Ab wann können embryos hören

Was das Baby vor der Geburt von der Welt mitbekommt

Schon vor der Geburt bekommt das Baby im Bauch der Mutter viel von der Welt mit. Mehr als Sie sich vielleicht vorstellen können. Es reagiert auf seine Umgebung und nimmt sie Woche für Woche intensiver wahr. Wir zeigen Ihnen, was der Fötus fühlen, hören, riechen, schmecken und sehen kann.

Dass sich schon ein ungeborenes Baby akustische Reize merken kann und die Laute nach der Geburt wiedererkennt, haben Wissenschaftler in verschiedenen Studien nachweisen können. Vor allem die Forschungsergebnisse der späten 90er Jahre haben zu einem Boom von vorgeburtlichen Förderprogrammen geführt, besonders in den USA. Manche Eltern glauben, dass sie durch die Beschallung des Ungeborenen mit klassischer Musik seine Intelligenz steigern und ihm mit Taschenlampen-Signalen das Zählen beibringen können.

Müssen Sie also möglichst viel tun, um das Baby vor der Geburt zu fördern? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Solange Sie sich gesund ernähren, sich an der frischen Luft bewegen und Stress vermeiden, tun Sie das Beste für Ihr Baby. Es hat seinen Grund, warum ein Baby in der geschützten Gebärmutter aufwächst: Es braucht nicht nur Wärme und die gemütliche dunkle Enge, sondern auch seine Ruhe und viel Schlaf. „Diese Isolation scheint für die frühe Entwicklung des Gehirns gerade richtig zu sein“, sagt Hirnforscherin und Autorin Lise Eliot.

Und was kann das Ungeborene ab welchem Alter?

Motorik: Kaum zu glauben, aber fast drei Monate bevor eine Schwangere es überhaupt spürt, beginnt ihr Baby, sich zu bewegen. Die motorische Entwicklung beginnt in der 8. SSW. Erst zuckt das Baby nur. Dann, ab der 9. Woche, ist das Rückenmark bereits gut ausgebildet und beginnt zu funktionieren: Ab sofort steuert es die ersten Bewegungen von Kopf und Gliedmaßen. Auch den ersten Schluckauf kann das Baby nun haben. Ein paar Wochen später kommen die Atembewegungen hinzu – und der erste Gähner. Sobald die grundlegende Organentwicklung abgeschlossen ist, also etwa um die 10. SSW, hat das Baby seine embryonale Phase beendet. Der Fötus wächst ab jetzt wahnsinnig schnell und kann bald sogar seine winzigen Finger bewegen.
Fühlen: Wenn sich die Nervenzellen des Babys entwicklet haben, dann nimmt das Baby seine Umgebeung ganz bewusst war. Am empfindlichsten sind zunächst noch die Lippen. Schwimmt zufällig seine eigene Hand am Mund vorbei, dann beginnt es daran zu nuckeln. Seine Berührungsempfindlichkeit dehnt sich im Laufe der Schwangerschaft über den ganzen Körper aus. Schon bald kann es auch Temperaturunterschiede spüren.

Schwangerschaft

Die Entwicklung vom Embryo zum Baby

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Hören: In der 23. SSW ist das Gehör des Babys soweit ausgebildet, dass es Geräusche bewusst wahrnehmen kann. „Das Baby hört alle Töne, die von der Mutter ausgehen“, sagt die Wissenschaftlerin Carolyn Granier-Deferre von der Universität Paris. Es lauscht der Stimme der Mutter, hört ihr Herz schlagen, den Magen rumoren und den rauschenden Blutkreislauf. Etwa von der 35. Woche an kann das ungeborene Baby Tonhöhen unterscheiden. „Das Baby fängt schon vor der Geburt an, die Rhythmen verschiedener Sprachen zu erkennen“, sagt Psychologieprofessor Fred Genesse von der McGill-Universität in Kanada, Experte für den frühen Spracherwerb. Reden Sie also ruhig mit Ihrem Baby im Bauch. Das hilft dem Baby später dabei das Sprechen zu lernen.
Auch die anderen Sinne wie Schmecken oder Riechen bildet das Baby schon früh aus. Noch vor der Geburt kann es sogar verschiedene Geschmecker unterscheiden – je nachdem, was Sie gegessen haben.

Wie das Baby im Mutterleib schmeckt, riecht, sieht und denkt

Alle wichtigen Sinne des Babys sind schon im Mutterleib sehr weit entwickelt. Es sammelt jeden Tag neue Sinneseindrücke. Manche davon prägen das Kind sein Leben lang.

Schmecken:Die ersten Geschmackszellen bildet sich schon nach etwa acht Wochen aus. In der 15. SSW haben sich dann auch die erste Geschmacksknospen entwickelt. Etwa zu dieser Zeit beginnt das Baby auch damit, Fruchtwasser zu schlucken. „Das Fruchtwasser ist im Grunde eine Art Suppe aus verschiedenen Aromen und Geschmacksvarianten, die sich im Laufe des Tages ändern“, sagt Benoit Schaal, Leiter des Europäischen Zentrums für Geschmackswissenschaft in Dijon. Und der Fötus kann das auch schmecken. Ab dem letzen Trimester ist der Geschmackssinn bereits so sensibel, dass das Baby auf Geschmacksveränderungen reagiert. Es nimmt also wahr, was Sie gegessen haben: süß oder würzig.
„Das Baby kann diese Veränderungen wahrnehmen und speichert seine Eindrücke zumindest so dauerhaft, dass sie das Verhalten des Kindes nach der Geburt beeinflussen.“ Mütter prägen also durch das, was sie essen, auch die Vorlieben ihrer Kinder. Sie können also schon vor der Geburt Ihres Babys, die Basis für eine lebenslang gesunde Ernährung zu legen.
Riechen: Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Baby von der 28. SSW an in der flüssigen Umgebung zwar riechen, die Eindrücke aber nicht von den geschmeckten unterscheiden kann. Kurz nach der Geburt ist der Geruchssinn aber bereits sehr wichtig für das Baby – unter anderem, damit es ganz schnell die Brustwarzen zum Stillen findet. Denn die erkennt es am Geruch der Muttermilch. Sehen: In der 16. SSW kann ein Baby erstmals seine Augen bewegen, ab der 26. SSW öffnet es sie zum ersten Mal. Inwieweit ein Baby aber schon vor der Geburt wirklich sehen kann, ist noch nicht vollständig erforscht. Untersuchungen haben zumindest gezeigt, dass Föten reagieren, wenn man eine Taschenlampe direkt auf den Bauch richtet. Eine bestimmte Lichtstimulation findet also statt. Das Sehvermögen ist erst im letzten Schwangerschaftsdrittel voll funktionsfähig. Es entwicklet sich aber auc noch nach der Geburt entscheidend weiter. So kann das Baby erst mit etwa zwei Monaten Farben wahrnehemn.
Gefühle: Wissenschaftler haben den Herzschlag eines Babys vor der Geburt gemessen, während ihre schwangere Mutter intensiv über ihre Gefühle mit ihnen redete – über starke Gefühle, auch Sorgen und Ängste. Das Baby reagierte meist mit heftigem Herzschlag. Man weiß heute noch nicht genau wie, aber offenbar bekommt ein Baby schon vor der Geburt viel von den Gefühlen seiner Mutter mit.
Denken: Bei der Geburt ist das Baby mit dem kompletten Satz Gehirnzellen ausgestattet. Der größte Teil entsteht bereits in der ersten Hälfte der Schwangerschaft – bis zu eine 0,5 Million Zellen pro Minute. Aber was wichtiger ist als die pure Menge: die Verknüpfungen der Hirnzellen, also die Synapsen. Sie bilden sich von der fünften Woche an. Und das bis lange nach der Geburt – ebenfalls in einem Wahnsinnstempo. Neugeborene Babys sind unglaublich lernfähig und beginnen schnell, ihr Gehirn zu strukturieren. Sie können sich zum Beispiel an Melodien erinnern, die sie regelmäßig während der Schwangerschaft gehört haben – besonders in den letzten Wochen vor der Geburt. Das zeigt, dass das Kind schon im Mutterleib lernfähig ist.
Direkt nach der Geburt: Mit der Geburt ändert sich für das Baby plötzlich alles. An der Luft reagiert zum Beispiel nur noch das Trommelfell auf Töne statt wie zuvor eine ganze Reihe von Hautrezeptoren. Das neugeborene Baby hört Stimmen, die es nicht kennt. Der Tastsinn ist auf einmal ganz direkt, auch das Sehen und das Riechen. Das Gefühl für das eigenen Gewicht verändert sich völlig, es spürt die Schwerkraft. Ungeheuer viele Eindrücke stürmen auf das kleine Wesen ein. Viel zu verarbeiten für so ein Baby. Die bekannte Stimme der Mutter und ihr Geruch sind ihm eine wichtige Hilfe, um sich zu orientieren und sich an das Leben „draußen“ gewöhnen zu können.

Wann Dein Baby hören kann

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Dein ungeborenes Baby kann Deine Stimme hören

Dein Baby kann bereits hören, bevor es überhaupt das Licht der Welt erblickt. Schon in Deinem Bauch, ungefähr ab dem siebten Schwangerschaftsmonat, kann Dein Ungeborenes Geräusche hören. Es nimmt zum Beispiel Deinen Herzschlag und das Rauschen Deines Blutes wahr und selbst Stimmen von außen dringen zu ihm vor. Da ist es nicht verwunderlich, dass Dein Baby Deine Stimme von Geburt an erkennen kann. Mit ihr ist es schließlich bestens vertraut und sie vermittelt ihm somit ein wohliges Gefühl von Nähe und Geborgenheit. Auch andere Stimmen, die es häufig im Mutterleib vernommen hat, kann Dein Neugeborenes erkennen. Generell hört es am liebsten ruhige und monotone Geräusche, die es an die Umgebung in Deinem Bauch erinnern. Auf höhere Tonlagen, wie sie zum Beispiel beim Gebrauch der liebevollen und manchmal auch belächelten Gutzi-Gutzi-Sprache (Ammensprache) üblich sind, reagiert es besser als auf tiefe.

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Erster Lebensmonat: Das Gehör entwickelt sich noch

In den ersten Tagen nach der Geburt erlebt Dein Baby in Sachen Hörlautstärke einen sanften Übergang vom gedämpften Mutterleib in die laute Welt außerhalb. Das liegt an dem noch vorhandenen Fruchtwasser in seinen Ohren, welches sich erst auflösen muss. Doch auch nach diesem Vorgang lässt sich Dein Baby durch Geräusche nur schwer beim Schlafen stören: Telefonklingeln oder tobende Geschwister können es in der Regel nicht wecken. Lediglich besonders laute und unerwartete Geräusche können es aufschrecken. Gegen Ende des ersten Lebensmonats ist das Gehör Deines Babys schließlich voll entwickelt. Bis es Dich allerdings genau versteht, dauert es noch ein bisschen.

Ab dem zweiten Lebensmonat: Die Reaktionen schärfen sich

Dein Baby reagiert nach und nach immer intensiver auf Geräusche. Hört es zum Beispiel Deine Stimme, wird es Dich wahrscheinlich gezielt anschauen oder Dir durch Glucksen und Quietschen zeigen, dass es Dich gehört hat. Etwa ab dem vierten bis fünften Lebensmonat kann Dein Baby die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, feststellen und sich der entsprechend identifizierten Quelle zuwenden. Langsam entwickelt Dein Baby auch die Fähigkeit, Geräusche und Stimmen nachzuahmen. Der Zusammenhang zwischen Gehör und Sprachentwicklung wird somit immer enger.

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Ab dem siebten Lebensmonat: Dein Baby versteht Dich immer besser

Das Wortverständnis Deines Babys wächst von Tag zu Tag. Es versteht, was gemeint ist, wenn Du gängige Gegenstände, wie zum Beispiel einen Ball, benennst. Auch auf seinen Namen reagiert es eventuell schon. Zudem entdeckt Dein Baby, dass es mit verschiedenen Gegenständen unterschiedliche Geräusche machen kann. Dies hilft ihm bei der weiteren Entwicklung seines Gehörs.

Ab dem zehnten Lebensmonat: Je lauter desto besser

Im Alter von zehn bis zwölf Monaten wird Dein Baby zunehmend ein Faible für Lärm und Musik entwickeln. Den Lärm veranstaltet es dabei am liebsten selbst, indem es laute Geräusche produziert, zum Beispiel mit dem Klappern von Bauklötzchen. Du kannst Dir zudem sicher sein, dass Dein Baby Dich schon recht gut versteht. Viele Babys sprechen mit einem Jahr die ersten, wenigen Worte. Das Wortverständnis ist in der Regel jedoch schon weitaus höher. So wird Dein Baby bestimmt begeistert auf das rote Auto zeigen, wenn Du es danach fragst, es dies aber vielleicht selbst noch nicht sagen kann. Schau doch auch mal in unseren Artikel „Sprechen lernen“ und erfahre, wie es bei Deinem Kind vom munteren Geplapper zu den ersten richtigen Worten kommt.

So kannst Du die Entwicklung des Gehörs bei Deinem Baby unterstützen

Auch wenn das Gehör Deines Babys schon früh ausgebildet ist, kannst Du es von Anfang an unterstützen, indem Du es mit vielen neuen Geräuschen vertraut machst. Zudem förderst Du mit diesen einfachen Maßnahmen auch seine Sprachentwicklung:

  • Singe Deinem Baby etwas vor. In unserem Spezial „Kinderlieder“ findest Du viele Anregungen und weitere Hintergrundinformationen.
  • Lege Musik oder eine CD mit Naturgeräuschen, wie zum Beispiel Meeresrauschen, auf. Dein Baby wird es lieben.
  • Lies Deinem Baby vor, auch wenn es den Inhalt noch nicht unbedingt verstehen kann. Vorlesen fördert nicht nur sein Gefühl für die Sprachmelodie. Je mehr Dein Baby hört, desto besser entwickelt sich auch seine Sprache. In unserem Spezial „Kinderbücher“ findest Du altersentsprechende Buchempfehlungen.
  • Vermeide jedoch eine Reizüberflutung Deines Babys. Zu viele Eindrücke auf einmal kann es nicht verarbeiten.

Eine Schädigung des Gehörs frühzeitig erkennen und behandeln

In der Regel wird schon nach der Geburt im Krankenhaus untersucht, ob Dein Baby hören kann. Spätestens sollte das Gehör Deines Babys jedoch im Rahmen der U-Untersuchungen getestet werden. Zudem solltest Du auf jeden Fall Deinen Kinderarzt aufsuchen, wenn Du die folgenden Punkte bei Deinem Baby beobachtest. Sie können auf ein Hörproblem hinweisen, dass sich vielleicht erst nach einer Untersuchung entwickelt hat.

  • Dein Baby schreckt bei lauten und unerwarteten Geräuschen nicht auf.
  • Dein Baby zeigt ab dem zweiten Lebensmonat keine Reaktion, wenn es Deine Stimme hört.
  • Wenn Dein Baby im Alter von sieben bis neun Monaten ganz plötzlich aufhört zu brabbeln, kann dies ebenfalls auf einen Hörschaden hindeuten.
  • Dein Baby plappert mit zwölf Monaten noch nicht.
  • Dein Kind spricht mit 18 Monaten noch keine Worte.

Zudem kannst Du mit den folgenden altersabhängigen Tests prüfen, ob eventuell ein Hörschaden vorliegt oder sich entwickelt hat. Wenn Dein Baby nicht die erwartete Reaktion zeigt, solltest Du auf jeden Fall Deinen Kinderarzt ansprechen:

  • Bis drei Monate: Dein Baby sollte eine Reaktion zeigen, wenn Du hinter seinem Kopf in die Hände klatschst. Wiederhole das Vorgehen sicherheitshalber ein paar Mal.
  • Vier bis sechs Monate: Erzeuge Geräusche oder rufe nach Deinem Baby. Es sollte auf die Geräusche und auch Deine Stimme reagieren.
  • Sechs bis zehn Monate: Dein Baby sollte auf gewohnte Geräusche und eventuell auch schon auf seinen Namen reagieren.
  • Zehn bis fünfzehn Monate: Fordere Dein Kind auf, auf ein ihm bekanntes Objekt, zum Beispiel in einem Bilderbuch, zu zeigen. Wenn es das nicht tut, kann dies ein Indikator für schlechtes Hören sein.

Bei einem Hörschaden gilt grundsätzlich: je früher er erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Gerade im Zusammenhang mit der Sprachentwicklung ist ein intaktes Gehör ungemein wichtig. Wenn Du also das Gefühl hast, dass mit dem Gehör Deines Babys etwas nicht stimmt, zögere nicht und suche Deinen Arzt auf.

Geburtsbeginn: Der ersehnte Moment

Die Tage vor dem errechneten Geburtstermin sind eine Zeit zwischen Vorfreude und gespannter Erwartung. Vorwehen lösen manchmal einen Fehlalarm aus. Doch erst wenn die Wehen regelmäßig werden, beginnt die Geburt.

Vorboten der Geburt

© BZgA/HN/Eichhöfer

In den letzten Wochen der Schwangerschaft treten häufiger sogenannte Vorwehen oder Übungswehen auf. Manchmal sind diese Vorwehen so stark, dass es so scheint, als ob die Geburt beginnt. Doch dann tritt wieder Ruhe ein und die Geburt lässt noch auf sich warten.

In den Tagen vor der Geburt können mehr oder weniger deutlich spürbare Signale die bevorstehende Geburt ankündigen. Zu diesen Vorboten der Geburt gehören neben den Vorwehen:

  • ein Tiefersinken des Bauches. Dadurch fällt das Atmen wieder leichter, das Köpfchen des Kindes aber drückt verstärkt auf die Harnblase und den Darm,
  • der Abgang des Schleimpfropfes, der den Muttermund verschlossen hat, eventuell zusammen mit einer leichten Blutung (Zeichenblutung),
  • Völlegefühl im Bereich des kleinen Beckens,
  • häufiger Stuhldrang bis zu leichtem Durchfall,
  • ein Nachlassen (aber kein Aufhören) der Kindsbewegungen,
  • Schlaf- und Appetitlosigkeit,
  • allgemeine Unruhe und „Nestbautrieb“,
  • ein Gefühl, der Schwangerschaft überdrüssig zu sein.

Die Spanne zwischen dem Auftreten dieser Zeichen und dem eigentlichen Geburtsbeginn kann unterschiedlich lang sein. Nicht immer treten alle diese Anzeichen kurz vor der Geburt auf. Bei einigen Frauen beginnt die Geburt auch ohne die genannten Signale.

Der Blasensprung

Ein Blasensprung zählt ebenfalls zu den Vorboten einer Geburt. Am Ende der Schwangerschaft ist das Kind von etwa einem Liter Fruchtwasser umgeben. Wenn die Fruchtblase schließlich reißt, kann das Fruchtwasser tröpfchenweise oder als großer Schwall abgehen. Dann ist es Zeit, die Hebamme oder die Klinik zu benachrichtigen.

Meist setzen dann in den nächsten Stunden regelmäßige Wehen ein, die zur Geburt führen. Passiert dies nicht, ist ärztliche Beobachtung oder Hilfe nötig, um auszuschließen, dass Keime in die Gebärmutter aufsteigen.

Ist es bei einem Blasensprung nötig, mit dem Rettungswagen in die Klinik zu fahren?

Wurde in den letzten Wochen vor dem errechneten Termin ärztlich oder durch die Hebamme festgestellt, dass das Köpfchen des Babys bereits tief in Ihrem Becken sitzt, können Sie nach einem Blasensprung in Ruhe – aber zügig – zur Klinik oder ins Geburtshaus fahren, ohne dass Sie dabei liegen müssen.

Sitzt das Köpfchen des Babys hingegen noch nicht fest im Becken, legen Sie sich besser hin und lassen sich zügig liegend ins Krankenhaus oder Geburtshaus fahren. Denn dann kann mit dem abfließenden Fruchtwasser die Nabelschnur vor das Köpfchen des Kindes rutschen und dadurch abgedrückt werden (Nabelschnurvofall). Dies ist ein Notfall, der aber zum Glück sehr selten vorkommt.

Regelmäßige Wehen: Nun geht’s los

Als eigentlicher Geburtsbeginn gilt der Zeitpunkt, an dem regelmäßige Wehen einsetzen. Sie führen dazu, dass sich der Muttermund nach und nach öffnet. Zu Beginn der Geburt sind die Wehen kurz und schwach und die Pausen lang. Werden sie stärker, beginnt die Schmerzempfindung oft zuerst im Kreuz und strahlt in den Unterbauch und die Oberschenkel aus. Schließlich sind die Wehen regelmäßig und kräftig, die Pausen dazwischen kürzer.

Wenn die Wehen länger als eine halbe Stunde in regelmäßigen Abständen von zehn Minuten oder weniger kommen, wird es allmählich Zeit für die Fahrt in die Klinik, das Geburtshaus oder für den Anruf bei der Hebamme zur Hausgeburt. Nur in den seltensten Fällen besteht aber Grund zur Hektik: Beim ersten Kind dauert die Geburt meist zwischen zwölf und 18 Stunden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 18.06.2019

8 Anzeichen, dass die Geburt beginnt

4. Baby wird ruhiger

Je näher die Geburt kommt und je nervöser Sie werden, desto ruhiger wird Ihr Baby. Der Grund liegt an seiner immer engeren Behausung. In den letzten Tagen vor der Geburt wird es nochmals richtig kräftig zunehmen, sodass es noch weniger Platz hat.

Allerdings: Sie sollten Ihr Baby auch in den letzten Tagen noch spüren. Denn es wird sich weiter bewegen, einfach nicht mehr so ausladend.

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Baby bewegt sich nicht mehr, kontaktieren Sie sofort Ihre Hebamme oder Ihre Ärztin/Ihren Arzt. Sie werden dann wahrscheinlich an ein CTG angeschlossen, damit man die Herztätigkeit Ihres Babys überprüfen kann.

  • Lesen Sie auch: Kindsbewegungen im 9. Monat

5. Schleimpfropfen geht ab

Gegen Ende der Schwangerschaft beginnt sich der Muttermund langsam zu öffnen. Dabei geht der Schleimpfropf ab, der während den letzten Monaten den Eingang der Gebärmutter verschlossen und vor Keimen geschützt hat, ab.

Danach kann es noch Wochen oder auch nur noch Tage dauern, bis Ihr Baby da ist.

Viele Frauen bemerken den Abgang des Schleimprofens gar nicht. Denn bei einigen ist einfach der Ausfluss in dieser Zeit etwas stärker. Andere wiederum bemerken etwas Blut. Die Hebamme sagt dann: „Das Baby zeichnet“. Der Pfropfen kann hellbraun, rosa oder leicht blutig gefärbt sein.

Wenn der Schleimprofen abgegangen ist, ist ein Besuch eines öffentlichen Schwimmbades oder einer Sauna nicht mehr empfehlenswert, da die Gebärmutter nicht mehr so gut vor Keimen geschützt ist.

6. Durchfall

Noch bevor die ersten Eröffnungswehen einsetzen, kann es gut sein, dass Sie Durchfall haben.

Der Grund dazu liegt ebenfalls in den Hormonen, die mithelfen, dass sich die Muskeln im Beckenbereich zu entspannen beginnen. Eine wichtige Voraussetzung für die Geburt. In dieser Entspannungsphase entleert sich oft auch der Darm.

Gleichzeitig wirken die Kontraktionen der Gebärmutter sowie die von der Gebärmutterwand abgegebenen Prostaglandine auf den Darm.

Achten Sie darauf, dass Sie jetzt genügend Flüssigkeit zu sich nehmen: Früchte, Säfte oder auch nur Mineralwasser helfen, dass Sie nicht dehydrieren.

Durch den Mutterschutz vor und nach der Entbindung sollen Mütter und ihre Kinder vor gesundheitlicher Schädigung und Überforderung am Arbeitsplatz geschützt werden.

Der Mutterschutz auf Grundlage des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) gilt für alle (werdenden) Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, das heißt auch für Heimarbeiterinnen, Hausangestellte, geringfügig Beschäftige und weibliche Auszubildende. Durch den Mutterschutz soll die (werdende) Mutter und ihr Kind vor Gefährdungen, Überforderung und Gesundheitsschädigung am Arbeitsplatz bewahrt werden. Er soll die (werdenden) Mütter außerdem vor finanziellen Einbußen und vor dem Verlust des Arbeitsplatzes während der Schwangerschaft und einige Zeit nach der Geburt schützen.

Damit der Arbeitgeber die Mutterschutzbestimmungen einhalten kann, sollen Frauen dem Unternehmen ihre Schwangerschaft und den voraussichtlichen Entbindungstermin mitteilen, sobald ihnen diese Tatsachen bekannt sind.

Das Wichtigste zur Mutterschutzfrist:

  • Die Mutterschutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin und endet frühestens acht Wochen nach der Geburt des Kindes.
  • Kommt das Kind vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt, verlängert sich die Schutzfrist im Anschluss an die Geburt des Kindes um die Anzahl an Tagen, die die Mutter vor der Entbindung an Mutterschutz nicht in Anspruch nehmen konnte.
  • Wenn das Baby später als geplant zur Welt kommt, verlängert sich die Mutterschutzfrist vor der Entbindung um die entsprechende Anzahl von Tagen. Nach der Geburt des Kindes beträgt die Mutterschutzfrist weiterhin mindestens acht Wochen.
  • Bei Mehrlings- oder Frühgeburten (medizinischen Frühgeburten, d.h.d Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von weniger als 2.600 Gramm zur Welt kommen), verlängert sich die Schutzfrist nach der Geburt von acht auf zwölf Wochen. Hinzu kommen wieder die Tage, die die Mutter vor der Entbindung nicht in Anspruch nehmen konnte.
  • Wird ein Baby also noch vor Beginn der geplanten Mutterschutzfrist geboren, beträgt der gesamte Mutterschutz im Anschluss an die Entbindung 18 Wochen (12 Wochen für ein frühgeborenes Kind plus 6 Wochen, die von der Mutter vor der Entbindung nicht in Anspruch genommen werden konnten).
  • Auf die Inanspruchnahme der sechswöchigen Mutterschutzfrist vor der Geburt ihres Kindes dürfen angestellte Frauen auf eigenen Wunsch verzichten. Auf die Schutzfrist nach der Entbindung nicht. Dem Arbeitgeber ist es untersagt, Frauen während der Mutterschutzfrist im Anschluss an die Entbindung zu beschäftigen.
  • Da Frauen mit Anspruch auf Mutterschaftsgeld bzw. Arbeitgeberzuschuss die hiervon betroffenen Lebensmonate ihres neugeborenen Babys zwingend auch in Form von Basiselterngeld beantragen müssen, kann es sein, dass die Mutter eines frühgeborenen Kindes mit 18 Wochen Mutterschutz zwingend Basiselterngeld für die ersten fünf Lebensmonate ihres Babys beantragen muss. Für den Vater bleiben entsprechend weniger Bezugsmonate übrig.
  • Während der gesetzlichen Schutzfristen vor und nach der Entbindung erhalten in einer gesetzlichen Krankenkasse pflicht- oder freiwillig mit Anspruch auf Krankentagegeld versicherte Frauen das sog. Mutterschaftsgeld und/oder einen Arbeitgeberzuschuss. In Summe ersetzen diese beiden Leistungen das durchschnittlich wegfallende monatliche Einkommen der Mutter vor der Geburt des Kindes fast vollständig.
  • Für Mütter, die selbstständig arbeiten, gelten das Mutterschutzgesetz und die damit verbundenen gesetzlichen Schutzfristen nicht. Aus der Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse (KSK) kann für freiberuflich tätige Mütter ein Anspruch auf das Mutterschaftsgeld entstehen.
  • Kommen Geschwisterkinder zur Welt, muss Folgendes beachtet werden: Kalendermonate des Bemessungszeitraums, in denen die Mutter im Mutterschutz für ein älteres Kind war und Mutterschaftsgeld bzw. Arbeitgeberzuschuss erhielt, werden ausgeklammert und entsprechend weiter in die Vergangenheit verlagert. (Oft vor den Beginn der Mutterschutzfrist des älteren Kindes.)

Auszug aus dem Mutterschutzgesetz (MuSchG):

  • § 3 Absatz 2: Werdende Mütter dürfen in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung nicht beschäftigt werden, es sei denn, dass sie sich zur Arbeitsleistung ausdrücklich bereit erklären; die Erklärung kann jederzeit widerrufen werden.
  • § 6 Absatz 1: Mütter dürfen bis zum Ablauf von acht Wochen, bei Früh- und Mehrlingsgeburten bis zum Ablauf von zwölf Wochen nach der Entbindung nicht beschäftigt werden. Bei Frühgeburten und sonstigen vorzeitigen Entbindungen verlängern sich die Fristen nach Satz 1 zusätzlich um den Zeitraum der Schutzfrist nach § 3 Abs. 2, der nicht in Anspruch genommen werden konnte. Beim Tod ihres Kindes kann die Mutter auf ihr ausdrückliches Verlangen ausnahmsweise schon vor Ablauf dieser Fristen, aber noch nicht in den ersten zwei Wochen nach der Entbindung, wieder beschäftigt werden, wenn nach ärztlichem Zeugnis nichts dagegen spricht. Sie kann ihre Erklärung jederzeit widerrufen.

Die Rechtsgrundlagen zum Mutterschutz:

  • EU-Richtlinien zum Mutterschutz: 92/85/EWG – Richtlinie über die Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes von schwangeren Arbeitnehmerinnen, Wöchnerinnen und stillenden Arbeitnehmerinnen am Arbeitsplatz vom 19.10.1999.
  • Bundesgesetz zum Mutterschutz: Mutterschutzgesetz (MuSchG)
  • Verordnungen zum Mutterschutz: Mutterschutzrichtlinienverordnung (MuSchRiV), Röntgenverordnung (RöV), Strahlenschutzverordnung (StrlSchV), Druckluftverordnung (DrucklVO), Gentechnik-Sicherheitsverordnung (GenTSV), Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Verordnung über den Mutterschutz für Beamtinnen (MuSchV)

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