Ab wann rechnet man die schwangerschaft

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In welcher SSW bin ich? So berechnet man die Schwangerschaftswoche

Wenn man gerade schwanger geworden ist oder eine Schwangerschaft gerade eingetreten sein könnte, dann möchte man natürlich gerne wissen, wie weit man ist. Man möchte die Schwangerschaftswoche berechnen und möglichst auch gleich den Entbindungstermin. Mit unserem Eisprungkalender lässt sich das und noch einige andere Termine1)Was unser Eisprungkalender ausrechnen kann:
– Eisprung und Befruchtung
– Zeitpunkt der Einnistung berechnen
– Frühester Zeitpunkt für Schwangerschaftstest
– Entstehung der ersten Organe
– erste Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung
– Herzschlag im Ultraschall erkennbar
– Chorionzottenbiopsie möglich
– Organe sind fertig angelegt
– Fruchtwasseruntersuchung möglich
– Spezieller Organultraschall möglich
– Erste Kindsbewegungen spürbar
– Frühgeborene sind überlebensfähig
– Beginn des Mutterschutzes
– voraussichtlicher Entbindungstermin schnell ausrechnen.

Schwangerschaftswoche berechnen bei normaler Empfängnis

Die Berechnung des Entbindungstermins geht auf Zeiten zurück, in denen man noch nichts von Hormonen oder Eisprung wusste. Das einzig erkennbare Zeichen des weiblichen Hormonhaushaltes war damals die Regelblutung und daran orientierte sich naturgemäß die Berechnung. Bei einem regelmäßigen 28-Tage-Zyklus dauerte eine Schwangerschaft dann 40 Wochen ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Oder wenn man die Original Naegelsche Regel nimmt:

Naegelsche Regel2) Naegele HF J, Grenser WL. Lehrbuch der Geburtshülfe. 1872. 8. Auflage. Verlag v. Zabern; Mainz:: Errechneter Geburtstermin = + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr; oder: + 9 Monate + 7 Tage.

Diese Regel funktioniert nur bei einem klassischen 28-Tage-Zyklus und wird auch in der wissenschaftlichen Literatur3)Komlew, A. (2016). Ist die Naegelsche Regel nach 200 Jahren noch aktuell?. Die Hebamme, 29(06), 340-344. als unzureichend genau beurteilt. Wie jedoch kann man die Schwangerschaftswoche berechnen, wenn der Zyklus länger oder kürzer ist?

Ist die durchschnittliche Zykluslänge kürzer, tritt also der Eisprung früher ein als in einem „üblichen“ 28-Tage-Zyklus, dann ist der Geburtstermin entsprechend früher. Und bei längeren Zyklen schlägt man die Abweichung vom 28 Tage-Zyklus auf die 40 Wochen drauf. Z. B. 30-Tage-Zyklus: 40 Wochen und zwei Tage vom Beginn der letzten Regel.

Schwangerschaftswoche berechnen bei der künstlichen Befruchtung

So simpel ist das bei der normalen Empfängnis. Wie ist es jedoch bei der IVF oder anderen Maßnahmen, bei denen der Zeitpunkt der Empfängnis mehr als sicher bekannt ist?

Wann ist denn eigentlich der Zeitpunkt der Empfängnis?

  • Bei einfacher Hormonbehandlung: Der Tag des Eisprungs
  • Nach einer Insemination: Tag der Insemination = Tag des Eisprungs
  • Nach künstlicher Befruchtung: Der Tag der Punktion (Entnahme der Eizellen)

Kann man da nicht eigentlich auch einfach den Tag der letzten Blutung nehmen?

Nein, kann man nicht, da durch die hormonelle Vorbehandlung der Zeitpunkt der Punktion sehr deutlich von dem Zeitpunkt des Eisprungs im natürlichen Zyklus abweichen kann. Außerdem ist die Berechnung ohnehin genauer, da man den Zeitpunkt des Eisprungs ja genau kennt. Ab diesem startet dann ja die Entwicklung des Embryos.

Wenn man also den Tag der Punktion/Insemination kennt, dann kann man das ja relativ simpel auf den „üblichen“ 28-Tagezyklus übertragen. Bei diesem wäre ja der Eisprung am 14. Zyklustag oder anders formuliert: Der Beginn der Regel läge zum Zeitpunkt des Eisprungs bei dem 28-Tage-Zyklus 14 Tage zurück. Und ab da 40 Wochen…

Unabhängig vom Beginn der letzten Blutung nimmt man daher bei der künstlichen Befruchtung den Zeitpunkt der Punktion/Insemination, rechnet 14 Tage zurück und ab da 40 Wochen.

Hatte ich meine Punktion also am 1.2.2016, dann bin ich am 20.2.in der 4+6 Schwangerschaftswoche. Obwohl die Punktion also erst 2 Wochen und 6 Tage zurückliegt, da ich noch zwei Wochen hinzurechne, was einen dann auf 4 Wochen plus 6 Tage bringt.

Man könnte aber doch einfach ab dem Eisprung 38 Wochen als Entbindungstermin nehmen?

Das könnte man machen. Und das wäre auch irgendwie logischer. Aber nicht jede Frau kennt den Zeitpunkt ihres Eisprungs so genau wie diejenigen, die sich in der Kinderwunschbehandlung befinden und da bleibt dann nur die gute alte Naegelsche Regel zur Berechnung.

Und da diese Regel auch heute noch die Grundlage für die Angabe der Schwangerschaftswochen ist, sollte man auch nach einer künstlicher Befruchtung diese 14 Tage hinzuzählen, damit die Angaben zur Schwangerschaftswoche für alle Frauen unabhängig von der Entstehung der Schwangerschaft vergleichbar bleiben.

Also nochmal: Punktion minus 14 Tage gleich erster Tag der letzten Regel (wann immer der auch gewesen sein mag, das ist egal) und ab da 40 Wochen.

Wenn der Titel des Artikels nun sagte „Schwangerschaftswoche berechnen leicht gemacht„, dann merkt man nun, dass das Thema ein wenig zu komplex ist, um es einfach abzuhandeln. Wen aber der ganze theoretische Überbau nicht interessiert, der sei noch einmal abschließend auf unsere interaktiven Hilfen hingewiesen, damit geht es nämlich wirklich einfach und schnell:

  • Eisprungkalender
  • Schwangerschaftskalender

Besonderheit der Berechnung von SSW und Entbindungstermin beim Kryotransfer

Bei der Verwendung zuvor eingefrorener Eizellen/Embryonen im Rahmen einers Kryotransfers ist die Berechnung der SSW noch ein wenig schwieriger, da die Punktion als zeitliche Basis fehlt. Eine klare Vorgabe für die Berechnung gibt es da nicht.

Naheliegend ist es jedoch, die Berechnung der SSW vom Entwicklungsstadium am Tage des Transfers abhängig machen. Wird also ein 4-Zeller transferiert, dann wäre dies gleichzusetzen mit einem Transfer 2 Tage nach der Punktion, bei einem 8-Zeller sind es 3 Tage und bei Blastozysten wären es 5 Tage nach der Punktion. Man nimmt also den Transfer-Tag und geht die entsprechende Anzahl an Tagen zurück, an dem dann die „virtuelle“ und für die Rechnerei maßgebliche Punktion stattgefunden hätte, wäre es denn ein „frischer“ Transfer gewesen.

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Literatur

1. Was unser Eisprungkalender ausrechnen kann:
– Eisprung und Befruchtung
– Zeitpunkt der Einnistung berechnen
– Frühester Zeitpunkt für Schwangerschaftstest
– Entstehung der ersten Organe
– erste Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung
– Herzschlag im Ultraschall erkennbar
– Chorionzottenbiopsie möglich
– Organe sind fertig angelegt
– Fruchtwasseruntersuchung möglich
– Spezieller Organultraschall möglich
– Erste Kindsbewegungen spürbar
– Frühgeborene sind überlebensfähig
– Beginn des Mutterschutzes
– voraussichtlicher Entbindungstermin
2. Naegele HF J, Grenser WL. Lehrbuch der Geburtshülfe. 1872. 8. Auflage. Verlag v. Zabern; Mainz:
3. Komlew, A. (2016). Ist die Naegelsche Regel nach 200 Jahren noch aktuell?. Die Hebamme, 29(06), 340-344.

Geburtsterminrechner: Berechne den Entbindungstermin deines Babys

Wie genau ist der errechnete Termin?

In den wenigen Monaten der Schwangerschaft entwickelt sich aus winzigen Zellen ein lebensfähiger kleiner Mensch. Ein solches Wunder hält sich natürlich nicht an einen festen Terminplan. Wann dein Baby tatsächlich zur Welt kommt, kann deshalb niemand völlig exakt voraussagen – es sei denn, die Geburt wird eingeleitet oder es findet ein geplanter Kaiserschnitt statt. Nehmen Schwangerschaft und Geburt ihren natürlichen Lauf, erblicken 90 Prozent aller Babys innerhalb von drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin das Licht der Welt. Kinder, die zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren werden, gelten als termingerecht. Doch gerade einmal etwa neun Prozent der Babys kommen genau am errechneten Tag zur Welt. Weitere neun Prozent der Babys werden zu früh, also vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW), geboren und lediglich ein Prozent der Babys nach vollendeter 42. Schwangerschaftswoche (SSW). Wird der Geburtstermin um mehr als zwei Wochen überschritten, beginnen die Ärzte in der Regel mit einer Einleitung der Geburt.

Der Geburtstermin, den dein Arzt oder deine Hebamme zu Beginn der Schwangerschaft berechnen, wird sich im weiteren Verlauf vielleicht noch einmal oder sogar mehrmals verschieben. Die drei regulären Ultraschall-Untersuchungen geben laufend Aufschluss darüber, ob die Entwicklung des Kindes erwartungsgemäß verläuft. Die vorliegenden Daten wie Gewicht und Maße (Schädel-Steiß-Länge, Schädeldurchmesser, Oberschenkelknochen) werden mit statistischen Normwerten abgeglichen, um das aktuelle Schwangerschaftsalter festzustellen und damit auch den voraussichtlichen Geburtstermin genauer zu bestimmen. Am präzisesten kann der Geburtstermin durch die Messung der Scheitel-Steiß-Länge bis zum Ende der 12. Woche (SSW) ermittelt werden. Mit fortschreitender Schwangerschaft verläuft die Fötusentwicklung jedoch immer individueller und die Genauigkeit dieser Methode nimmt ab.

Geburtstermin berechnen: Wann kommt das Baby zur Welt?

Sie sind schwanger? Mit diesem Rechner können Sie den voraussichtlichen Geburtstermin Ihres Babys ermitteln. Geben Sie den ersten Tag Ihrer letzten Regelblutung und Ihre Zykluslänge ein. Die Zykluslänge ist die Anzahl der Tage, die normalerweise zwischen dem ersten Tag Ihrer Menstruation und dem ersten Tag der nächsten Regel liegt.

Praktisch: Im Ergebnis sehen Sie auch gleich, an welchem Tag Ihr Mutterschutz beginnt.

Und so berechnet sich der Geburtstermin

Ausgangspunkt ist der erste Tag Ihrer letzten Periode. Schwanger werden können Sie jedoch erst nach dem Eisprung, also frühestens 14 Tage später. Der genaue Zeitpunkt hängt von Ihrer Zykluslänge ab. Nach der Befruchtung der Eizelle durch ein Spermium dauert es 38 Wochen, bis das Baby in Ihrem Bauch fertig entwickelt ist und die Geburt bevorsteht. Zusammen ergibt das rund 40 Schwangerschaftswochen, ab dem ersten Tag Ihrer letzten Regelblutung gerechnet. Da die einzelnen Zeitspannen von Frau zu Frau etwas variieren, kann es sein, dass der Frauenarzt den voraussichtlichen Geburtstermin im Laufe der Schwangerschaft noch korrigieren muss.

Berechnung Geburtstermin und SSW: Wann kommt das Baby?

Manche Eltern möchten genau wissen, wann ihr Kind das Licht der Welt erblicken wird. Der Geburtstermin eines Kindes lässt sich ganz leicht selbst berechnen. Nutzen Sie dafür eine der folgenden Möglichkeiten oder unseren Geburtsterminberechner.

Mondphasen bestimmen Geburtstermin: 40 Schwangerschaftswochen

Um den Geburtstermin zu berechnen, können als Grundlage vier Lunarmonate (Mondphasen) dienen. Der weibliche Zyklus verläuft in der Regel ebenso wie die Mondphasen in einem Rhythmus von 28 Tagen. So erstreckt sich die Schwangerschaft von der Zeugung bis zur Geburt über 40 Wochen, also zehn Mondmonate. Als Beginn der Schwangerschaft wird der 1. Tag der letzten Menstruation datiert (nicht der Zeitpunkt der Befruchtung). Zur Berechnung müssen nun lediglich 280 Tage hinzugefügt werden, um den etwaigen Termin für die Geburt zu bestimmen.

Entbindungstermin mithilfe der Naegele-Regel bestimmen

Die Berechnung ist auch anhand der sogenannten „Naegele-Regel“ möglich. Diese ist benannt nach dem Heidelberger Gynäkologen Franz Naegele. Sie wird seit etwa 200 Jahren angewandt. Demnach berechnet sich der Tag mit der größten Geburtswahrscheinlichkeit folgendermaßen:

Termin der Geburt = + 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr

Weicht ihre Zykluslänge von 28 Tagen ab, können Sie die Formel entsprechend anpassen:

Termin der Geburt = + 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr +/-

Das Zeugungsdatum kann helfen

Ist der Zeugungstermin bekannt, gibt es eine weitere Methode, den Geburtstermin zu berechnen. Da eine Schwangerschaft im Schnitt von der Befruchtung bis zur Geburt zwischen 263 und 273 Tage dauert, wird zu dem Zeugungstag ein Mittelwert von 266 Tagen, also 9 ½ Mondmonate, addiert. Der Tag der Befruchtung entspricht meistens allerdings nicht dem Tag des Geschlechtsverkehrs, der zur Schwangerschaft geführt hat. Es können danach einige Tage vergehen, bis die Spermien die Eizelle befruchtet haben.

Geburtstermin alternativ bestimmen

Eine weitere Alternative zur Berechnung sind die medizinischen Werte, die sich bei den gynäkologischen Untersuchungen ergeben. Alterstypische Entwicklungsmerkmale des Fötus, wie etwa Kopfumfang, Größe und Gewicht, geben Anhaltspunkte, wie weit die Schwangerschaft bereits vorangeschritten ist. Auch Größe und Lage der Gebärmutter weisen auf den Status der Schwangerschaft hin. Aus diesen Werten können Frauenarzt und Hebamme ebenfalls den Tag der Geburt bestimmen. Es kann auch passieren, dass der Arzt den errechneten Geburtstermin im Verlauf der Schwangerschaft noch einmal korrigieren muss.

Geburtsterminrechner: Geben Sie Ihre Werte ein

Tag der Zeugung eingeben und berechnen:
Erster Tag der letzten Regel eingeben und berechnen:

Tag der Zeugung Erster Tag der letzten Regel

Der vorausichtliche Geburtstermin ist:

Sie sind in der . Schwangerschaftswoche

Mit anderen Daten berechnen?

Auch mit unserem Rechner können Sie den Geburtstermin Ihres Babys bestimmen. Wählen Sie zunächst zwischen „Tag der Zeugung“ oder „Erster Tag der letzten Regel“. Klicken Sie dann auf den entsprechenden Tag im Kalender und auf „Jetzt berechnen“. Der voraussichtliche Entbindungstermin wird Ihnen im Anschluss angezeigt. Zudem erfahren Sie, in welcher Schwangerschaftswoche (SSW) Sie sich derzeit befinden.

  • Unterschiede: Das sollten Schwangere über Wehen wissen
  • Schon vor der Schwangerschaft: Was Frauen für ein gesundes Baby tun sollten
  • Obwohl sie selbst Wehen hat: Ärztin hilft anderer Frau bei der Geburt
  • Ablauf, Risiken: Deshalb steigt die Anzahl der Geburten durch Kaiserschnitte

Der Geburtsterminrechner liefert nur einen Näherungswert. Denn bei aller Rechnerei bestimmt das Baby, wann es auf die Welt kommt. Daher sind die errechneten Werte immer nur Anhaltspunkte. Von 100 Kindern erblicken lediglich vier am berechneten Geburtstag das Licht der Welt. Eine Geburt 21 Tage vor oder 14 Tage nach dem Berechnungstermin ist völlig normal.

Die Dauer einer normalen Schwangerschaft kann durchaus variieren – laut einer Studie sogar bis zu fünf Wochen. Jede Schwangerschaft verläuft schließlich individuell.

STERNENKIND: Wenn ein Kind still zur Welt kommt

Jessica Kieliger hat zwei Söhne, doch eigentlich sind es drei – der kleine Gabriel starb kurz vor der Geburt. Da hatte ihn seine Mutter bereits fest in ihr Herz geschlossen. Die Geschichte einer Ankunft, die schon wieder Abschied ist.

Susanne Holz 10.12.2017, 05.02 Uhr Drucken Teilen

Jessica Kieliger mag Berge. Irgendwann möchte sie die Asche ihres tot – oder behutsamer gesagt – still geborenen Sohnes auf einem Berg verstreuen und danach Blumen in seine Urne pflanzen. (Bild: Nadia Schärli (Ried/Muotathal, 23. November 2017))

Susanne Holz

Jede Mutter weiss: Sein Kind liebt man nicht erst, wenn es auf der Welt ist. Man liebt es schon lange vorher. Man fängt an, es zu lieben, wenn der Bauch beginnt, sich zu wölben. Man verliebt sich in das erste Ultraschallbild. Man verliebt sich in die ersten Bewegungen, die das Kind im Bauch vollführt. Man überlegt sich einen Namen, der zu dem passen könnte, was man fühlt, denkt man an dieses bestimmte und einzigartige Wesen. Denn jedes ungeborene Kind ist bereits ein Individuum. Stirbt ein Kind kurz vor der Geburt, müssen Eltern von einer kleinen Persönlichkeit Abschied nehmen, zu der sie meist schon eine enge Bindung aufgebaut haben. Dieser Abschied ist schwer und notwendig – und vermutlich nie ganz vollzogen.

Jessica Kieliger (29) und ihr Mann Marcel haben im September 2016 ihr drittes Kind verloren – es starb im Bauch der Mutter nur wenige Tage vor der Geburt. Gut ein Jahr später erzählt die aufgeschlossene junge Frau vom tief traurigen Verlust. Man sitzt in ihrem Esszimmer in Ried im Muotathal (SZ), beim Gespräch immer wieder mit dabei sind die Söhne Florian (7) und Philipp (3). „Ich weiss nicht, wo ich heute wäre, wären da nicht meine anderen zwei Kinder“, sagt die auf den ersten Blick sympathische Frau in Gedanken an ihren dritten Sohn, Gabriel, den sie tot auf die Welt bringen musste. Beziehungsweise still. „Das ist der schönere Ausdruck“, erklärt Jessica Kieliger. „Den verwenden auch die Hebammen – weil er nicht so hart klingt.“

Jessica gegenüber hat ihre Hebamme Platz genommen, die auch vor über einem Jahr an ihrer Seite war, als sie viel Trost und Halt brauchte: Susanne Leu vom Geburtshaus Stans. In diesem Geburtshaus kam Gabriel Leandro zur Welt, am errechneten Geburtstermin, und so, wie es geplant war, wäre es eine „normale“ Geburt gewesen.

Eine furchtbare Ahnung: „Etwas ist nicht mehr gut.“

Jessica Kieliger blickt zurück: „Der errechnete Geburtstermin war ein Sonntag, der 25. September 2016. Die Tage vor diesem Termin waren turbulent, es war die erste Zeit im Kindergarten unseres Sohns Florian. Ich war ständig in Bewegung und abgelenkt. Erst am Samstag kam ich zur Ruhe. Und spürte plötzlich, dass etwas nicht mehr stimmt.“ Sie habe meist auf der linken Seite geschlafen, ihrer Lieblingsseite, erzählt die junge Frau. „Drehte ich mich nach rechts, hat sich das Kind im Bauch sofort bewegt, weil es diese Lage nicht gewohnt war. An diesem Samstag jedoch rührte es sich nicht mehr – auch nicht, wenn ich mich auf die rechte Seite legte.“ Da hätten sie und ihr Mann die furchtbare Ahnung gehabt: „Etwas ist gar nicht gut.“

Es war für beide ein Schock. In diesem Zustand hilfloser Angst und stummer Gewissheit beschlossen die Ehe­leute, mit den zwei Söhnen Florian und ­Philipp noch wie geplant eine Modellauto-Ausstellung zu besuchen: „Wir wollten uns noch einmal vom Schrecklichen ablenken und den Kindern einen schönen Tag machen.“ Nach diesem Besuch nahm die Tante die Söhne zu sich, und das Paar machte sich auf ins Spital in Schwyz. Eine Ultraschalluntersuchung bestätigte, was Jessica und Marcel instinktiv schon wussten: Gabriel war gestorben, ganz unbemerkt, irgendwann in den Tagen zuvor. Es gab keine Herztöne mehr und keine Kindsbewegungen.

Erzählt Jessica Kieliger dies gut ein Jahr später, ist sie sehr gefasst, auch wenn sie sagt: „Dieses Jahr um den Geburtstermin hat es mich noch einmal total zurückgeworfen – ich bekam auch Nierenschmerzen, das war die Psyche.“ Während sie redet, merkt man: Das alles ist noch sehr präsent, der Schreck, die Geburt, der Verlust. Das kleine Wesen, das nie in diesem Raum war, ist doch da. Es wird geliebt, es ist Teil der Familie.

„Man trägt das Kind immer in seinem Herzen.“

Es still auf die Welt zu bringen, war eine starke Leistung einer sehr starken Frau, die sichtlich in sich selber ruht, trotz allem, was passiert ist. Auf eine unauffällige Schwangerschaft mit sechs unauffälligen Kontrollen war eine Geburt ­gefolgt, die Jessica auf Anraten ihrer Hebamme mit Rizinusöl in Gang brachte und die sie als unkompliziert und eigentlich „wunderschön“ erlebte. Ihre Hebamme Susanne Leu sagt: „Dass Ungeborene einfach so sterben, kommt leider vor. So ist das Leben halt auch. Rund dreihundert Totgeburten nach ausgetragenen Schwangerschaften gibt es pro Jahr in der Schweiz. Ist das tote Kind geboren, ist man trotzdem verliebt in es und muss Abschied nehmen. Das ist mühsam. Weil man das Kind immer in seinem Herzen tragen wird und es tragisch ist, es loslassen zu müssen.“

So mussten die Kieligers im Herbst 2016 vom jüngsten Familienmitglied Abschied nehmen, kaum dass es auf dieser Welt angekommen war. „Es war der Weg dieses Kindes, es wollte nur neun Monate leben“, sucht die Mutter nach einem Trost. Eine Obduktion des kleinen Leichnams lehnte die Familie ab – man habe einfach gewusst, dass die Mediziner nichts finden würden. Im Geburtshaus kann Jessica von Sonntag bis Dienstag Abschied nehmen von Gabriel. Zu Besuch kommen Geschwister und Grosseltern, Götti und beste Freundin. „Diese Zeit zusammen mit dem Kind ist wichtig“, betont die Hebamme. Damit man eine gemeinsame Geschichte habe, werde das angezogene Baby fotografiert, man mache Fussabdrücke, lade nahstehende Menschen ins Geburtshaus ein. „Es muss einen geschützten Raum geben zum Weinen wie zum Lachen, jedes Gefühl muss Platz haben.“

„So ein Verlust ist eine emotionale Katastrophe.“

Susanne Leu weiss: „So ein Verlust ist immer eine emotionale Katastrophe und nimmt auch die Hebamme mit. Man kann sich nur ansatzweise vorstellen, was für eine Katastrophe.“ Der Glaube an Gott könne helfen: „Man fühlt sich getragener.“ Und helfen könne eben auch: sich Zeit zu nehmen. „Die Seele geht immer zu Fuss“, sagt Leu. „Das Herz muss verstehen, dass das Kind gestorben ist. Und das geht nicht von heute auf morgen.“ Susanne Leu vernetzt – wie andere Hebammen auch – die Eltern früh verstorbener Kinder. Sie verlinkt zum Verein Regenbogen Schweiz, der diesen Eltern unter anderem Selbsthilfegruppen bietet. Seit drei Jahren organisiert Leu zudem den Trauergottesdienst in Luzern mit, der jeweils am zweiten Sonntag im Dezember, dem Tag des „Worldwide Candle Lighting“ (siehe Box), verstorbener Kinder gedenkt. Diese Gottesdienste gibt es von St. Gallen bis Bern, von Basel bis Schaffhausen.

Im Fotobuch ist ein fester Platz für den toten Sohn

Im Wohnzimmer der Kieligers steht eine kleine braune Urne, darin befindet sich die Asche von Gabriel. Irgendwann möchte Jessica Kieliger diese Asche auf einem Berg verstreuen und danach in der Urne Blumen pflanzen. Im Muotathal aufgewachsen, liebt die Frau aus dem Kanton Schwyz die Berge.

Auf dem Tisch wiederum liegt ein Fotobuch in der Farbe Hellblau. Darin befinden sich Bilder einer überglücklichen Schwangeren, aufgenommen von einer Freundin, die leidenschaftlich gerne fotografiert. Und Bilder des kleinen Gabriel Leandro, aufgenommen am 25. September 2016, dem Tag seiner Geburt. 50 Zentimeter war er gross, 3430 Gramm war er schwer. Das alles ist dokumentiert im Fotobuch. Das Buch gibt Gabriel einen festen Platz in der Familie. Es hält ihn fest als dritten Sohn von Jessica und Marcel und kleinen Bruder von Florian und Philipp. „Ein Kind ist immer ein Geschenk“, sagt Susanne Leu. „Manche kommen nicht klar mit diesem Fotobuch“, sagt Jessica Kieliger. „Weil es auf eine Art makaber ist. Zwei oder drei Personen in unserem Umfeld wollten sich das Buch nicht anschauen. Sie sagten, nicht stark genug dafür zu sein.“

Die 29-Jährige hat lange gesucht und schliesslich sehr schöne Worte gefunden, die das Fotobuch beschliessen: „Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis, aber jeder Augenblick ist ein Geschenk.“ Und: „Es geschieht, dass eine kleine Seele die Erde nur streift. Ihr Ankommen und Gehen fallen nahezu in eins. Ihr kurzes Verweilen ist nicht umsonst, denn sie verändert die Erde. Sie hinterlässt Spuren in den Herzen derer, die sie erwartet haben.“

Während ihre Söhne Florian und Philipp auch noch einmal den kleinen Bruder im Fotobuch anschauen, erzählt Jessica Kieliger, dass der grosse Verlust sie und ihren Mann noch näher zusammengebracht habe. „Unsere Beziehung ist gewachsen. Wir haben so viel zusammen durchgemacht.“ Sie fügt an: „Gabriel ist nicht umsonst gekommen. Er hat uns so viel Liebe gebracht.“

„Der hellste Stern am Himmel ist Gabriel.“

Für seine grossen Brüder ist Gabriel ein Schutzengel. Ihre Mutter blickt zurück: „Wir haben zwei Wochen in den Himmel geschaut. Beim ersten Stern, der richtig stark leuchtete, haben wir gesagt: Das ist Gabriel. Er leuchtet für uns. Es gibt einen Gott, und es gibt Schutzengel, und es gibt Dinge auf dieser Welt, die wir nicht wissen.“ Da horcht Sohn Florian auf und sagt: „Der hellste Stern ist Gabriel.“ „Sternenkinder“, so nennt man Kinder, die vor der Geburt sterben.

Jessica Kieliger steht auf, stellt das Fotobuch wieder an seinen Platz, holt ihren Söhnen Kekse und Saft. „Ich habe das Gefühl, dass Gabriel immer noch bei uns ist“, sagt sie. „Wir haben uns noch nicht losgelassen. Er ist noch nicht weg.“ Dies habe sie besonders stark empfunden, nachdem sie mit einem Medium ­gesprochen habe. „Es war ein gutes Gespräch. Ich war auf der Suche nach einer Botschaft von unserem toten Kind. Ich stiess damit aber auch auf viel Unverständnis in meinem Umfeld.“ Doch jeder müsse selber wissen, was ihm in so einer Ausnahmesituation helfe.

Bei der jungen Mutter aus dem Muotathal ist das auch noch eine Rückbildungsgruppe in Zürich, an der nur Frauen mit dem gleichen Schicksal teilhaben. „Wir sind inzwischen zu einer Art Selbsthilfegruppe geworden“, erklärt die 29-Jährige. „Jede von uns hat einen unterschiedlichen Umgang mit dem Tod ihres Babys. Die einen brauchen mehr Zeit und ziehen sich noch mehr zurück. Manche können wegen der Trauer ihrem Beruf nicht mehr nachgehen.“

Neben vielen Gesprächen mit der Hebamme und gleich betroffenen Frauen, haben Jessica Kieliger auch die Kinesiologie (wissenschaftliche Lehre von der Bewegung) und eine Chakra-Therapie (Speichern von Lebensenergie im Körper) gut getan. Direkt nach der kräftezehrenden Geburt war es eine Fussreflexzonenmassage, die Linderung verschaffen konnte. Der Schwyzerin ist das Gefühl noch gegenwärtig: „Nach der Geburt habe ich nach dem Warum gefragt. Doch ich habe gewusst und weiss es immer noch, dass sich das eines Tages von allein klären wird. Ich war am Trauern, aber ich war nicht wütend. Was bringt mir Wut? Es gibt einen Grund für Gabriels Tod, und ich komme dem näher.“

Zeit zum Weinen gehört zum Trauern dazu

Was die vom Schicksal geprüfte Mutter noch anderen Frauen, die den gleichen Verlust erfahren müssen, mitgeben möchte: „Bei aller Trauer ist es wichtig, sich selbst nicht zu vergessen und auf sich zu achten. Achtsam zu sein. Als ich nach der Geburt nach Hause kam, ohne ein gesundes Baby, nahm ich mir jeden Tag einmal Zeit, um vor Gabriels Urne zu weinen. Das hat mir sehr gut getan.“

Man dürfe auch seine Empathie anderen Menschen und Schicksalen gegenüber nicht verlieren. Jessica Kieliger hilft da natürlich, dass ihre ersten beiden Söhne sie täglich auf Trab halten. Das Leben muss weitergehen. Und irgendwann ist es auch wieder schön.

Hinweis

Der Verein Regenbogen Schweiz unterstützt Familien, die um ein verstorbenes Kind trauern. www.verein-regenbogen.ch

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