rehabilitation:

  • Allgemeines zu Leistungen der medizinischen Rehabilitation
    mit Details zur ambulanten medizinischen Reha und zur stationären medizinischen Reha (Kur)
  • Medizinische Rehabilitation für Mütter und Väter (Mutter-Kind-Kur)
  • Kinderheilbehandlungen
  • Begleitperson bei stationärer Rehabilitation

Adressen von Reha-Kliniken:

  • „Handbuch Reha- und Vorsorgeeinrichtungen“ mit 1.500 Reha-Kliniken. Erscheint jährlich und liegt bei Ärzten und Beratungsstellen aus.
  • www.rehakliniken.de (= Inhalte Handbuch Reha- und Vorsorgeeinrichtungen).
  • www.kurklinikverzeichnis.de.

4. Nebenerkrankungen

Teilweise sind Kinder auch von anderen Störungen betroffen, die in Zusammenhang mit ADHS auftreten können, z.B.:

  • Oppositionelles (=verweigerndes) Trotzverhalten
  • Andere Störungen des Sozialverhaltens
  • Tic-Störungen
  • Entwicklungsstörungen
  • Autismus-Spektrum-Störungen

*ADHS wird der Einfachheit halber als Sammelbegriff für ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) verwendet.

5. Verwandte Links

Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) und Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

ADHS > Behinderung

ADHS > Ernährung

ADHS > Erziehung

ADHS > Pflege

ADHS > Schule

ADHS > Sport und Freizeit

ADHS > Urlaub

ADHS > Ursachen und Diagnose

ADHS > Wohnen

Im Alltag zeigen sich diese Symptome regelmäßig in unterschiedlichen Lebensbereichen (in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule und im Kontakt mit Gleichaltrigen). Es gibt zahlreiche Auslöser und Situationen, in denen Probleme auftreten können; beim einzelnen Patienten lässt sich oftmals ein wiederkehrendes Muster erkennen.

Aufmerksamkeitsstörung: Leichte Ablenkbarkeit

Aufgrund einer hohen Ablenkbarkeit auch durch Kleinigkeiten fällt es betroffenen Kindern schwer, sich zu konzentrieren. Schulkinder haben hierdurch große Probleme, dem Unterricht zu folgen oder die Hausaufgaben zu erledigen. Begonnene Aufgaben oder Spiele werden vielfach nicht beendet. Angefangene Beschäftigungen werden nach kurzer Zeit abgebrochen und stattdessen neue Aktivitäten begonnen.

Hyperaktivität: Starker Bewegungsdrang

Auffällig ist eine erhebliche äußere Unruhe; das Stillsitzen, auch für kurze Zeit, fällt extrem schwer oder ist nicht möglich. Dies kann sich bei Kindern im Grundschulalter so ausprägen, dass diese im Klassenzimmer über Tische und Bänke steigen.

Impulsivität: Unkontrolliertes Handeln

Kennzeichnend ist eine oft fehlende Kontrolle über die Handlungsplanung. Betroffene Kinder handeln impulsiv, nicht vorausschauend. Sie platzen mit Antworten heraus, bevor Fragen zu Ende gestellt wurden, und beginnen beispielsweise mit der Umsetzung von Anleitungen oder Aufgabenstellungen, ohne diese komplett verstanden zu haben.

Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind recht allgemeine (unspezifische) Krankheitsmerkmale, die nicht nur bei ADHS, sondern auch bei einer Reihe anderer Erkrankungen auftreten können. Auch gesunde Kinder sind hin und wieder unaufmerksam, hyperaktiv oder impulsiv, jedoch im Vergleich seltener und in einer deutlich schwächeren Ausprägung. Wichtig ist zu wissen, dass der Übergang von gesund zu krank fließend verläuft, d. h. dass neben eindeutig abgrenzbaren Verläufen auch Grenzfälle existieren, die schwieriger zu beurteilen sind.

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Bei meinem Kind ist nur eines der Symptome besonders stark ausgeprägt. Könnte trotzdem eine ADHS vorliegen?

Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Lernen ist eine gute Konzentration und Aufmerksamkeit, daher sind auch neben der Diagnose Lernstörung Probleme mit der Aufmerksamkeit zu beobachten.

Kaum eine andere Erkrankung hat in den letzten Jahren für so viel Aufmerksamkeit und Schlagzeilen gesorgt, wie ADHS. Leider ist oft genug immer noch verharmlosend vom Zappelphilipp-Syndrom die Rede, oft wird es als Mode-Diagnose oder Zivilisationskrankheit abgetan. Mittendrin stehen aber die Eltern und vor allem die betroffenen Kinder und Jugendlichen, die oft hilflos verunsichert und mit ihren Problemen teilweise überfordert sind oder sich alleine gelassen fühlen.

Bei ADHS-Kindern verlaufen Wahrnehmung und Verarbeitung von äußeren Eindrücken und Informationen anders als bei Kindern ohne ADHS. Sie haben Schwierigkeiten herauszufinden, welcher Reiz wann wichtig ist. Der Vogel vor dem Fenster ist für sie genauso wichtig, wie der Lehrer an der Tafel. Das ADHS-Kind kann nur schwer bestimmen mit welchem Reiz es sich in einer Situation beschäftigen soll, bis es Zeit ist ihn wieder loszulassen und sich dem nächst wichtigeren zuzuwenden. Es ist abgelenkt, weil es immer etwas Neues gibt, was Aufmerksamkeit verlangt. So entstehen die typischen Schwierigkeiten, die schon zu Hause beim Spielen oder bei alltäglichen Situationen, wie z.B. dem Anziehen, auffallen und im Kindergarten oder spätestens in der Schule zu Problemen führen. Wenn Außenstehende ein ADHS-Kind beobachten sind sie schnell mit einem Urteil bei der Hand, „Das Kind könne, wenn es wolle“. Diese Einschätzung führt zu viel Ärger, Leid und Unverständnis, denn sie ist falsch. Ein Kind mit ADHS handelt nicht aus bösem Willen, es ist nicht dumm oder faul und seine Eltern sind auch nicht erziehungsunfähig, das ADHS-Kind kann nicht anders.

Was sind die typischen ADHS-Symptome?

Charakteristisch für ADHS sind drei Symptombereiche: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Hyperaktivität liegt nicht in allen Fällen vor, viele Kinder haben ein ADS vom unaufmerksamen konzentrationsschwachen Typ ohne Hyperaktivität. Allerdings hat auch nicht jedes unruhige oder unaufmerksame Kind ADHS. Typisch ist, dass die Verhaltensauffälligkeiten weder dem Alter, noch dem sonstigen Entwicklungsstand des Kindes entsprechen und sich nicht von alleine verbessern. Sie müssen über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten bestehen und in verschiedenen Lebensbereichen, wie Familie, Kindergarten, Schule oder Freizeit gleichzeitig auftreten.

Wie häufig kommt ADHS vor?

ADHS ist die häufigste psychiatrische Diagnose im Kindes- und Jugendalter. Die Häufigkeit liegt bei 3 bis 5 Prozent, wobei Buben häufiger betroffen sind als Mädchen. Das Verhältnis liegt bei 2:1.

Welche Begleiterkrankungen gibt es?

Zusätzlich zum ADHS können folgende Begleiterkrankungen vorliegen:

Lernstörungen, wie Lese-/Rechtschreibstörung (Legasthenie), Rechenstörung (Dyskalkulie), Angststörungen, aggressive und oppositionelle Verhaltensstörung, Depressionen und Ticstörungen. Auch motorische Störung (Koordinationsprobleme der Grob- und Feinmotorik) können im Zusammenhang mit ADHS auftreten.

Was verursacht ADHS?

Wichtig ist, dass ADHS nicht durch äußere Faktoren verursacht wird. Die äußeren Faktoren, wie wenig strukturierter Tagesablauf, Probleme in der Betreuung, wechselnde Bezugspersonen, Mobbing in der Schule können die ADHS-Symptome deutlich verstärken.

Nach aktuellen Erkenntnissen geht man davon aus, dass es sich bei ADHS um eine Informationsstörung in den Teilen des Gehirns handelt, die verantwortlich für Problemlösung, Planung und Impulskontrolle sind. Wahrscheinlich ist bei Menschen mit ADHS zu wenig Dopamin/Noradrenalin vorhanden, das notwendig ist, um Reize aus der Umwelt richtig zu verarbeiten. Dopamin/Noradrenalin ist ein wichtiger Botenstoff (Neurotransmitter), der Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten übermittelt. Das ist nötig, weil die Nervenzellen nicht direkt miteinander verbunden sind, sondern zwischen ihnen ein kleiner Spalt liegt (synaptischer Spalt). Botenstoffe haben die Aufgabe Synapsen mitsamt der geladenen Information zu überbrücken. Ist zu wenig Dopamin/Noradrenalin vorhanden oder wird dieses zu schnell abgebaut, werden Informationen nicht richtig weitergeleitet. Diese Störung im System führt zu einer permanenten Reizüberflutung, die sich in dem hyperaktiven, unaufmerksamen und/oder impulsiven Verhalten niederschlägt. Den Kindern mit ADHS geht es so als würden sie fernsehen, während ein anderer permanent das Programm wechselt. Es ist ihnen nicht möglich ein Bild festzuhalten, ein neues ist immer wieder neu dazwischen. Aufrufe oder Ermahnungen des Lehrers oder der Eltern gehen in diesem Strom einfach unter, Aufgaben können nur zur Hälfte erinnert werden. ADS-Kinder vergessen aufgenommene Informationen schnell und lernen schlecht aus Erfahrungen. Besondere Mühe bereiten Alltagsaufgaben, die einen bestimmten Ablauf verlangen. Durch die permanente Überreizung sind sie häufiger gestresst und wirken wie unter Strom. Das äußert sich in einem ständigen Getriebensein, starken Stimmungsschwankungen und einer niedrigen Frustrationstoleranz, teilweise auch in Wutausbrüchen.

Wie kann ADHS behandelt werden?

ADHS ist nicht grundsätzlich heilbar. Wichtiges Ziel einer Behandlung ist auf die Symptome – wenn möglich über den ganzen aktiven Tag des Kindes – Einfluss zu nehmen. Wichtig sind pädagogische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen, eventuell kann zu einem späteren Zeitpunkt auch eine medikamentöse Therapie als zusätzliche Hilfe erforderlich sein. Wichtig ist die verschiedenen Maßnahmen möglichst ausgewogen miteinander zu kombinieren.

Wie können Eltern dem ADHS-Kind helfen?

  • Klare Regeln aufstellen
  • ADS-Kinder können sich selbst nicht so gut steuern wie andere Kinder. Sie benötigen Hilfe von außen.
  • Positives Verhalten loben
  • ADS-Kinder brauchen sofort und häufig positive Verstärkung. Helfen kann auch ein Belohnungsplan.
  • Konsequent sein
  • Probleme vorhersehen
  • Aufträge interessant machen
  • Bewegungsdrang analysieren
  • Zuneigung zeigen
  • Gelassen bleiben
  • Ziel ist es gemeinsam positive Erlebnisse mit dem Kind zu haben.

Als Abschluss ein Zitat von Professor Buitelaar vom EPCN-Kongress in Barcelona 2003, der sagte:

Was kann man gegen Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS bzw. ADS tun?

Das Ziel einer AD(H)S-Therapie ist es, die Symptome wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität in den Griff zu bekommen. Eine Behandlung soll dem Betroffen ermöglichen, sozial integriert zu sein, seiner Begabung entsprechend eine Ausbildung zu beenden und ein genügend stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen. Die Behandlung von AD(H)S ist so individuell wie das Krankheitsbild an sich. Die derzeit beste Therapie bei AD(H)S ist die multimodale Therapie. Darunter versteht man eine individuell ausgewogene Kombination aus verschiedenen Therapiebausteinen bei der sowohl das Kind selbst sowie seine Familie und bestenfalls auch die Schule miteinbezogen werden.

Der Erfolg funktioniert nur durch gute Zusammenarbeit mit dem Kind selbst, den Eltern und den LehrerInnen.

Die Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen:

  • Aufklärung über AD(H)S und Beratung des Betroffenen, seiner Familie und der/s LehrerIn
  • Elterntraining zur Verbesserung der familiären Probleme
  • Verhaltenstherapie, bei der das Kind neue Verhaltensweisen erlernt
  • Behandlung von begleitenden Symptomen wie Schulproblemen, Wahrnehmungsdefiziten, Angststörung, etc.
  • in manchen Fällen medikamentöse Therapie
  • eventuell ist das Einbeziehen von Ergo- oder MototherapeutInnen angebracht

Bei klinisch-psychologische Behandlung von AD(H)S kann um Zuschuss bei Magistrat/Bezirkshauptmannschaft angesucht werden.

ADHS Therapie

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ADHS / Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung

Impulsivität – unüberlegtes Handeln

Kinder mit beeinträchtigter Impulskontrolle verhalten sich impulsiv, d.h., sie handeln ohne nachzudenken. Sie sind ungeduldig und platzen ständig in Gespräche oder Spiele anderer hinein und stören andere insbesondere beim Telefonieren. Sie können nur schwer warten, bis sie an die Reihe kommen. Sie reden unüberlegt, viel, ungebremst und wechseln oft das Thema.

Impulsive Kinder ordnen sich schlecht in eine Gemeinschaft ein und stören meist die geregelten Abläufe in Familie, Kindergarten und Schule. Sie haben zudem oft Probleme, Mimik und Gestik ihres Gegenübers einzuschätzen. Sie fühlen sich schnell bedroht und provoziert. Dieses impulsive Verhalten wird häufig mit Aggressivität gleichgesetzt.

Heftige Stimmungsschwankungen, eine allgemeine starke Reizbarkeit, Distanzlosigkeit, Dazwischenreden und Wutausbrüche über geringfügige Ursachen (Frustrationsintoleranz) sind ebenfalls mögliche Zeichen einer gestörten Impulskontrolle.

Hyperaktivität – übersteigerter Bewegungsdrang

Starker Bewegungsdrang, der sich in unkontrollierter motorischer Unruhe äußert, nennt man Hyperaktivität. Die Kinder fuchteln mit Händen und Füßen herum oder rutschen auf dem Stuhl hin und her, sind insgesamt unruhig. Besonders in unpassenden Situationen, wie z.B. im Schulunterricht, sind sie dauernd in Bewegung. Sie haben große Schwierigkeiten, still zu sein, und fallen häufig durch übermäßig lautstarkes Spielen auf. Die Kinder schlafen wenig, sind zudem oft experimentierfreudig und – weil sie Gefahren oft schlecht einschätzen können – unfallgefährdet.

ADHS-begleitende Störungen

Oft entwickeln ADHS-Patienten neben den Kernsymptomen weitere Störungen (so genannte Komorbiditäten), die unbedingt mit behandelt werden müssen, da sie die Prognose der ADHS maßgeblich negativ beeinflussen können. Etwa 60% der betroffenen Kinder weist derartige Begleiterscheinungen auf – hierzu zählen vor allem:

  • Störungen des Sozialverhaltens (z.B. Aggressivität); vor allem beim vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ
  • Entwicklungsstörungen (z.B. im motorischen und sprachlichen Bereich sowie in der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit), schulische Leistungsdefizite und Hinweise auf Teilleistungsschwächen (Lese-Rechtschreib- und/oder Rechenschwäche);
  • negatives Selbstbild oder depressive Störungen, vor allem beim vorwiegend unaufmerksamen Typ;
  • Angststörungen (besonders Leistungsängste), vor allem beim vorwiegend unaufmerksamen Typ;
  • beeinträchtigte Beziehungen zu Familienmitgliedern, zu Erziehern/Lehrern und zu Gleichaltrigen;
  • auch die Kombinationen mit Autismus-Spektrum-Störungen (Asperger) sind weitaus häufiger, als man früher gedacht und in ICD oder DSM vorgegeben hat;
  • auch bei Kindern mit einer Minderbegabung kommt ADHS genauso häufig vor. Bei Kombination mit geistiger Behinderung ist die Diagnose noch schwieriger zu stellen.

Neben einem gestörten Sozialverhalten kommen bei Schulkindern mit einer beeinträchtigten Aufmerksamkeit Lernschwierigkeiten am häufigsten vor. Die Leistungen in der Schule liegen meist weit unter den eigentlichen Fähigkeiten. Es fehlt an Konzentration und Geduld, damit werden viele auditive, visuelle und taktile Informationen nur teilweise wahrgenommen. Trotz Wiederholung werden Informationen oft nicht vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übernommen! Eine Lese-Rechtschreib- und/oder eine Rechenschwäche bestehen oft neben guten Leistungen in anderen Bereichen.

Positive Auffälligkeiten

ADHS-Kinder haben gewiss nicht nur negative Eigenschaften. In vielen Bereichen sind sie ihren gesunden Altersgenossen sogar überlegen. So sind sie meist hilfsbereit. Sie beeindrucken und bereichern ihre Umgebung durch Spontaneität, Phantasie, schnelle Auffassung, Begeisterungsfähigkeit und unkonventionelle Ansichten. Häufig fallen sie durch ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn auf. Viele finden ihr Betätigungsfeld in kreativen und künstlerischen Bereichen.

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