Ab wann greifen säuglinge bewusst

Ab wann greifen Babys mit ihren Händen nach Gegenständen und Sachen? Dein Baby fängt grob im Alter von 4 bis 8 Monaten an zu greifen. Wann genau das ist, hängt von der persönlichen Entwicklung ab. Es greift Dinge und steckt sie in den Mund, bevor der erste Zahn durchbricht. Noch im ersten Lebensjahr werden die Greifbewegungen immer zielgerichteter. Das meiste Gegriffene landet im Mund, wird festgehalten und untersucht.

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Wann fangen Babys an zu greifen?

Die erste Versuche, Gegenstände mit der Hand zu erwischen, wirst Du bei Deinem Baby ungefähr zwischen dem 4. und dem 6. Lebensmonat beobachten können. Allerdings greift Dein Kind jetzt noch nicht zielgerichtet, und meist streift es die Gegenstände nur. Wenn doch einmal etwas in der kleinen Hand landet, wird es auch jetzt vermutlich schon zum Mund geführt.

4 bis 6 Monate alte Babys haben auch Spaß daran, Dinge einfach nur anzustupsen, zu knuffen oder zu bewegen. Du kannst Dein Kind jetzt gut beschäftigen, indem Du ihm Kuscheltiere anbietest oder Dinge an einem Gummiband vor ihm baumeln lässt.

Wann kann mein Baby bewusst und gezielt Greifen und Festhalten?

Ganz gezielt etwas greifen und hochheben dauert länger. Dein Kind entwickelt in den Monaten bis zum Ende des ersten Lebensjahres parallel die Fähigkeiten zu sehen und zu greifen. Denn um gezielt etwas anfassen und festhalten zu können, muss Dein Kind es erst einmal fokussieren. Dann muss es die Verbindung zwischen seiner Hand (Gefühl) und der Hand, die es sieht, herstellen.

Um jetzt gezielt einen Gegenstand zu berühren, müssen auch noch Entfernungen, Richtungen und die zur Überwindung der Distanzen nötigen Muskelbewegungen stimmen. Das ist ganz schön viel auf einmal.

Der Greifreflex bei Neugeborene

Während der ersten 8 Lebenswochen steuert Dein Baby seine Bewegungen in den Fingern und Händen gar nicht gezielt. Auch wenn Dein Baby immerzu die Hand öffnet und schließt, werden seine Bewegungen durch einen Greifreflex bestimmt, der angeboren ist und Dein Kind schützen soll. Bei Berührung oder Druck auf die Handinnenfläche des Säuglings wird der Greifreflex ausgelöst. Es handelt sich dabei um eine reflexartige motorische Handlung, um sich an der Mutter festzuhalten oder anzuklammern.

Beim Zugreifen schließt das Neugeborene seine Finger zur Faust (Faustschluss), wobei manchmal der Daumen innen ist.

Beim Greifreflex greift das Baby nicht nach Gegenständen, denn dazu ist es erst in der Lage, wenn es Gegenstände oder Personen sehen und fokussieren kann.

Kinder halten sich in diesem Alter ganz automatisch fest, wenn man Ihnen etwas in die Hände gibt – egal, ob das nun Mama ist, ein Spielzeug oder der Schnuller.

Warum dauert die Entwicklung der Greif-Fähigkeit ein ganzes Jahr?

Erst ab dem dritten Lebensmonat kann Dein Kind Gegenstände erkennen und mit den Augen fixieren. Ein Spielbogen wird ab jetzt spannend. Greifen kann Dein Kind die Spielzeuge aber noch nicht. Trotzdem wird es sie fixieren und versuchen, mit den Händen daran zu kommen.

Dein Kind kann sich jetzt allerdings noch nicht gut konzentrieren. Wenn es die Spielzeuge etwa 10 Minuten lang mit den Augen festhalten kann, ist das schon viel. Wenn Kinder nach dieser kurzen Zeit quengeln, sind sie schlicht erschöpft. Es bedeutet nicht, dass das Spielzeug nicht gefällt oder Angst macht.

Parallel zu scharfem Sehen und gezielten Bewegungen entwickelt sich auch die Konzentrationsfähig in diesem ersten Lebensjahr: Mit zwölf Monaten kann dein Baby sich schon ein paar Minuten länger mit seinem Spielzeug beschäftigen.

Greifen lernen und Üben: Wie kann ich mein Baby fördern?

Du kannst Dein Kind zum Greifen und Festhalten animieren, indem Du sein Umfeld anregend gestaltest. Altersgerechtes Spielzeug wie Greifringe und quietschende Gummitiere, aber auch Stofftiere und Stoffbücher mit eingenähten Materialien zum Fühlen (Knisterfolien beispielsweise) machen es neugierig und trainieren die Greiffähigkeiten auf spielerische Weise.

Tipps für geeignete Greif- und Spielgeräte

Knisterbücher

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Motorik Schleife: Unsere absolute Empfehlung

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Mit dieser Motorikschleife hat mein Sohn sehr, sehr lange gespielt und sie ist unser absolutes Lieblingsteil gewesen.

Spieltrapez

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  • Die Verarbeitung des Trapezes ist besonders hochwertig und die verwendeten Farben sind speichelfest. Die Maße sind 57 cm x 58 cm x 48,5 cm (L/B/H). Der Aufbau des Holzspielbogens ist sehr schnell und unkompliziert

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Auch ein Spieltrapez aus Holz wird interessant sein. Unser wurde sogar später von meinem Sohn als Stütze zum Laufen-Lernen „zweckentfremdet“.

Spielbogen

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  • Die weiche Erlebnisdecke mit 5 abnehmbaren Spielsachen bietet dem Baby von Geburt an Spielspaß in den verschiedenen Wachstumsphasen – die perfekte erste Spieldecke für Weltentdecker!
  • Die verborgene Tierstimme, die lustige Quietsche, der kleine Spiegel und die Ball-Rassel fördern die Motorik und wecken eine natürliche Neugier zum Greifen, Kuscheln & Spielen
  • Die ovale Krabbeldecke mit gepolsterter Liegefläche ist kuschelweich und schützt Mädchen und Jungen optimal bei der Erkundung der Welt des niedlichen Bären

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Dieser Spielbogen ist einer der meistverkauften auf Amazon. Er kann lange verwendet werden und bietet eine ganze Menge Funktionen.

Kinderwagen-Kette

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  • Material: Holz

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Eine Kette, die mit großen Holzperlen direkt vor dem Gesicht im Kinderwagen baumelt, ist interessant. Und Rasseln und Klingeln hört man auch noch. Das alles interessiert Dein Kind. Es wird nach den Gegenständen greifen wollen, um sie im Mund genauer zu untersuchen.

Alltags- und Haushaltsgegenstände

Meine Spielzeug-Empfehlung bedeutet nicht, dass Du jetzt Unmengen an Spielzeug kaufen musst. Dein Kind findet den Kochlöffel genauso interessant wie die Holzperlen, und bunt bemalte Holzstücke (auf gesundheitlich unbedenkliche Farben achten) sind ebenfalls toll.

Kunststoffbecher aus der Küche, große und kleine Kissen, Halstücher, bunte Socken und Mützen erregen ebenso das Interesse der Kinder und sind genauso gut geeignet, um Babys das greifen beibringen zu wollen. Mach Dir keine Sorgen, wenn Dir Dein Kind das Spielzeug an den Kopf wirft oder sich selbst um die Ohren haut. Das ist keine Absicht, sondern den noch unkontrollierten Bewegungen geschuldet.

Verletzungsgefahr durch Festhalten und wildes Herum-Fuchteln

Meist haben Babys jetzt noch nicht genug Kraft, um sich selbst oder anderen mit ihrem Verhalten Beulen oder Verletzungen zuzufügen. Aber sie erkennen den Zusammenhang zwischen der Rassel in der Hand, die sie so lustig bewegen können, und dem plötzlichen Schmerz am eigenen Kopf noch nicht. Dementsprechend hauen sie oft mehrmals zu, um dann in Tränen auszubrechen.

Du kannst die Rassel mit einem Stofftuch umwickeln, auf weiches Spielzeug (beispielsweise in ein Tuch geknotete Glöckchen) umsteigen oder einfach Deine Hand zum Schutz zwischen Rassel und Kopf halten.

Vorsicht ist auch geboten, wenn sich Dein Kind ein Spielzeug greift, wild damit rumfuchtelt und es spontan loslassen wird.

Wann spielt mein Kind richtig mit den Händen?

Die Frage ist schwer zu beantworten, denn was ist „richtig spielen“? Mit 4 bis 5 Monaten wird Dein Kind nicht nur nach den Gegenständen greifen und sie festhalten, sondern sie auch ganz ausführlich erkunden. Das passiert im Mund, denn Dein Kind kann den Tastsinn in Zunge und Lippen besser nutzen als die noch etwas tapsigen Hände.

Da Dein Kind auf den Gegenständen auch herumkaut, Speichel die Materialien aufweicht und so ein Kiefer mit Zahnfleisch ganz schön hart ist, achte bitte darauf, dass sich keine kleinen Teile von den Spielsachen lösen können. Knöpfe und Klingeln sollten sehr gut vernäht sein, und Du solltest Dein Kind beim Spielen immer im Blick behalten.

Das Umfeld sicher gestalten

Dein Baby unterscheidet nicht darin, was es festhält. Es hat keine Ahnung, welche Gegenstände in der Wohnung es anfassen darf und welche nicht. Dementsprechend wird es versuchen, auch den Schwanz von der Katze, den Kaktus, Deine Arbeitsschuhe und den Wassernapf vom Hund zu erkunden. Kabel, Mehrfachsteckdosen und Papas Werkzeugkoffer sind genauso interessant wie die leere PET-Flasche, eine Zeitung oder die eigenen Socken.

Dein Kind ist mobil. Die meisten Babys können sich im Alter von 4 Monaten schon drehen und herumrollen, auch mehrmals hintereinander. Und sie verstehen sehr schnell, dass sie mit dieser Technik näher an interessante Objekte gelangen.

Wenn Dein Baby im Alter von 6 bis 10 Monate zu krabbeln beginnt, ist es sogar richtig schnell. Achte darauf, dass die Wohnung sicher ist. Alles, was nicht in Kinderhände und -münder gehört, sollte auf jeden Fall außer Reichweite sein.

Katze und Hund können in der Regel selbst auf sich aufpassen – den Mülleimer solltest Du hochstellen.

Damit Du keine nutzlosen Sachen für die Kindersicherung im Haushalt kaufst, lies am besten meinen Beitrag über nützliche und sinnlose Dinge, um die Wohnung kindersicher zu machen.

Greift mein Baby mit rechts oder links?

Babys haben meist keine bevorzugte Hand und greifen deshalb mit beiden Händen. Erst, wenn das Baby ca. 1 Jahr alt ist, entscheidet sich, ob es lieber mit der Rechten oder mit der linken Hand greifen will. Jetzt entwickelt sich auch der Pinzettengriff.

Erst um den 2. Geburtstag herum zeigt sich aber endgültig, ob Dein Baby künftig Rechtshändder oder Linkshänder wird und ob später mit der linken oder rechten Hand schreiben wird.

Bis dahin solltest Du Dinge immer mittig oder abwechselnd von rechts oder links anreichen, damit Dein Baby mit beiden Händen das greifen üben kann.

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Meilensteine: Greifen beim Baby

Einen echten Meilenstein in der Entwicklung stellt das Greifen beim Baby dar. Denn das Ergreifen eines Gegenstandes ist ein Lernprozess. Nach der Geburt verfügt das Neugeborene nur über einen Greifreflex, den es jedoch nicht bewusst steuern kann. Erst ab dem fünften Lebensmonat beginnt es mit dem aktiven Greifen und Loslassen von Dingen. Dies ist ein großer Fortschritt im motorischen Bereich des Kleinkindes. Von nun an wird seine Umwelt auch mit den Händen erkundet und nichts ist mehr sicher vor dem kleinen Knirps.

Alles beginnt mit dem Greifreflex!

Die erste Zeit des neuen Erdenbürgers wird vor allem vom Seh- und Hörvermögen geprägt. Die Entwicklung der Motorik erlernt das Baby erst nach einigen Monaten, ebenso das Greifen.

Berührt man ein Neugeborenes sanft an der Handinnenseite, wird es sein Händchen zur Faust ballen und versuchen, den Finger zu umklammern. Mit Ende des dritten Lebensmonats verschwindet der Greifreflex jedoch wieder.

Ab etwa zwei Monaten ist der Säugling bereits in der Lage, seinen Arm zu beugen oder zu strecken und dabei seine Hand unabhängig von der Armbewegung zu einer Faust zu ballen. In Studien hat der schwedische Entwicklungspsychologe Claes von Hofsten festgestellt, dass ein Baby im Alter von drei Monaten schon versucht, einen Gegenstand, den es sieht, zu greifen. Allerdings noch ohne Erfolg.

Hand-Auge-Koodination

Nun entwickelt sich die Hand-Auge-Koordination. Ihr kleiner Liebling fixiert sein Lieblingsspielzeug und versucht, mit der Hand danach zu greifen. Anfangs sehen die ersten Greifversuche ungelenk aus, das Baby schlägt in Richtung des Gegenstandes. Doch Übung macht den Meister und schon bald beobachten junge Eltern rasante Fortschritte beim Greifen lernen.

Nun ist nichts mehr sicher vor Babys Händen! Aber auch die Hände selbst werden immer wieder eingehend begutachtet und untersucht. Besonders die eigenen Fingerbewegungen faszinieren bereits kleine Kinder. Ein weiterer Meilenstein im Wachstum erreicht der Säugling mit drei Monaten: Es ist nun in der Lage, seine Hände vor seinem Gesicht zusammenzuführen. Die eine Hand betastet die andere.

Greifen lernen – ein Schritt in die Selbstständigkeit

Mit etwa fünf Monaten greift das Kind selbstständig nach Gegenständen und kann sie auch wieder aktiv loslassen. Sein Umfeld wird nun genauestens erkundet. Wie fühlt sich ein Apfel an? Eine Decke ist ganz weich und kuschelig. Der Teller ist hart und kalt. All diese Sinneseindrücke beim Greifen lernen stellen Verbindungen im kindlichen Gehirn her und fördern das geistige Wachstum des Babys.

Greifen lernen beim Baby fördern

Junge Mütter und Väter erleben die motorische und geistige Entwicklung ihres Nachwuchses hautnah mit. Durch gezielte Förderung unterstützen sie das Greifen lernen beim Baby:

  • Bieten Sie Ihrem Sprössling verschiedenste Materialien zum Spielen an!
  • Locken Sie das Baby mit einem Gegenstand, das etwas außer seiner Reichweite platziert wurde. Es wird versuchen, sein Kuscheltier zu erreichen und freut sich über Ihr Lob, wenn es nach dem Lieblingsspielzeug greift!
  • Lernbücher mit Reißverschlüssen, Bändern und Knöpfen fordern das Kleinkind!
  • Selbstgebastelte Spielsachen mit verschiedenen Oberflächen fesseln die Aufmerksamkeit des Sprösslings.

Die Wahrnehmung unterschiedlicher Materialien beim Greifen wie kühler Sand in der Sandkiste, weiche und harte Bälle und raue Stoffe fördern neben der motorischen auch die geistige Entwicklung des Kleinkindes.

Greifen lernen mit allen Sinnen

Auch in der Dunkelheit ergreift das Baby nun einen Gegenstand, den es zuvor noch bei Licht erspäht hat. Auch bekannte Geräusche wie eine Rassel oder eine Quietsche lassen es, unabhängig vom Sehvermögen, nach dem Spielzeug greifen. Beim Greifen wird die gesamte Wahrnehmung angesprochen und unterstützt.

Im Alter von acht Monaten versucht sich das Baby immer öfter am sogenannten „Pinzettengriff“, bei dem kleine Gegenstände wie Papierschnipsel zwischen Daumen und Mittel- oder Zeigefinger gehalten werden. Der Weg zum Essen mit Löffel und zum Malen mit Stiften ist nun nicht mehr weit. Jeden Tag aufs Neue trainiert das Kleinkind seine Fähigkeiten und perfektioniert so das Greifen.

Fotocredit: Bohbeh, pavelgr/.com

Babys Entwicklung: 1. bis 3. Monat

Monat 1

  • Kopf hoch: Die Nackenmuskulatur Ihres Babys wird kräftiger, es kann den Kopf sogar einige Momente vom Boden heben und drehen, wenn es auf dem Bauch liegt. Stützen Sie seinen Kopf aber weiterhin immer gut, denn es kann ihn noch nicht allein halten.
  • Arme und Beine erforschen: Jetzt, mit der Erforschung seines Körpers, merkt Ihr Baby, das seine Arme und Beine zu ihm selbst gehören. Als Erstes entdeckt es seine Hände und Füsse.
  • Saugen: Das Saugen ist sehr wichtig für Babys; sie brauchen es zur Selbstregulation, also um sich selbst zu beruhigen oder zu entspannen.
  • Hören: Das Neugeborene hört bereits ab Geburt sehr gut und erkennt deshalb die Stimme der Mutter und des Vaters.
  • Geräusche produzieren: Ihr 1 Monat altes Baby gurgelt, kräht, grunzt oder summt jetzt vielleicht, um seine Gefühle auszudrücken. Krähen, gurgeln, summen und grunzen Sie zurück – Ihr Kleines freut sich, wenn Sie mit ihm auf diese Weise konversieren, ihm Antwort geben. Einige Babys beginnen schon früh mit Quietschen und Lachen.
  • Wiedererkennen: Ihr Baby wird Ihren Blick nun schon länger erwidern können. Obwohl es Sie schon erkannt hat, als es nur wenige Tage alt war, wird es das erst gegen Ende des Monats zeigen können. Etwa bei der Hälfte aller Säuglinge erlebt man in diesem Alter Anzeichen der Wiedererkennung, indem sie anders auf Mama und Papa reagieren als auf Fremde. Ihr Baby könnte ruhiger werden und Augenkontakt aufnehmen; manche Babys lächeln sogar schon, wenn sie ihre Eltern erblicken.
  • Musik hören: Jetzt, da Ihr Baby längere Phasen am Stück wach ist, können Sie die Zeit nutzen, um seine Sinne anzuregen. Singen Sie ihm Kinderlieder, oder spielen Sie ihm Musik vor – aber überfordern Sie es nicht. Auch schon der Klang von Windspielen oder eine tickende Uhr wird Ihr Baby faszinieren.
  • Aufmerksamkeit erhöhen: Nachdem Ihr Kind gelernt hat, mit beiden Augen zu fokussieren, kann es jetzt sich bewegende Dinge mit den Augen verfolgen. Von einer einfachen Babyrassel, die vor seinem Gesicht leicht geschüttelt wird, kann es völlig in Bann gezogen werden. Oder bewegen Sie Ihr Gesicht langsam und dicht vor seinem Gesicht hin und her – seine Augen werden Ihren Augen folgen.
  • Körperkontakt schenken: Ihr Kind braucht viel Körpernähe, das gibt ihm Sicherheit und Geborgenheit. Eine schöne Möglichkeit ist, es im Tragtuch bei sich zu tragen.

Monat 2

  • Das erste echte Lächeln: In diesem Monat erleben Sie das erste echte, strahlende, zahnlose Lächeln Ihres Kindes – mit Sicherheit eines der herzergreifendsten Erlebnisse bisher mit Ihrem Baby!
  • Bunte Muster und Farben: Bis zum Alter von 2 Monaten mag Ihr Baby zweifarbige, einfach strukturierte Dinge. Jetzt fängt es an, sich für detaillierte und komplizierte Muster, Farben und Formen zu interessieren. Geben Sie Ihrem Kind daher möglichst viele unterschiedliche Gegenstände zum Anschauen und Befühlen.
  • Längere Schlafabschnitte: Die meisten Babys in diesem Alter schlafen noch nicht durch und möchten immer noch mitten in der Nacht gefüttert werden. Manchmal sogar mehrmals. Das ist vollkommen natürlich – Durchschlafen wäre in diesem Altern nicht natürlich. Freuen wird Sie aber, dass Ihr Baby nun länger schläft und auch längere Zeiträume wach bleibt. Die meisten Babys haben 2 bis 4 längere Schlafperioden und sind etwa 10 Stunden wach.
  • Kontrollierte Bewegungen: Die ruckartigen Arm- und Beinbewegungen eines Neugeborenen sind verschwunden, Ihr Baby bewegt sich nun sanfter und runder. Ausserdem wird es ab jetzt Dinge bewusst greifen, das Loslassen kommt erst später.

Monat 3

  • Kopf hoch: Ihr Baby kann in der Rückenlage den Kopf für einige Minuten vom Boden heben. Auf dem Bauch liegend wird es dann vielleicht Kopf und Schultern vom Boden heben und so eine Art Mini-Liegestütze machen. Sie können es dazu ermuntern, indem Sie vor ihm sitzend ein Spielzeug baumeln lassen.
  • Bessere Arm-, Hand- und Beinkoordination: Ihr Baby kann nun mit den Armen winken und mit den Beinen strampeln. Wenn Sie es mit den Füssen auf den Boden stellen, sollte es seine Beine nach unten drücken können. Es kann ausserdem die Hände zusammenbringen und seine Finger öffnen, obwohl es vermutlich noch mit geschlossener Faust nach bewegten Objekten schlagen wird. Die Entwicklung der Handkoordination können Sie fördern, indem Sie Ihrem Kind Spielzeug hinhalten und warten, bis es danach greift.
  • Schlafgewohnheiten: Der Schlaf ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Im 3. oder 4. Monat pendeln sich die Schlafgewohnheiten bei den meisten Babys ein. Manche können jetzt in der Nacht bereits durchschlafen und wachen nur noch für gelegentliches Stillen auf. Andere werden noch nicht die volle Nachtruhe finden.
  • Mama und Papa klar erkennen: Ihr Baby hat mittlerweile eine starke Bindung zu Ihnen entwickelt, Ihr Gesicht ist ihm vertraut. Und es wird zwar immer noch fast jeden Fremden anlächeln, besonders wenn der- oder diejenige ihm direkt ins Gesicht schaut und mit ihm schäkert oder redet. Aber es unterscheidet langsam zwischen Menschen und wird den einen dem anderen vorziehen. Der Parietallappen (auch Scheitellappen genannt), also der Teil des Gehirns, der für Hand-Augen-Koordination zuständig ist, entwickelt sich nun rasant. Und der Schläfenlappen, der massgeblich am Hören, Sprechen und Riechen beteiligt ist, wird ebenfalls aktiver und empfänglicher. Deshalb: Wenn Ihr Baby jetzt Ihre Stimme hört, wird es sich Ihnen direkt zuwenden und gurgeln oder Ihnen mit einem anderen Geräusch antworten.
  • Frühe Sprachentwicklung: In dieser Phase nimmt Ihr Kleines zum ersten Mal die Sprache intensiv wahr. Wenn Sie mit ihm sprechen, speichert es die Informationen in seinem schnell wachsenden Gedächtnis, es kann sie nur noch nicht wiedergeben. Wenn die Eltern bilingual sind und möchten, dass Ihr Kind mehr als eine Sprache lernt, sollte jedes Elternteil in der eigenen Muttersprache mit ihm sprechen.
  • Tastsinn und Körperkontakt: Den sich immer mehr verfeinerndenTastsinn Ihres Babys können Sie bei Lust und Laune mit Materialien anregen. Wenn Sie Ihr Kind berühren, tragen und massieren, entspannt es sich und entwickelt ein Körpergefühl. Ausserdem stärken Sie mit Körpernähe die Bindung zu Ihrem Kind. Versuchen Sie es doch einmal mit einer Babymassage. Ihre Hebamme kann Ihnen zeigen, wie es geht.
  • Interaktion: Noch steht Ihr Baby auf „Empfang“, d. h. es zieht seine Schlüsse aus dem, was sich in seiner Umgebung tut. Es wird aufmerksam Ihrer Stimme lauschen. Wenn Sie mit ihm spielen und sprechen, ermutigen Sie es zu eigenen Äusserungen. Auch im Umgang mit anderen Menschen wird Ihr Baby nun aufgeschlossener und zeigt zunehmend Anteil an Interaktionen.

© rawpixel

Ein Baby kommt auf die Welt. Für die Eltern beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt, der sehr viel Freude bringt und gleichzeitig mit vielen Anstrengungen verbunden ist. Insbesondere beim ersten Kind sind viele Eltern sehr verunsichert, ob sie alles richtig machen und ob sich ihr Kind normal entwickelt. Ein wichtiger Anhaltspunkt für das gesunde Wachsen und Gedeihen des Babys ist das Gewicht. Im Schnitt wiegen Säuglinge nach der Geburt zwischen 2.800 und 4.200 Gramm. Viele Eltern erschrecken, wenn ihr Baby in seinen ersten zwei bis drei Lebenswochen Gewicht verliert anstatt zuzunehmen. Dies ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung, sondern völlig normal. 10 bis 15 Prozent ihres Geburtsgewichtes verlieren Neugeborene in diesem Zeitraum, weil sie über Urin und Stuhlgang Flüssigkeit ausscheiden, jedoch noch verhältnismäßig wenig Nahrung zu sich nehmen. Im Mutterleib hat das Baby genügend Energiereserven angelegt, um diese „Hungerphase“ zu bewältigen.

Säuglinge wachsen und lernen jeden Tag

Spätestens nach drei Wochen sollte das Geburtsgewicht wieder erreicht sein. Danach geht es mit dem Gewicht rasch aufwärts: In den ersten drei Lebensmonaten verdoppelt es sich – der typische Babyspeck wird angelegt. Nach der Geburt beträgt der Körperfettanteil nur 10 Prozent, nach vier Monaten sind es bereits 40 Prozent. Diese Fettreserven sind wichtig, denn Babys zehren davon, zum Beispiel wenn die ersten Infektionskrankheiten auftreten.

Der erste Monat: Schlafen und Reflexe

Im ersten Lebensmonat ist das Neugeborene hauptsächlich damit beschäftigt, sich an das Leben außerhalb des Mutterleibes zu gewöhnen. Es kann noch nicht besonders gut schlafen, da es sich erst an den Schlaf-Wachrhythmus gewöhnen muss. Im Schnitt schlafen Babys im ersten Monat trotzdem zwanzig Stunden pro Tag. Diese lange Schlafzeit ist für sie ein Selbstschutz, damit sie nicht von den vielen neuen Einflüssen überwältigt werden.

In den wachen Phasen sind Neugeborene bereits erstaunlich aktiv. Sie besitzen von Geburt an eine Reihe von Reflexen, die ihnen das Eingewöhnen in die neue Umgebung erleichtert. Einige dieser Reflexe wie der Such- oder der Umklammerungsreflex verschwinden nach einigen Monaten, weil sie unwichtig werden.

Viele der unwillkürlichen Reflexbewegungen werden später von den Kleinen bewusst selbst gesteuert. Spielzeug ist in diesem Lebensabschnitt noch nicht nötig – das liebste „Spielzeug“ der Babys ist das Gesicht der Eltern. Die neuen Sinneseindrücke, das heißt Farben, Geräusche, Stimmen und Gerüche sind Anregung genug für die kleinen Erdenbürger.

Der zweite und dritte Monat: Lächeln und erstes Spielzeug

Im zweiten und dritten Lebensmonat schlafen Säuglinge nur noch rund 15 Stunden pro Tag. Es zeigen sich erste Ansätze eines Tag-Nacht-Rhythmus, jedoch dauern die Durchschlafphasen meist nicht länger als fünf Stunden. Weinen ist die wichtigste Art für Babys, sich mitzuteilen. Eltern finden meist relativ rasch heraus, welche unterschiedlichen Bedürfnisse Säuglinge mit ihrem Weinen ausdrücken möchten. Irgendwann in diesen ersten Monaten wird das Baby seine Eltern das erste Mal bewusst anlächeln. Für wenige Sekunden kann es seinen Kopf heben, wenn es auf dem Bauch liegt. In dieser Lage stützt es sich auch auf die angezogenen Knie und macht Kriechbewegungen.

Im zweiten Lebensmonat sind die Hände meist zu Fäusten geschlossen und das Baby umklammert alles, was man ihm gibt. Es strampelt, spielt mit seinen Fingern und beginnt, seine Füße zu entdecken. Die Eltern können nun auch gut im Gesicht ihres Nachwuchses seine Bedürfnisse und Stimmungen ablesen. Im dritten Lebensmonat wird die Körperhaltung des Babys entspannter. Die Hände sind nun häufiger geöffnet und Arme und Beine werden gestreckt. Jetzt haben die kleinen auch Spaß an ihrem ersten Spielzeug. Dafür eignen sich Rasseln, Beißringe oder weiche, waschbare (Frottee-)Tierchen.

Fazit

Die ersten drei Lebensmonate des Säuglings sind also eine Zeit, in der sich zum einen die Eltern mit ihrem Nachwuchs vertraut machen und sich die Säuglinge zum anderen an das Leben außerhalb des Mutterleibes gewöhnen.

Aktualisiert: 10.01.2013 – Autor: dgk

Entwicklung der Feinmotorik in den ersten 3 Lebensmonaten

Ein paar Wochen später, ungefähr ab 10 Wochen sind die Hände dann überwiegend geöffnet. Das Baby beginnt nach beginnt nach Gegenständen zu greifen die in Reichweite sind, bewegt diese und lässt sie unabsichtlich wieder los.

Ein O-Ball oder weiche Stoffpüppchen sind jetzt als erstes Spielzeug wunder bar geeignet. Die Auswahl an Babyspielzeug ist riesig und leider auch unübersichtlich. Mein Tipp ist es wenige Dinge und dafür hochwertiges zu kaufen und sich auch auf Gutscheinportalen wie Gutscheinpony umzuschauen. Mit den angebotenen Gutscheinen und Rabattcoupons kann viel Geld gespart werden.

Ab etwa 6 – 10 Wochen beginnen Babys damit sich an ihrer Kleidung wie z.B. dem Body fest zu halten insbesondere beim Wickeln. Wickeln ist anstrengend für Babys und durch das Festhalten versuchen sie sich selber zu beruhigen. Das „zupfen“ an der Kleidung sieht man übrigens auch häufig bei Kleinkindern und manchmal auch bei Erwachsenen. Ab etwa 12 Wochen gelingt es dem Baby dann die Hände in der Körpermitte zusammenführen. Dieser wichtige Entwicklungsschritt gehört zur „Eigenregulation“ und hilft dem Kind sich bei „Stress“ alleine zu beruhigen.

Ein High Need Baby ist laut dem Ehepaar Sears ein Baby, das besonders viel Aufmerksamkeit benötigt und Eltern vor besondere Herausforderungen stellt. In diesem Artikel erfährst du mehr über das Konzept High Need Baby und die Frage, ob dieses Konstrukt sinnvoll ist.

1. Was ist eigentlich ein High Need Baby?

Das Konstrukt High Need Baby wurde von Dr. Sears (Professor für Kinderheilkunde) und seiner Frau (Hebamme) ins Leben gerufen, nachdem deren viertes Kind ein völlig anderes Verhalten zeigte als seine Geschwister und seine Eltern dadurch an ihre Grenzen brachte. Frau Sears gibt dabei selber zu, dass sie vorher den Frauen, die ihr erzählten, dass ihre Babys besondere Aufmerksamkeit benötigten keinen Glauben geschenkt hatte.

Nach langem Beobachten ihres eigenen Kinder, sowie der Kinder anderer, entwarfen die Sears ein Konstrukt mit 12 Dimensionen, die High Need Babys beschreiben.

1.1 Die 12 Dimensionen von High Need

  1. „Intense“: intensiv (anstrengend)
    Babys mit dieser Eigenschaft erscheinen zunächst einmal besonders anstrengend: sie tun ihre Bedürfnisse lauthals kund, neigen dazu sich „einzuschreien“, sind dazu oft noch besonders laut und lassen sich nur schwer wieder beruhigen. Eltern merken schnell, dass es leichter ist, wenn sie die Bedürfnisse ihres Babys erfüllen, bevor diese dringend werden. Auch das Stillen und Füttern wirkt oft krampfhaft oder kampfartig und das Baby wirkt generell verspannt, überstreckt sich und ballt die Hände zu Fäusten.
    Intensive Babys werden oft auch zu intensiven Kleinkindern, die sich kaum stoppen lassen und einen unendlichen Bewegungs- und / oder Entdeckungsdrang haben. Eltern tuen in diesem Alter gut daran, ihre Wohnung so kindersicher wie möglich zu machen, da diese Kleinkinder dazu neigen erst zu handeln und dann zu denken.
    All dies scheint zunächst (vor allem für betroffene Eltern) nicht besonders positiv. Die Sears geben jedoch zu bedenken, dass genau diese Eigenschaft dazu führen kann, dass ein Kind seine Umwelt besonders intensiv erkundet und entdeckt und dadurch eine ganz besondere Kreativität entwickeln kann. Außerdem sind nicht nur negative Emotionen bei diesen Kindern besonders ausgeprägt und mitreißend, sondern auch die positiven. Die Aufgabe der Eltern sollte darin bestehen, die Energie des Kindes in Bahnen zu lenken, in denen das Kind wachsen kann.
  2. „Hyperactive“: hyperaktiv
    High Need Babys scheinen immer in Bewegung zu sein (bzw. es zu wollen). Hand in Hand damit einher geht, dass sie oft auch einen hohen Muskeltonus haben und somit immer angespannt sind (hyperton). Viele Babys finden in Berührung, Tragen und Liebkosungen der Eltern entspannung aber lange nicht alle.
    Hyperaktiv ist dabei nicht negativ zu bewerten. Bedenken sollte man immer, dass „hyper“ immer nur relativ ist: ein Kind ist „mehr“ („über“) als das andere. Es soll keine Beurteilung des Verhaltens sein, sondern lediglich eine Beschreibung. Hyperaktivität kann zudem dazu führen, dass ein Kind auch Hyperproduktiv ist oder in bestimmten Bereichen sehr schnelle Entwicklungsfortschritte zeigt.
  3. „Draining“: entzieht Energie
    Eltern von High Need Babys fühlen sich oft, als würde das Baby ihnen alle Energie entziehen. Sie sind übermüdet, schlapp und kraftlos. Doch diese Energie geht nicht verloren, sondern direkt auf das Baby über. Alles, was wir an Energie abgeben, hilft unserem Baby zu wachsen, zu lernen und sich zu entwickeln. Das ständige Tragen, Schaukeln, Beruhigen, Füttern, Kuscheln und Bestärken kostet uns viel Kraft, die aber direkt unserem Baby zugute kommt.
    Mütter (und Väter) sollten dabei versuchen die Situation einfach anzunehmen und sich selbst zugestehen, dass sie eben nicht noch tausend andere Dinge schaffen können. Der Haushalt kann warten, das Baby nicht.
    Babys bedienen sich dabei an den Energiereserven ihrer Eltern, ohne sich Gedanken darum zu machen, dass für diese nichts mehr übrig bleibt. Für Eltern ist das sehr anstrengend und fast alle erreichen irgendwann einen Punkt, an dem sie denken, dass sie nicht mehr können. Und auf zauberhafte Weise ist an gerade diesem Tag das Baby etwas weniger fordernd. Einfach wird es bestimmt nicht, aber es wir immer Tage geben, an denen es einfacher ist.
  4. „Feeds Frequently“: will ständig gefüttert werden
    Hight Need Babys haben ein großes Saugbedürfnis. Dieses lässt sich am besten an Mamas Brust stillen, da man dort auch noch kuscheln kann und Mama ganz nah ist. Die Forschung zeigt, dass Babys, die oft (und dafür kurz) gestillt werden, weniger schreien als solche, die längere Zeit auf die nächste Mahlzeit warten müssen. In einigen Kulturen stillen Frauen 20 Mal am Tag, was jedoch dadurch erleichtert wird, dass diese Frauen ihre Babys meist nah am Körper tragen. Um Übergewicht muss man sich dabei keine Sorgen machen: Beim Stillen trinken Babys zunächst die fettarme Vormilch und erst nach einiger Zeit die kalorienreiche Hintermilch. Stillbabys sehen dennoch manchmal aus wie kleine Sumoringer, doch mit dem Krabbeln verlieren sie ihre überschüssigen Pfunde meist sehr schnell.
    Die Sears gehen davon aus, dass es die bessere Option ist ein High Need Baby zu stillen, da das Fläschchen nicht so beruhigend wirkt und die enthaltene Milch deutlich mehr Kalorien enthält. Stillen sollten Mütter am besten nach Bedarf, da High Need Babys mit festen Zeiten oft nicht zurecht kommen. Auch das Abstillen wird bei High Need Babys wahrscheinlich schwieriger werden, da diese Kinder sich nur schwer beruhigen können und wenn sie eine Beruhigungsmethode gefunden haben (wie das Stillen), geben sie diese nur ungern auf.
  5. „Demanding“: Fordernd
    High Need Babys kommunizieren ihre Bedürfnisse deutlich und laut. Sie schreien besonders intensiv, lassen sich nur beruhigen, wenn das Bedürfnis tatsächlich korrekt erfüllt wurde und das möglichst schnell. Was für Eltern sehr anstrengend sein kann und ihnen manchmal das Gefühl vermittelt, dass sie durch das Baby fremdgesteuert sind, führt jedoch auch dazu, dass Eltern besonders gut lernen ihr Baby einzuschätzen und seine Bedürfnisse schnell zu erfüllen.
    Wenn ein Kind sich sicher aufgehoben fühlt, kann es irgendwann lernen seine Bedürfnisse auf eine sozial verträglichere Weise zu kommunizieren. Gleichzeitig können Eltern diesen Kindern dabei helfen zu Erwachsenen zu werden, die zielstrebig für ihre Bedürfnisse und Rechte kämpfen.
    Fordernde Babys werden oft zu fordernden Kindern, die nicht nur Eltern, sondern auch Lehrern einiges abverlangen. Dafür sorgen diese Kinder so selber dafür, dass sie alles bekommen, was sie benötigen um ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterzuentwickeln.
  6. „Awakens frequetly“: wacht ständig auf
    High Need Babys scheinen von allem mehr zu brauchen – außer vom Schlaf. Im Gegensatz zu ihren Eltern. Der beste Weg damit umzugehen, ist, laut den Sears, dem Baby eine Umwelt zu bieten, in der es sicher und geborgen schlafen kann und es gleichzeitig hinzunehmen, wenn das Baby dies nicht tut. Ein Baby zum Schlafen zu zwingen ist unmöglich und wird nur dazu führen, dass sowohl das Baby, als auch die Eltern frustriert werden.
  7. „Unsatisfied“: unzufrieden
    High Need Babys lassen sich manchmal einfach nicht zufrieden stellen. Für Eltern ist das sehr frustrierend und führt schnell dazu, dass diese an den eigenen Fähigkeiten zweifeln. Ein glückliches, zufriedenes Baby gilt in unserer Gesellschaft als Beleg für die Fähigkeiten der Eltern, das ist aber schlicht falsch. Eltern können zwar alles versuchen, am Ende ist es aber vom Baby abhängig, was dieses annehmen kann. Trotzdem sollten Eltern weiterhin versuchen ihr Baby zu beruhigen und wenn man dann endlich eine Methode gefunden hat, die Hilft, dann kann man wirklich stolz auf sich sein. Dass Morgen alles schon wieder anders ist, darüber kann man sich morgen Gedanken machen.
  8. „Unpredictable“: unvorhersehbar und unberechenbar
    Heute hüh und morgen hott. Was heute das Baby wunderbar beruhigte, sorgt morgen für noch mehr Tränen und Geschrei. Mit High Need Babys haben Eltern manchmal das Gefühl jeden Tag von neuem ein Rätselspiel zu spielen, dessen Lösung jeden Tag anders aussieht.
    Auch was die Stimmungen angeht, sind diese Babys unvorhersehbar. Plötzliche Stimmungsumschwünge sind an der Tagesordnung. Dabei überwiegen die Extreme: Das Baby ist entweder extrem fröhlich und steckt alle mit seinem Lachen an oder extrem wütend und überträgt diese negativen Gefühle ebenso auf alle anderen.
    Das tägliche Leben wird dadurch nicht leicht. Mal macht das Baby alles lachend mit und am nächsten Tag wird der Einkauf zum Horrortrip. Eltern bleibt nur sich so weit es geht auf das Baby einzustellen und mit diesen Ups and Downs zu leben.
  9. „Super-Sensitive“: super sensibel
    High Need Babys reagieren super sensibel auf Geräusche, Veränderungen und Stimmungen. Am wohlsten fühlen sie sich in einer vertrauten Umgebung mit ihren Bezugspersonen. Wenn sie schlafen, werden sie schnell durch Geräusche wach und das Baby mal für einen Tag an jemanden abzugeben ist undenkbar. Auch auf körperliche Schmerzen reagieren diese Babys extrem und lassen uns Erwachsene das deutlich hören. Eltern können sich somit zumindest sicher sein, dass diese Babys stets deutlich machen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
    Wenn diese Babys älter werden, sind sie oft besonders empfänglich für die Gefühle und Gedanken anderer, entwickeln ein ausgeprägtes Empathie-Verhalten und sind besonders aufmerksam. Wenn wir sie in ihrer Entwicklung gut unterstützen, werden diese Kinder als Erwachsene tief gehende Beziehungen eingehen können und ein erfüllendes Sozialleben erfahren.
  10. „Can’t put baby down“: lässt sich nicht ablegen
    Kuscheln, Tragen, Schaukeln und am besten den ganzen Tag auf Mamas oder Papas Arm. High Need Babys brauchen besonders viel Körperkontakt und lassen sich nur unter Protest ablegen. Am besten ist es, wenn der Träger dabei ständig in Bewegung ist, Stillstand finden die meisten High Need Babys eher beunruhigend.
    Manche Babys tun sich anfangs mit dem Körperkontakt schwer, dies liegt oft daran, dass sie so sensibel sind und die Berührungen sie beunruhigen. Eltern sollten dies nicht persönlich nehmen, auf ihr Kind eingehen und ihm das geben, was es braucht. Das Bedürfnis nach viel Nähe entwickelt sich dabei oft, wenn das Kind sich etwas sicherer fühlt.
  11. „Not a self-soother“: beruhigt sich nicht selbst
    Wer meinte, ein Baby würde sich mithilfe eine Schnullers, einer Spieluhr oder einer Wippe selbst beruhigen, der wird durch High Need Babys eines besseren belehrt. Dies Babys brauchen Mama und Papa um sich zu beruhigen und die Reize der Umwelt, die täglich auf sie einstürmen, verarbeiten zu können. Alleine einzuschlafen ist für diese Babys sehr schwer und sie brauchen dazu viel Hilfe von den Eltern. Sich selbst in den Schlaf zu weinen, ist dabei keine adäquate Strategie um dem Kind beizubringen sich selbst zu entspannen.
    Bei jungen Babys ist es dabei das beste auf die Bedürfnisse so weit wie möglich einzugehen. Erst nach einigen wichtigen Entwicklungsschritten wird das Kind dazu in der Lage sein, durch Lernprozesse sein Verhalten anzupassen. Je älter das Kind wird, desto mehr sollten Eltern versuchen dem Kind adäquate Strategien beizubringen, um sich selbst zu helfen: Egal ob das ein Kuscheltier ist, das Geborgenheit vermitteln kann oder ein Einschlafritual, wichtig ist, das Eltern das Kind darin unterstützen im eigenen Tempo immer selbstständiger zu werden.
  12. „Separation sensitive“: reagiert sensibel auf Trennung
    High Need Babys lassen sich nicht einfach an einen anderen abgeben. Sie brauchen am Anfang vor allem ihre Mama und tun dies lautstark kund. Fremden gegenüber werden sie nur zögerlich warm und auf den Arm nehmen dürfen sie nur ausgewählte Personen.
    Auch wenn uns Eltern dieses Verhalten manchmal anstrengt, aus Sicht des Babys ist es völlig logisch. Für das Baby ist die Mama ein Teil des eigenen Selbsts, ein Teil, den man zum Überleben benötigt. Die Sears haben Mütter beobachtet, die ihre Babys viel getragen, nach Bedarf gestillt und oft auch mit ihnen in einem Bett geschlafen haben und diese Mütter entwickelten Trennungsängste bezüglich ihres Babys. Wenn schon Mütter diese Gefühle zeigen, dann sind sie wohl völlig normal für die kleinen Wesen, die ohne ihre Mütter nicht wären.
    Mit der Zeit erweitert sich der Kreis, der Personen, zu denen das Baby Vertrauen fasst, trotzdem dauert es lange, bis es Vertrauen zu Unbekannten fasst. Trennungsängste können dabei bis ins Kindesalter sehr intensiv sein und für Konflikte sorgen. Auf der anderen Seite zeigt dieses Verhalten aber auch, dass die Kinder sehr intensive emotionale Bindungen aufbauen.

1.2 Anmerkungen zu diesem Konzept

Auf der Homepage askdrsears wird im Rahmen der Vorstellung des Konzepts darauf hingewiesen, dass jedes Baby wahrscheinlich einige dieser Eigenschaften besitzt. Jedes Baby ist somit ein bisschen High Need und zudem haben auch Babys bessere und schlechtere Tage. Den Sears geht es dabei nicht darum Babys abzustempeln oder ihnen ein Label zu verpassen, sondern darum ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass verschiedene Babys in unterschiedlichen Bereichen mehr Aufmerksamkeit brauchen und fordernder sind.

Sie sagen zudem, dass sie diese Eigenschaften nicht wertend meinen, sondern lediglich beschreibend. Jede dieser Eigenschaften birgt dabei sowohl Herausforderungen als auch Potenzial mit sich. Das Ziel sollte sein, sein Kind mithilfe dieses Konstruktes besser einschätzen zu können und ihm dabei zu helfen sein Potenzial zu entfalten und Schwierigkeiten irgendwann allein meistern zu können.

Ich finde, dass dies ein wundervoller Ansatz ist, da es tatsächlich äußerst wichtig ist Kindern Methoden beizubringen, mit ihren Schwächen umzugehen und ihre Stärken zu nutzen. Um das leisten zu können, ist es natürlich unumgänglich, dass Eltern zunächst die Stärken und Schwächen ihrer Kinder erkennen.

2. Wir haben ein High Need Baby!

Seit ich Mama bin, frage ich mich schon öfters mal, ob ich nicht etwas falsch mache. In Gesprächen mit anderen Mamas fühle ich mich nicht selten unzulänglich. Während andere mit ihrem Baby allein Zuhause sind und den Haushalt spielend im Griff haben, nebenbei kochen, backen und natürlich genug schlafen, bin ich froh, wenn ich mal 10 Minuten für mich habe um in Ruhe zu duschen. Und das obwohl Finn den ganzen Tag hier ist.

Unser Babyjunge ist ein unglaublich tolles Kind und wir lieben ihn über alles. Er ist aber auch manchmal ganz schön anstrengend. Er lässt sich keine Minute ablegen, schläft grundsätzlich nur, wenn einer von uns daneben liegt, würde am liebsten den ganzen Tag an der Brust nuckeln und lässt sich von niemandem außer uns Eltern auf den Arm nehmen. Vor allem Abends braucht er seine Mama und dann kann nicht einmal Papa ihn beruhigen. Unterwegs ist es egal ob er mollig im Tuch mit mir kuscheln kann oder im Kinderwagen liegt und sanft durchgeruckelt wird, er schreit oft bis er einschläft. Ach ja, einschlafen läuft hier sowieso selten friedlich ab, man hat eher den Eindruck, Schlaf wäre die reinste Folter für den Kleinen. Schreiend einschlafen und dann mit dem ersten Blinzeln weiter schreien? Hier keine Seltenheit.

3. Brauchen schon Babys solch einen „Stempel“?

Dass unser Babyjunge ein High Need Baby ist, habe ich heute eher durch Zufall erfahren. Bei Facebook las ich einen Artikel, der kritisiert, dass Babys diesen Stempel bekommen, dort wurde die Frage aufgeworfen, was es den Betroffenen bringt und ob es nicht den Babys schaden würde.

Ich habe mich dann recht lange mit dem Thema auseinander gesetzt und mich dabei selber gefragt, ob es mir etwas bringt, wenn ich nun weiß, dass mein Baby ein High Need Baby ist.

3.1 Die Intention der Sears

Wer sich die Website von Dr. und Frau Sears anschaut, der gelangt schnell zu der Erkenntnis, dass dieses Konzept gar nicht so negativ aufzufassen ist, wie es sich vielleicht zunächst anhört. High Need klingt in unseren Ohren vielleicht erst mal sehr negativ und nach „Problemkind“, wenn man sich das alles aber in Ruhe durchliest erkennt man schnell, das High Need zwar für Eltern extrem anstrengend ist, darin aber gleichzeitig auch wahnsinnig viele Ressourcen stecken.

Wenn man sich bewusst macht, warum das eigene Kind diese Verhaltensweisen zeigt, dann ist es nicht mehr weit dahin dies positiv zu nutzen. Sein Kind darin zu unterstützen sich gut zu entwickeln und bestimmte Eigenschaften dabei sogar zu fordern, anstatt sie dem Kind abzugewöhnen. Somit denke ich, dass ein Bewusstsein dafür, dass das eigene Baby ein High Need Baby ist, dazu führen kann, dass man besser mit seinem Baby umgeht.

3.2 Ein Name macht es greifbar und real

Außerdem muss ich ganz klar sagen: Es ist so erleichternd zu wissen, dass ich mir nicht alles nur einbilde und mich anstelle!

Das hört sich jetzt vielleicht erstmal komisch an, aber wenn man als Mama merkt, dass alle anderen viel besser mit ihren Kindern klarkommen und nebenbei viel mehr schaffen, dann zweifelt man einfach an seinen eigenen Fähigkeiten. Man denkt, dass man selber irgendwie versagt. Dass einfach die Babys unterschiedliche Temperamente haben und sich sehr unterschiedlich verhalten, daran habe ich tatsächlich kaum gedacht.

Es liegt nicht immer alles an den Fähigkeiten der Mama (oder des Papas), sondern auch am Temperament des Kindes.

Mir persönlich geht es gar nicht darum, nun einen Begriff für das Verhalten meines Babys zu haben, sondern viel mehr darum zu wissen, dass es noch mehr Babys gibt, die fordernder sind. Dass es nicht meine Unzulänglichkeit ist, dass mein Baby ständig beschäftigt werden will und unser Tag durch sein Schreien bestimmt wird.

Und ganz ehrlich? Dass mein Baby anders ist als andere, das erkennt man auch so. Meine Mama sagt immer liebevoll, dass er halt etwas ganz Besonderes ist. Und wenn wir unterwegs sind, dann merken andere schnell, dass man sich mit mir nicht wirklich unterhalten kann und in einem Restaurant etwas zu Essen zu bestellen, ist eher sinnlos da ich es wahrscheinlich (wenn überhaupt) kalt herunterschlingen muss. Mittlerweile haben wir uns ganz gut auf unseren Babyjungen eingestellt und wissen, was möglich ist und womit wir lieber noch etwas warten. Dadurch ist unser Alltag sehr entspannt geworden und der Babyjunge ebenfalls. Trotzdem hat mir das Konzept der Sears in mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet und mir ist bewusste geworden, dass viele der Verhaltensweisen, die ich manchmal als sehr anstrengend empfinde auch durchaus ihre positiven Seiten haben, die ich nutzen und fördern kann.

Zudem habe ich nun ein weiteres Puzzle-Teil gefunden um zu erklären, warum unser Wochenbett so wahnsinnig anstrengend und alles andere als schön war. Außerdem glaube ich, dass es sehr wichtig ist die Schwächen seiner Kinder zu kennen. Denn wenn wir unsere Schwächen kennen, können wir diese sogar zu einem Vorteil machen. Wie erfährst du im Abschnitt „High Need als Chance“ weiter unten.

3.3 High Need als Stigmata

Im Psychologie-Studium haben wir viel darüber gesprochen, dass Diagnosen auch Stigmata sein können. Dass man darum sehr vorsichtig mit sowas sein soll. Trotzdem gibt es sie. Denn auf der anderen Seite hat man nun endlich eine Erklärung für ein Verhalten, das in irgendeiner Form von der Norm abweicht. Man weiß nun, woran man ist und oft geht damit auch einher, dass sich endlich Lösungswege zeigen.

High Need ist keine Diagnose.
Es ist ein Konstrukt, das auf der Beobachtung von Babys beruht. Es sagt nicht, dass ein Baby krank oder gestört ist, hilft nicht ein geeignetes Medikament zu finden und ermöglicht Betroffenen nicht eine besondere Therapie aufzusuchen. Es beschreibt lediglich Verhaltensweisen, die zusammen dafür sorgen, dass ein Baby besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge von seinen Eltern fordert.

Die entscheidende Frage ist doch nun, was Eltern mit dem neuen Wissen anfangen. Wenn sie wissen, dass ihr Baby ein High Need Baby ist, werden sie dann vielleicht gelassener? Setzen sich weniger unter Druck und können im Wettstreit um die perfekte Mutter etwas entspannter sein? Wenn man diese Fragen mit ja beantworten kann, dann denke ich, dass das Konstrukt High Need Baby dem Kind eher hilft. Denn erinnern wir uns nochmal: entspanntere, glücklichere Eltern – entspannteres, glücklicheres Kind (soweit sich das eben beeinflusst).

Vielleicht sehen Eltern ja sogar, dass ihr Baby in einigen Bereichen High Need ist und in anderen gar nicht? Oder sie erkennen, dass ihr Baby tolle Ressourcen hat, die man als Eltern gezielt nutzen und fördern kann, so wie die Sears es selber beschreiben. Unser Babyjunge hat zum Beispiel einen wahnsinnigen Bewegungsdrang und trainiert jeden Tag super ausdauernd seine ganzen Muskeln. Wir müssen dabei zwar immer an seiner Seite sein und stets schauen, wann wir eingreifen müssen, damit er nicht zu frustriert wird (das endet immer in lautem Geschrei) aber ich hoffe, dass wir ihm dabei helfen können diese Ausdauer und Motivation zu behalten.

Auf der anderen Seite würde es dem Baby tatsächlich schaden, wenn bestimmte Erwartungshaltungen der Umwelt nun dafür sorgen, dass dieses sich tatsächlich mehr und mehr so verhält. Implizite, also unbewusste, Erwartungen beeinflussen das Verhalten unseres Gegenübers mehr als wir uns manchmal vorstellen können (siehe zum Beispiel der Rosenthaleffekt). Wenn ich nun von meinem Baby erwarte, dass es ständig weint, sich nicht ablegen lässt und besonders viel Aufmerksamkeit benötigt, dann kann es sein, dass mein Baby diese Verhaltensweisen mit der Zeit immer mehr zeigt, weil ich es unbewusst dahingehend beeinflusse. Allerdings lässt sich hier kritisch anmerken, dass ich mein Baby dazu nicht einmal als High Need Baby bezeichnen muss, es reicht, wenn ich denke, dass mein Baby sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält.

Um es zusammengefasst auf den Punkt zu bringen: Zu wissen, dass man selber ein High Need Baby hat, kann Eltern meiner Meinung nach durchaus helfen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Kinder sich im Laufe ihrer Entwicklung sehr stark verändern können und somit immer wieder kritisch hinterfragen, ob diese Beschreibung noch auf das eigene Kind zutrifft und hilfreich ist oder gar einer (Weiter-) Entwicklung im Wege steht.

4. High Need als Chance

Und, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und würde behaupten, dass es sogar für unsere Kinder von Vorteil sein kann, wenn wir sie als High-Need-Kind erkennen.

4.1 Stärken und Schwächen

Natürlich sollten wir den Blick auf Stärken und Kompetenzen richten (ressourcenorientiert erziehen) aber wir werden unseren Kindern nicht gerecht, wenn wir ihre Schwächen einfach ausblenden.

Wir alle haben unsere Schattenseiten. Unsere Kinder auch. Ich finde es unheimlich wichtig diese zu kennen. Denn nur dann kann ich meinem Kind dabei helfen, mit diesen zu leben und sie zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Unser Sohn ist ein High-Need-Baby. Dabei geht es mir überhaupt nicht darum endlich einen Stempel zu finden und mich nun entspannt zurück zu lehnen. Ich erzähle es im Alltag auch nicht lauthals herum. Mit anderen Mamas (oder Papas und anderen Personen) rede ich darüber gar nicht. Denn in den allermeisten Situationen ist es gar nicht relevant.

Für mich ist das wichtig, weil ich dadurch weiß, dass dieses Verhalten tatsächlich etwas von der Norm abweicht. Ich kann ihn gezielt beobachten und schauen, wie er sich in bestimmten Situationen verhält und diese Beobachtungen sinnvoll interpretieren.

4.2 Warum das wichtig ist?

Weil ich der Meinung bin, dass unsere Aufgabe als Eltern hauptsächlich darin besteht unseren Kindern Werkzeuge an die Hand zu geben. Werkzeuge, die sie später befähigen SELBST für sich zu sorgen. Nicht nur im materiellen Sinne, sondern auch in jedem anderen. Ich möchte, dass mein Kind später glücklich ist. Nicht, weil er ein tolles Haus, Auto oder eine schöne Freundin hat. Sondern aus sich selbst heraus.

Wer sein Glück von äußeren Umständen abhängig macht, wird nie mals frei sein.

Ich bin davon überzeugt, dass Zufriedenheit vor allem daraus entsteht, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Dass man weiß, wer man ist. Mit allen Stärken und Schwächen. Dass man sowohl seine Stärken, als auch seine Schwächen für sich einsetzen und nutzen kann.

Das hört sich leicht an. Und ist so unendlich schwer.

Ich (und Finn ebenso!) will meinem Sohn dabei helfen so gut ich kann. Für mich bedeutet das, dass ich seine Schwächen genauso kenne wie seine Stärken. Solange er klein ist bedeutet es vor allem, dass ich ihn auffange. Ihm helfe Vertrauen aufzubauen. Vertrauen, dass jemand da ist, egal wie er sich benimmt. Egal, was er tut.

Außerdem sehe ich schon jetzt, welche positiven Konsequenzen seine „schwierigen“ Verhaltensweisen haben. Ja, er weint viel und ist sehr oft unzufrieden. Das ist vor allem für uns Eltern wahnsinnig anstrengend. Aber weißt du was? Dafür kann er mit neun Monaten an Gegenständen entlang laufen. Er zieht sich überall hoch und steht schon allein.

Er hat so einen unheimlich starken Antrieb. Er WILL. Das finde ich toll! Mir ist dabei nicht mal wichtig, was er am Ende tatsächlich erreicht, sondern dass er sich so anstrengt. Das finde ich einfach bewundernswert.

Auch dass er abends sehr an mir hängt und ich meinen Blick nicht abwenden darf, zeigt mir etwas Wundervolles: Er baut tiefe Verbindungen auf. Er liebt. Und alles, was ich mir wünsche ist, dass er diese Fähigkeit behält.

Für fast jedes anstrengende Verhalten lässt sich eine Situation finden, in der dieses Verhalten vorteilhaft ist. Wir müssen nur genau hinschauen. Unser Kind beobachten und davon wegkommen Verhalten oberflächlich in gut oder schlecht einzuteilen. Denn letztendlich ist die Bewertung immer auch von der Situation abhängig. Auch ein eigentlich „gutes“ Verhalten kann in bestimmten Situationen schlecht sein.

5. Gesellschaftliche Normen

High Need ist für mich nichts Negatives. Es ist einfach eine Sammlung bestimmter Verhaltensweisen. Verhaltensweisen, die es Eltern manchmal schwer machen und sie besonders fordern. Negativ ist es nur, weil es von der gesellschaftlichen Norm abweicht. Das wiederum spielt leider eine Rolle, weil wir in dieser Gesellschaft funktionieren müssen.

Mein Baby kann ich davor noch weitestgehend schützen und in unserem familiären Rahmen so auf ihn eingehen, wie er es braucht. Aber er wird größer und irgendwann werden die Ansprüche, die andere an ihn stellen, wachsen. Irgendwann wird er in einem Kindergarten oder spätestens in einer Schule allein – ohne mich – klar kommen müssen.

Bis dahin habe ich zum Glück noch eine Menge Zeit. Diese Zeit will ich nicht dafür nutzen hier „perfekte Welt“ zu spielen. Ich will sie nutzen, um mein Kind so gut wie möglich kennen zu lernen. Mit allen Facetten. Ohne Wertung. Ich will ihm helfen groß und stark zu werden. Er selbst zu werden.

Selbstreflexion ist eine der Königsdisziplinen. Und ich bin mir ehrlich nicht sicher, in wie weit Kinder dies erlernen und für sich nutzen können. Aber ich werde meinem Sohn alle Werkzeuge schon von klein auf an die Hand geben.

Wir sollten aufhören Verhalten nur in „negativ“ und „positiv“ einzuteilen, sondern sehen, dass die Bewertung immer auch situationsabhängig ist (okay, nicht immer, aber zumindest oft). Dann können wir vielleicht anfangen unsere Kinder in ihrer Gesamtheit zu sehen ohne dabei Angst haben zu müssen, dass ihre Schwächen die Stärken überdecken.

6. Ein kurzes Wort zur „Inklusion“

Das ist es auch, was mich an dem Konzept der „Inklusion“, wie es momentan beworben wird, stört: Hier wird versucht alle Kinder in die gleiche Form zu pressen. Das klappt schon bei den gesunden Kindern nicht immer, bei denen, die körperlich oder geistig etwas weiter von der Norm entfernt sind, ist das aber einfach grausam.

Wenn wir einfach übergehen, dass ein Kind gewisse Schwächen hat und wir es nur um der Teilhabe willen in Regelschulen schicken, in denen es einfach nicht zurecht kommen kann, dann tun wir weder diesem Kind einen Gefallen, noch den anderen Kindern in der Klasse oder den Lehrern. Und am Ende ist doch allen klar, dass es hier nicht wirklich um Teilhabe geht, sondern vor allem darum, Geld zu sparen. Dies aber mit dem Vorwand, man wolle ja den Kinder helfen ihre Schwächen zu überdecken, ist einfach nur heuchlerisch.

Wieso können wir den Unterschieden nicht Rechnung tragen und akzeptieren, dass Menschen verschiedene Voraussetzungen haben? Und das nicht nur im Positiven, sondern eben auch im Negativen?

Im übrigen kann und möchte ich dieses Thema hier nur „anreißen“, wenn ihr mehr darüber wissen wollt, dann schaut doch mal bei 2kindchaos vorbei, dort steht das Thema High Need Babys und Kinder im Vordergrund!

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