5 jahre altes kind

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Antonia schreibt im „Umstandslos“-Blog, dass beiden Eltern das Geschrei der Tochter zu Herzen geht: „Ich denke mir nach sehr kurzer Zeit, dass meine Belastung, dieses Schreien auszuhalten, grösser ist als der Energieaufwand, sie ins Bett zu bringen. Wir geben sozusagen auf. Ich bringe sie ins Bett, wir Eltern sind frustriert, das Kind ist zufrieden.“ Andere Eltern wollen davon nichts wissen. „Vielleicht will das Kind nur testen, wie weit es gehen kann und ob es wirklich diktieren kann, wer was mit ihm macht“, kommentiert eine Mutter den Blog. Auch Joëlle Gut findet es gefährlich, wenn dem Kind zu oft nachgegeben wird. Es gehöre zur normalen Persönlichkeits- und Identitätsfindung, dass das Kind seinen Willen gegen den der Eltern durchsetzen wolle: „Wenn ich als Elternteil hier nachgebe, dann verliere ich an Autorität und das Kind lernt, dass es sein Ziel mit Toben und Schreien erreicht.“

Am gleichen Strick ziehen

Damit kein unerfreulicher Machtkampf zwischen Eltern und Kind entsteht, lohnt es sich, wenn die Eltern die Situation gemeinsam anschauen und sich überlegen, wie wichtig ihnen ist, dass der Vater gewisse Dinge mit dem Kind macht. Geht es einzig ums Prinzip oder braucht die Mutter die Zeit wirklich für sich? In den allermeisten Fällen hat das Kind kein Problem damit, dass der Vater Windeln wechselt und Gutenachtgeschichte erzählt, wenn die Mutter nicht hier ist und es gar keine andere Wahl hat. Wird dem Kind erklärt, wieso die Mama jetzt nicht zuständig sein kann – weil sie noch etwas erledigen muss oder sich einfach zu erschöpft fühlt, einen Spaziergang machen will oder sich mit jemandem trifft – dann fällt es dem Kind einfacher, dies zu akzeptieren. Gute Erfahrungen machen Eltern auch damit, im Voraus anzukündigen, dass heute Papa-Abend ist und die Mama weggeht. „Wichtig ist, dass die Eltern am gleichen Strick ziehen“, sagt Joëlle Gut.

Nicht einfach ist die Situation auch für den Vater. Dass Kinder manchmal gerne wählen, wer ihnen die Zähne putzt oder sie ins Bett bringt, ist normal. Wenn der Vater jedoch vom 3-jährigen Sohn hört: „Ich komme nicht zum Frühstück, der Papa muss erst weg“, tut das weh, vor allem wenn es wiederholt vorkommt. Manche Väter reagieren beleidigt oder sogar eifersüchtig und nennen das Kind ein „Mami-Titti“. Das verschlimmert die Situation unnötig und treibt unter Umständen einen Keil zwischen die Partner. Verstecken muss jedoch der Vater seine verletzten Gefühle nicht. „Authentisch sein heisst zu kommunizieren, dass es einen persönlich getroffen hat, was das Kind gerade gesagt hat. Auch die Mutter kann dem Kind erklären, dass sie es nicht schön findet, wie es den Vater behandelt.“

Trotzphase mit 4 1/2?

Frage:
Liebe Frau Ubbens,
Meine Tochter ist jetzt 4 1/2 Jahre alt. Sie trotzt eigentlich immer noch, tat sie auch immer schon sehr stark, seit etwa 2 Wochen extrem.
Vor einen Monat haben wir den Kindergarten (aus beruflichen Gründen) gewechsel. Anfangs war auch alles eher okay. Sie hat sich auf den neuen kindergarten gefreut (sie hat auch den alten kiga sehr gemocht). Die erste woche war bischen ungewohnt, danach hat es aber so ausgeschaut als ob alles passt, gut eingewöhnt, alles gut.
Der alte kindergarten war eher etwas lockerer, die pädagoginen waren (meiner meinung nach) etwas liebevoller und motivierter (wenn es um die arbeit mit kindern ging). Die kinder dürften viel auch ohne zu fragen machen. Der neue kindergarten ist zwar auch schon, die pädagoginen sind aber eher streng, sehr bestimmend und setzen sicher sehr stark die grenzen.
Diese grenzen sind in allen bereichen vorhanden, wenn es ums essen geht, wenns ums spielen geht, klo gehen usw. Für mich als mama ist das ganz toll, das mein kind gutes benehmen lernt, aber ich bin mir nicht so sicher ob das meine Tochter auch so gut findet. So viel zum kiga und zu der situation, weil das das einzige ist, was sich in letzter zeit verändert hat und meiner meinung nach, das verhalten meiner tochter beinflusst.
Jeden Tag, wenn ich sie abhole, gibt es erstens ein trödeln (aber nicht wie gewöhnlich, ich merke, das selbst sie es nicht will, aber es tut – ich schätze um ihre grenzen auszutesten). Vor ein paar tagen sind wir (nur weil sie es so wollte) etwa 15 Minuten vor einem fremden tor gestanden und haben dort mal so gewartet, sie hat währendessen ihre hände an der glastür abgewischt.
Während sie das tat, musste ich ihr zuschauen und bei ihr sein, weil sie sonst wirklich sehr sehr laut schrie bzw. einen heulkrampf bekam, bzw. dann lief sie zu mir, schlug mich, biß mich und spuckte mich an (das hat sie bis jetzt noch nie gemacht!).
Dann zu hause, geht es weiter mit trotzen, egal um was es geht, sie ist nicht mehr ein bischen geduldig, sondern schreit gleich wenn sie es nicht gleich oder nicht mehr bekommt. Schlägt zu, beisst und spuckt bei jedem nein, wenn ich versuche konsequent zu bleiben. auszeit nehmen (so wie sie es im kiga tun) auf einen sessel setzen, funktioniert nicht, sie schlägt noch mehr, dann ist sie erst recht nicht mehr zu beruhigen.
Gestern hat sie vor dem schlafen gehen einen schrei, trotz, unbedingt anders machen wollen-obwohl sie eigentlich müde war – „anfall“ gehabt. Mit schreien meine ich wirklich sehr verzweifeltes sehr sehr lautes Schreien, das hat ihr die ganze kraft geraubt, dass sie noch müder war. Sie wollte nicht ins bett gehen, sie wollte nicht die zähne putzen, sie wollte einfach im wohnzimmer bleiben (ich habe ihr angeboten, paar minuten noch zu bleiben, bis ihr noch schnell zusamenräume (2 min), und dann weiter zu machen, das wollte sie nicht).
Wir haben einen eingeübten, immer gleich verlaufenden Rhytmus; essen, zähne putzen, umziehen, geschichte vorlesen und dann bringe ich sie ins bett, sie darf sich das nachtlicht einschalten, ich lasse die tür einen spalt offen, nach ein paar minuten schläft sie auch schon.)
Sie trotzt sehr stark, sehr ungewohnt viel, sie tut mir so leid und ich weiss nicht was mit ihr los ist, ich erkenne sie nicht wieder. Sie vom kiga nach hause zu bringen ist sehr schwer, ist eine herausforderung, sie läuft weg, läuft herum ohne ziel und wenn wir irgendwo nach dem kiga hingehen, hört sie mir dann auch garnicht mehr zu, tut was sie will und läuft auch weg.
Was mache ich falsch? Wie kann ich ihr helfen? Ich versuche schon beim abholen vom kiga sehr auf sie einzugehen, viel mit ihr zu reden, aber schon beim abholen ist sie wie ausgewechselt, hört überhaupt nicht was ich sage und antwortet nicht.
Kann es sein, dass ihr jemand im Kiga wehtut oder ihr etwas angst macht? dass sie mit etwas oder jemand nicht zurecht kommt? dass sie eventuell gemobbt wird? Wieso trotzt sie jetzt so stark? ist es üblich, dass sie mit 4 1/2 solche trotzanfälle hat? wie kann ich (oder kann ich überhaupt) diese trotzanfälle mildern?
p.s. Heute habe ich einige Minuten bevor ich sie abgeholt habe, eine ihrer KigaFreundinen gesehen, die genau so wie sie geschrien hat und wirklich wirklich verzweifelt aussah, ihre mama war ganz fertig und wusste ihr nicht zu helfen.ihre stimme hat die ganze straße (obwohl sehr befahrene straße) übertönt.
Vielen Dank für Ihre Hilfe.
lg,
Sani

von Sani30 am 01.10.2014, 16:35 Uhr

Armer kleiner Trotzkopf

Eben war der kleine Schatz noch in friedliches Spiel vertieft – von einer Minute zur anderen verwandelt es sich in ein schreiendes, tobendes Bündel, das sich mit aller Kraft gegen alle Argumente, weshalb jetzt dieses oder jenes gerade nicht geht bzw. unbedingt sein muss, und gegen jegliche Beruhigungsversuche wehrt.

Wann beginnt die Trotzphase?

Schon ein Kleinkind im Alter von etwa einem Jahr kann deutliche Zeichen von Ärger und Wut zeigen, wenn es etwas nicht darf oder nicht bekommt, was es unbedingt möchte. Meist lässt es sich jedoch noch ganz gut ablenken und beruhigen und die Harmonie und Symbiose mit den Eltern wird nur selten gestört.

„Nein, ich will nicht“ oder „ich will aber!“, mit grossem Nachdruck und manchmal nicht zu überhörender Wut geäussert, markiert eine wichtige Entwicklungsphase im Leben eines Kleinkindes: die sogenannte Trotzphase, die ungefähr im Alter zwischen 2 1/2 und 3 Jahren beginnt und ca. bis zum 4. Lebensjahr dauert. In dieser Zeit werden die Nerven vieler Eltern ganz schön strapaziert. Angesichts von Wutausbrüchen, Toben und Brüllen, gepaart mit heftigem körperlichen Einsatz, der Treten über Faustattacken bis zum Wälzen auf dem Boden geht, stehen Mütter und Väter manchmal ziemlich hilflos da.

Warum ist die Trotzphase so wichtig?

Auch wenn Sie sich als Ziel dieser heftigen Ärgerreaktionen erleben, eines ist sicher: Die Kinder proben nicht den Widerstand, um ihre Eltern zu ärgern. Es geht nicht um das Dagegensein an sich, vielmehr ist die Trotzphase einer der wichtigsten Entwicklungsschritte im Leben eines Kindes – die erste Ablösung von den Eltern, der Weg zum selbst bestimmten Handeln, zum Selbständigwerden Ihres Kindes. Der Pädagoge und Erziehungsberater Dr. Manfred Hofferer nennt deshalb diese Phase auch lieber eine „Autonomiephase“, wie sie später in der Pubertät noch einmal erlebt wird.

Ein Kleinkind in der Trotzphase ist eigentlich zu bedauern. Zu gerne möchte es alles ausprobieren, die Welt erobern, und zwar nach seinem eigenen Willen. Es möchte die Dinge nach seinen eigenen Wünschen gestalten, „selber machen“ ist das Ziel, doch stösst es ständig an Grenzen, erlebt Verbote und Einschränkungen. Und das vor allem von den Eltern, auf die es sich doch bisher so gut verlassen konnte! Es erlebt sich und seine Bedürfnisse als gegensätzlich zu den Wünschen der Eltern und die Trotzreaktion ist Ausdruck dieser nicht zu verstehenden Diskrepanz. Doch diese erste Konflikterfahrung und die aggressiven Gefühle, die das Kind dabei erlebt, sind unerlässlich für eine gesunde Entwicklung hin zu einem eigenen Willen.

So reagieren Sie richtig auf Wutanfälle und Trotzreaktionen

Die Reaktionen der Eltern spielen aber die wichtigste Rolle, damit diese Phase einen grundsätzlich positiven Lerneffekt hat. Auch wenn Ihnen angesichts Ihres schreienden und nicht zu bändigen Sprösslings manchmal der Geduldsfaden reisst und Sie nicht weit entfernt sind, ebenfalls mit Wut zu reagieren oder am liebsten einfach davon laufen würden, wären doch gerade jetzt Gelassenheit und Geduld die hilfreichsten Reaktionen in diesen schwierigen Alltagssituationen. Wenn Sie verstehen, in welch innerem Chaos sich Ihr Kind befindet, werden Sie es leichter haben, die wütenden Reaktionen mit innerer Distanz zu sehen und einigermassen ruhig darauf zu reagieren. Bestrafungen und zusätzliche Verbote, die als weitere Einschränkungen empfunden werden, machen jetzt keinen Sinn und verstärken nur Trotz und Ärger.

Auch wenn es häufig Ihre ganze Kraft braucht, hilft es Ihnen vielleicht, sich klar zu machen, dass Ihr Kind lernt, sich selbst zu erfahren, seine Gefühle zu äussern und erhebliche Spannungen erlebt, die es aushalten muss. Es muss aber auch lernen, Grenzen einzuhalten und notwendige Einschränkungen zu akzeptieren. In diesem Lernprozess braucht es Ihre Hilfe, es muss erleben, dass es auch in Konfliktsituationen von seinen Eltern geliebt wird. Eltern dürfen ruhig auch wütend oder böse werden und Grenzen durchsetzen, doch nach einem Ausbruch von Trotz und Wut muss das kleine Kind spüren, dass die Eltern sich nicht in Ärger und Enttäuschung von ihm abwenden, es strafen oder ihm drohen. Sehr oft löst der heftige Streit nämlich auch Verlustängste aus und das Kind braucht danach Trost und Zuwendung.

Nur so kann es erfahren, dass Konflikte schmerzhaft sind, aber gemeinsam durchgestanden und gelöst werden können.

Fachleute empfehlen, im akuten Trotzanfall nach dieser Checkliste vorzugehen:

  • Kein Abwarten: Reagieren Sie unverzüglich und für das Kind nachvollziehbar. Wenn Sie sich provozieren lassen, bis der Geduldsfaden reisst, ist es schon zu spät.
  • Keine Erklärung: Fragen Sie Ihr Kind jetzt noch nicht, warum es so reagiert. Im erregten Zustand kann es nicht vernünftig antworten.
  • Abkühlung: Unterbrechen Sie die Situation. Gehen Sie (angekündigt) aus dem Zimmer und lassen Sie den kleinen Wüterich zum Abreagieren allein.
  • Aufarbeitung: Nachdem Ihr Kind seine Wut ausgelassen hat und wieder ruhig geworden ist, versuchen Sie die Hintergründe zu klären. Auf die Frage „Was hat Dich so wütend gemacht?“ können auch schon Kleinkinder eine Antwort geben. Versuchen Sie dann gemeinsam eine Lösung für solche Situationen zu finden.

Im swissmom-Forum

Terrible two’s / Tipps und Erfahrungsaustausch

Letzte Aktualisierung : 03-02-20, AG / VZ / BH / JL

Wenn Kinder trotzen. Hilfe, das ICH meines Kindes erwacht!

Ich hoffe, dass dieser Artikel dazu beiträgt, dass Eltern besser verstehen, was in ihren Kindern im Trotzalter an Veränderungen geschieht, und dass dieses Verständnis dabei hilft, in den schwierigen Alltagssituationen mit mehr Geduld, Gelassenheit und innerer Distanz zurecht zu kommen. Vielleicht gelingt es sogar, dass in Ihnen der Humor wächst, wenn Sie mit ein paar Minuten des Abstands Ihr Kind, ein Bündel von Wut und Eigenwillen, betrachten und mit ihm mitempfinden. Es wäre viel gewonnen, wenn Sie nicht mehr denken: “Hoffentlich ist diese Zeit bald vorbei” , sondern eine Begeisterung in Ihnen für diese Entwicklungsstufe wächst. Im Trotzalter macht das Kind grundlegende Erfahrungen, die ihm im gesamten weiteren Leben helfen werden.

Die meisten Eltern genießen die ersten eineinhalb Jahre mit ihrem Kind, da es ganz mit ihnen verbunden ist, es sie anstrahlt und ihm das Gehorchen noch leicht fällt. Aber schon mit 10 bis 12 Monaten beginnt das Kind sehr deutlich Wut und Ärger zu äußern, wenn es etwas nicht bekommt, das es haben will. In diesem Alter lässt es sich noch relativ leicht wieder beruhigen und ablenken, da es ihm von seiner Entwicklung her ein Bedürfnis ist, im Einklang mit den Wünschen und dem Willen der Eltern zu leben. Und genau das verändert sich im so genannten “Trotzalter” . Ungefähr ab dem zweiten Lebensjahr beginnt das Kind zu erkennen, das es ein selbstständiges Wesen ist und dass es einen Unterschied zwischen sich und dem anderen gibt.

“… Es ist nicht auszuhalten, meine Tochter (zwei Jahre und 6 Monate) wirft sich ohne ersichtlichen Grund auf den Boden, schreit, tobt und schlägt wie wild um sich. Jeder Versuch sie zu beruhigen bringt sie noch weiter in Wut. Manchmal würde ich am liebsten weglaufen und sie einfach liegen lassen!”

Solche Schilderungen hören wir in unserer Praxis als Erziehungsberater immer wieder. Nicht selten wird das Trotzverhalten des Kindes zu einem Problem in der Elternbeziehung und immer wieder wird gegenseitig die Schuldfrage gestellt: Wer hat was (Was habe/n ich/wir) getan oder nicht getan, damit das Kind sich so verhält. Verschärft wird die ohnedies schon angespannte Lage durch Schuldzuweisungen und Vorwürfe von “lieben Verwandten und Freunden” . Der Gipfel ist dann erreicht, wenn gut gemeinte Ratschläge in Form von: “Du musst nur ….” , “Ich habe dir immer schon gesagt…” “Es ist ganz einfach, probier mal …” kommen.

Die Erfahrung zeigt, dass das einzig wirklich hilfreiche Mittel, um mit dieser Entwicklungsphase umgehen zu können, Wissen ist, was in der Trotzphase vor sich geht. Stellen wir einmal fest: Die so genannten “Trotzphasen” gehören zur Entwicklung eines gesunden Menschen dazu (In der Pubertät wird eine zweite und sehr viel schwierigere Trotzphase durchlebt). Tatsächlich muss man diese Phasen eigentlich als “Autonomiephasen” bezeichnen, da nicht der Widerstand und Trotz das Wesentliche dieser Entwicklungsphase ist, sondern die Ablösung und das Selbstständigwerden des Kindes. Für das Kind sind dies ganz wichtige Meilensteine in seiner Entwicklung.

Die Trotzphase beginnt ca. am Ende des 2. Lebensjahres – dauert bis zum ca. 4. Lebensjahr – und ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kind immer stärker nach Autonomie strebt und versucht, sich aus der Verschmelzung mit den Eltern (vor allem der Mutter) zu lösen. (Trotzreaktionen tauchen auch schon bei sehr viel jüngeren Kindern auf und der Zeitraum des Auftretens unterliegt relativ großen Schwankungen. Bei Kindern, die um das 3. Lebensjahr scheinbar keine Trotzphase zeigen, stellt sich diese zum Schuleintritt ein.) Das, was vorher das “Wir machen es miteinander” war, wird jetzt zu einem “Ich will das selber Tun!” . Der eigene Wille des Kindes erwacht und zeigt sich immer häufiger in Form von Trotzreaktionen und Gehorsamsverweigerungen. Das bedeutet aber nicht, dass sich das Kind primär gegen seine Eltern wendet, sondern vielmehr, dass das Kind an seiner eigenen Unzulänglichkeit, seine Wünsche auf die ihm eigene Weise erfüllen zu können, leidet. Am einfachsten ist das Verhalten des Kindes in Trotzsituationen als “Panikreaktion” zu verstehen. D.h., es ist in dieser Phase nicht mehr in der Lage die Situation zu überblicken oder zu kontrollieren und gerät darum völlig aus den Fugen.

Ein Kind in diesem Lebensabschnitt möchte die Welt erobern und in Besitz nehmen und “seine eigenen Wege” gehen – ganz und grenzenlos. Dabei stößt es unweigerlich und permanent an “natürliche” Grenzen. Gleichzeitig erfährt es auch, dass sogar die geliebten und bislang so einfühlsamen Eltern nicht so “funktionieren” , wie es sich das vorstellen und wünschen würde. Sie verbieten, sagen nein und unterbinden ständig den Drang alles auszuprobieren; kurz, sie setzen Grenzen, wenden sich ab und entfernen sich dabei weit davon “gute Eltern” zu sein.

Diese Begrenzungen und Einschränkungen des eigenen Weges führen das Kind in eine tiefe Verzweiflung, da sein Wille nicht mit dem der Eltern oder mit den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten übereinstimmt. Die Welt scheint für das Kind auseinander zu triften und alle bislang gewohnten Ordnungen lösen sich auf. Ein inneres Chaos von Gefühlen stellt sich ein, dem das Kind nicht Herr werden oder sich entziehen kann. Dementsprechend “chaotisch” sind in solchen Ausnahmesituationen die Reaktionen bzw. das Verhalten des (Aber Vorsicht, die “Symptome” können ganz unterschiedlich sein. Bei manchen Kindern verläuft die Trotzphase völlig unspektakulär. Es gibt aber auch eine Art stummen Trotz – wenn ein Kind sich z.B. zurückzieht und kaum noch sprechen oder essen mag. Am häufigsten äußert sich Trotz jedoch in den für diese Phase typischen Wutausbrüchen.). Die Probleme in der Trotzphase verschärften sich noch, wenn zusätzliche “Stressoren” (Geburt eines Geschwisterchens, Beziehungsprobleme der Eltern, Wohnortwechsel etc.) gegeben sind.

Diese ersten Erfahrungen mit dem eigenen Willen und den damit verbundenen aggressiven Gefühlen und Konfliktsituationen bzw. der Umgang damit, werden zu Grunderfahrungen, die das weitere Leben des Kindes er- oder entmutigend prägen werden. Die Kinder erlernen im Idealfall, dass:

  • … es ist gut, einen eigenen Willen zu entwickeln. Dadurch wird es fähig, eigene Entscheidungen zu treffen und zu erproben, und zu erkennen welche Konsequenzen diese Entscheidungen nach sich ziehen.
  • … Konfliktsituationen nichts wirklich Bedrohliches sind und zum Leben dazugehören und Lösungen gefunden werden können.
  • … Konfliktsituationen innere und äußere Spannungen erzeugen. Diese Spannungen sind aber auszuhalten und müssen nicht durch andere Tätigkeiten (z.B. Essen) abreagiert oder sogar verdrängt werden.
  • … es seine Gefühle äußern und zum Ausdruck bringen kann und seine Eltern halten das aus, bewerten sie nicht, sondern helfen ihm dabei, sie zunehmend in Worte zu fassen und auszudrücken. “Auch wenn ich um mich schlage, schreie und tobe, werde ich von meinen Eltern gemocht.”
  • … bewältigte Konflikte Ereignisse sind, auf die man gemeinsam zurückblicken kann und welche die Beziehung vertiefen.
  • … es macht Spaß, eigene Erfahrungen zu sammeln, auch wenn manchmal Schmerz und Enttäuschung mit dabei sind. Das Kind verzweifelt nicht, da es von seinen Eltern unterstützt wird, es immer wieder neu zu versuchen.

Nun wird es vielleicht auch leichter verständlich, dass es in einer solchen Entwicklungsphase keinen Sinn hat, zusätzlich irgendwelche “Begrenzungen” zu setzen, oder das Kind durch weitere Einschränkungen zu bestrafen. Der Schmerz und die damit verbundene Reaktion würde damit nur noch verstärkt werden. Sehr viel wichtiger ist es zu verstehen, dass das Kind in dieser für es so unsicheren Situation unbedingt sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht; gerade, da es Probleme mit der Anpassung an die Welt hat. Vielmehr lohnt es sich, diesen schwierigen Zeitabschnitt aktiv durchzustehen.

Noch ein wichtiger Punkt muss hier angemerkt werden. Um das dritte Lebensjahr kommt es zu Veränderungen im innersekretorischen Bereich (Drüsenausscheidungen). Diese entwicklungsbedingten Umgestaltungen haben zur Folge, dass die Kinder leichter müde werden, ihre Konzentration abnimmt und sich das Durchhaltevermögen u.U. radikal verändert. Sie fangen Spiele an, beenden sie nicht, räumen alles aus und nicht wieder ein, streifen durch die Wohnung und nehmen mal dies und dann wieder das… etc. und sind dabei äußerst unausgeglichen und unruhig. Ein wichtiger Teil dieser Veränderung sind rasche Stimmungsschwankungen. Unterschiedlichste Gefühle brechen plötzlich über das Kind herein, nehmen es in Besitz und es fühlt sich hilflos und verwirrt. Das im vorangegangenen Augenblick noch freche und eigenwillige Kind wird schlagartig anlehnungsbedürftig und will in den Arm genommen werden, fordert Zärtlichkeit und Nähe.

Das ist ein ganz schwieriger Bereich! Da die Eltern häufig selbst sehr aufgebracht und verärgert über das Verhalten ihres Kindes sind, fällt es besonders schwer, dieses plötzliche Bedürfnis des Kindes nach Nähe an- und aufzunehmen. Aus Erfahrung wissen wir, dass in diesen Momenten die Vorstellung hilft, was ihr Kind ihnen in solchen Augenblicken sagen würde, wenn es seine Situation in Worte fassen könnte. Es würde u.U. sagen: “Alles ist durcheinander und nichts passt mehr. Ich kann MICH, DICH und die WELT nicht fassen und darum verliere ich mich in Wutausbrüchen, die mir helfen mit meiner Verzweiflung fertig zu werden” . Denken Sie an sich selbst, was Sie brauchen, wenn es Ihnen so oder ähnlich geht!

Welche Hilfestellungen gibt es für den oft mühevollen Alltag mit dem trotzenden Kind?

Am wichtigsten erachte ich, dass Sie selbst (vielleicht gemeinsam mit Ihrem Partner) sich einmal Gedanken darüber machen, welche Erfahrungen Sie als Kind mit Autorität gemacht haben und wie es Ihnen heute gelingt damit umzugehen. Denn, wenn wir selbst Autorität ablehnen, werden wir bei aller Einsicht, dass Wachstum ohne Grenzen und Regeln nicht möglich ist, unseren Kindern keine Grenzen setzen können.

Denken Sie auch einmal darüber nach, wie es Ihnen gelingt, mit ihren eigenen Wünschen umzugehen. Wissen Sie was sie wollen? Können Sie auf die Durchsetzung Ihres Willens aus Einsicht oder aus Liebe zu einem anderen Menschen verzichten? Wenn wir selbst kaum einen Zugang zu unserem eigenen Wünschen und Wollen haben, wird es uns auch schwer fallen, die Entwicklung des Willens unserer Kinder zu fördern bzw. ihre Willensäußerungen positiv anzunehmen.

Wenn Sie nun noch ihr Regelsystem in der Familie auf ein Minimum reduzieren und die Grenzen klar und deutlich formulieren und durchsetzen können, haben sie alles in der Hand, um mit der Trotzphase Ihres Kindes umgehen zu können bzw. eine gesunde Autonomieentwicklung ihres Kindes zu fördern.

Hilfen

  • Helfen Sie Ihrem Kind dadurch, dass sie es in der “Phase der Verwirrungen” nicht zusätzlich in Verwirrung und in Konfliktsituationen bringen. D.h., überprüfen Sie Ihre “Regel- und Verbotsliste” : “Weniger ist mehr!” Teilen Sie Ihrem Kind klar mit, was sie von ihm wollen und verlieren Sie sich nicht in endlos langen Erklärungen und Vorträgen.
  • Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit sich auf Veränderungen einzustellen. D.h., planen sie einfach mehr Zeit für Ihre Tätigkeiten ein. Alles, worauf man sich einstellen kann, kann auch leichter angenommen werden.
  • Helfen Sie Ihrem Kind, indem sie in Ihrem Verhalten berechenbar bleiben. Nichts führt leichter in eine noch tiefere Verwirrung, als unterschiedlichstes Verhalten zu den selben Auslösern; … Manchmal Ja, dann wieder Nein, dann mit viel Diskussion etc. Nehmen Sie Ihr Kind einfach öfter in den Arm und teilen Sie ihm in “ruhigen Phasen” mit, das sie es mögen.
  • Handeln Sie in dieser Phase der Entwicklung nach dem Grundsatz: “Jetzt ist wichtig für Übermorgen!” Das was Ihr Kind in dieser Phase erlernt, trägt sein gesamtes weitere Leben.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind so oft es irgend geht in seinen Bestrebungen nach Selbstständigkeit. Bieten Sie Situationen an, in denen Ihr Kind selbstständig sein kann. Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Unternehmungen, in denen Ihr Kind das Tempo angibt.
  • Wenn Sie sich selbst der Situation nicht mehr gewachsen fühlen, ziehen Sie rechtzeitig eine Beratung und Hilfe bei.

Immer wieder fragen mich Eltern in Beratungsgesprächen, woher sie die Kraft nehmen sollen, in den schwierigen Phasen nicht nur zu reagieren, sondern aktiv zu handeln und dabei noch freundlich zu bleiben? Wichtig ist, zu wissen, dass es für die Ablösung des Kindes auch förderlich ist, wenn es die Eltern auch mal wütend oder “böse” erlebt, wenn es z.B. um die Durchsetzung von Grenzen geht. Das ist für das Kind wesentlich leichter zu ertragen und auszuhalten, als Abwendung, Drohung oder versteckte Abwertungen. Ärger und Enttäuschungsreaktionen sind erlaubt. D.h., indem Sie selbst, so wie Ihr Kind, Ihre Gefühle ausdrücken, lernt es sie nicht nur kennen, sondern es lernt mit Ihrer Hilfe und Unterstützung zunehmend einen konstruktiven Umgang damit. In der Regel können Sie darauf vertrauen, dass die Beziehung zu Ihrem Kind diese Konflikte aushalten wird.

Eine Mutter erzählt: “… ich bin total wütend und kann es nicht fassen, was Melanie heute wieder angestellt hat! (Kurze Nachdenkpause) … aber wenn ich mir vorstelle, dass sich mein Kind später einmal so klar abgrenzen kann, dann geht es mir eigentlich ganz gut! (Die Mutter dreht den Kopf zur Seite und schmunzelt.)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Kraft und Ausdauer für die schwierige Zeit mit Ihren Kindern!

Weitere Beiträge des Autors hier in unserem Familienhandbuch

  • Hilfe, Papa und Mama streiten! Was dürfen/sollen Kinder davon mitbekommen
  • Wenn Essen zum Problem wird! Esstörungen bei Kindern

Autor

Dr. Manfred Hofferer – Vater von 3 Kindern – ist der pädagogische Leiter im Institut für Kommunikationspädagogik-Wien und dort als Berater und Therapeut für den Bereich “Kleinkind” zuständig.

Kontakt

Mag. Dr. Manfred Hofferer
Bildungspartner Österreich – Wien
A-1230 Wien, Schwarzwaldgasse 10-12/4/2

Tel./Fax: +43 1 8898 637
E-Mail
Website

Erstellt am 13. Februar 2002, zuletzt geändert am 22. Juni 2015

Früher oder später machen alle Eltern damit Erfahrung: Die kindliche Wut. Das eben noch zufriedene Kind liegt plötzlich schrill brüllend auf dem Boden und wirft sich kopflos hin und her. Und wir Eltern stehen manches Mal hilflos daneben. Wir durften mit unserem bald 3-jährigen schon so manchen Wutanfall mitmachen. Wie Du auf einen Wutanfall beim Kleinkind “richtig” reagieren kannst und woher diese ungemeine Wut eigentlich kommt, ist im Grunde gar nicht so schwer zu verstehen.

Was Du tun kannst, wenn Dein Kind einen Wutanfall hast, erkläre ich Dir hier.

Inhalt

Warum haben Kinder Wutanfälle?

Streben nach Autonomie

Viele Kinder lernen ihre Wut zum ersten Mal kurz nach dem ersten Geburtstag kennen, also in den ersten Tagen als Kleinkind — manche sogar schon im Babyalter. Doch warum werden die Kleinen eigentlich so wütend? Sie bekommen doch so viel Zuwendung, Spielzeug und liebevolle Betreuung?

Tatsächlich hängen Wutanfälle mit der kindlichen Wahrnehmung der Welt und der eigenen Fähigkeiten zusammen. Kinder bewerten alles, was um sie herum geschieht, als ganz anders als wir Erwachsenen das tun. Am Anfang ihres Lebens sind Babys noch vollständig auf ihre Bezugspersonen angewiesen und haben auch wenig Bestreben, daran etwas zu ändern. Im Laufe der Monate aber entwickeln sie zunehmend kognitive Fähigkeiten und wollen immer selbständiger werden. Der Weg zur Selbstständigkeit oft schwierig und führt häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen oder den Erwartungen der Eltern.

Dein Kind versteht (noch) nicht, dass nicht alles nach Plan laufen kann

Außerdem sind die gedanklichen Muster bei Kleinkindern noch nicht so flexibel und können mit Rückschlägen schwer umgehen. Dein Kind hat vorab einen Ablauf im Kopf, den es genau so umsetzen möchte. Auf verschiedene Szenarien und mögliches Scheitern kann es sich vorab nicht einstellen.

Ein Beispiel für einen Wutanfall beim Kleinkind

Wenn sich Dein Kleinkind zum Beispiel vorgenommen hat, den Saft selbst ins Glas zu schenken, das Glas dabei aber umfällt, dann ist das für Dein Kind eine ernsthafte Katastrophe. Du kannst noch so liebevoll reagieren oder vorher gesagt haben, dass das Glas umfallen könnte. Dein Kind wird wütend und frustriert sein, denn es hat wirklich geglaubt, dass sein Plan so funktionieren würde. Von seinen negativen Gefühlen wird Dein Kind dann dermaßen überrollt, dass es nichts anderes mehr wahrnehmen kann. Es brüllt, wirft sich zu Boden, lässt seiner Wut freien Lauf. Es ist gut möglich, dass Du in diesem Moment keine Möglichkeit siehst, zu ihm durchzudringen und dass es keinen Körperkontakt erlaubt.

Das Gehirn muss Kontrollmechanismen erst noch entwickeln

Die Ratgeberautorinnen und Bloggerinnen Katja Seide und Danielle Graf begründen das in ihrem Buch “Der entspannte Weg durch die Trotzphase” damit, dass Menschen mit zwei “Gehirnen” leben. Das emotionale Gehirn ist zuständig für alle Instinkte und angeborenen Verhaltensweisen. Ein Baby hat nur dieses Gehirn. Im Laufe der ersten Lebenjahre beginnt sich dann das sogenannte “kognitive Gehirn” zu entwickeln. Das heißt, der Mensch lernt, mit seinen Gefühlen und Instinkten angemessen umzugehen, Wut zu unterdrücken oder zu verlagern. Auch Kleinkinder lernen allmählich, zuzuhören und zu verstehen, warum etwas jetzt nicht sofort klappt.

Hat ein Kleinkind ein Stresserlebnis, wenn zum Beispiel ein Erwachsener etwas verbietet, übernimmt das emotionale Gehirn weitestgehend in seiner Funktion. Das Kind wird von seinen Emotionen überwältigt – es wütet. Graf, Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Der entspannte Weg durch die Trotzphase. S. 25

Wut ist nichts Schlimmes!

Wut ist an sich nichts Schlimmes, das solltest Du Dir bewusst machen. Auch Erwachsene werden wütend — nur sind wir anders als Kinder meistens in der Lage, diese Emotionen zu kontrollieren. Wut ist eine Emotion, die uns alarmiert, wenn etwas falsch läuft. Sie sorgt dafür, dass wir uns für unsere Bedürfnisse einsetzen und wir von anderen nicht einfach übergangen werden. Wut setzt eine enorme Energie frei, die uns durchsetzungsstark und selbstbewusst auftreten lässt.

Dein Kind soll seine Wut bei einem Wutanfall ausleben dürfen. Wir sollten unseren Kindern nicht beibringen, dass das Gefühl der Wut falsch ist, dass sie es einfach ignorieren sollen. Das kann später dazu führen, dass dieses wertvolle emotionale Alarmsystem namens Wut nicht richtig anspringt, wenn sie falsch behandelt werden. Solche Kinder lernen möglicherweise, ihre negativen Gefühle nicht richtig wahrzunehmen und sind umso anfälliger für jegliche Art von Missbrauch.

Wie reagiere ich richtig auf einen Wutanfall beim Kleinkind?

Ein Wutanfall ist also nichts anderes als ein Lernprozess. Jedesmal, wenn Dein Kleinkind einen Wutanfall hat, hat es die Chance, damit umgehen zu lernen. Jedes Kind ist anders und hat ein ganz eigenes Temperament. Wenn Dein Kind leicht wütend wird, wird es umso mehr Gelegenheiten haben, den richtigen Umgang zu lernen. Denn am Ende dieser Entwicklung lernen fast alle Kinder, ihr “emotionales Gehirn” in den meisten Situationen durch ihr “kognitive Gehirn” zu steuern.

So unterstützt Du Dein Kind bei einem Wutanfall

Wenn Deinen Kind einen Wutanfall hat, braucht es Deine Unterstützung. So kannst Du es begleiten:

  • Bleib bei Deinem Kind und ihm gib nicht das Gefühl, dass es etwas Falsches tut, indem es wütend ist.
  • Sorge dafür, dass es sich bei einem sehr starken Wutanfall nicht selbst verletzt.
  • Zeige Deinem Kind, dass es Gefühle auch in Worten ausdrücken kann.
  • Mach’ ihm klar, dass man die Wut nicht an anderen Lebewesen auslassen darf. Zur Not aber an Dingen, die nicht kaputt gehen (wie etwa einem Kissen).
  • Nimm Dein Kind in den Arm, sobald es das zulässt und gib ihm Zeit, sich nach dem Wutanfall auszuruhen, bevor ihr darüber sprecht.

Was Deinem Kind bei einem Wutanfall nicht hilft

Was Du nicht tun solltest, auch wenn diese Verhaltensweisen immer noch manchmal empfohlen werden:

  • Nimm Deinem Kind nicht die Chance, den richtigen Umgang mit der Wut zu lernen, indem Du durch Androhung von Strafe die Wut unterbindest.
  • Ignoriere Dein Kind nicht komplett, es braucht Dich in dieser Situation und muss wissen, dass es nicht allein ist. Wahrscheinlich ist es selbst mit seinen Gefühlen überfordert und kann sie einfach nicht steuern.
  • Lenke Dein Kind nicht jedes Mal mit irgendetwas ab, es muss auch eigene Strategien entwickeln können, sich nach einem Wutanfall wieder beruhigen zu können.
  • Gib nicht jedes Mal nach, nur damit Dein Kind nicht wütend ist. Was es wirklich braucht, ist Verständnis und Übung in Sachen Wut.

Ein Wutanfall in der Öffentlichkeit

Trotzdem ist ein Wutanfall beim Kleinkind für uns als Eltern vor allem in der Öffentlichkeit unangenehm bis enorm peinlich. Deshalb reagieren wir häufig mit wenig Verständnis oder werden sogar selbst wütend, weil das Kind uns vermeintlich blamiert.

Das tue ich, wenn mein Kind sich im Café auf den Boden wirft und mehr Eis fordert:

  1. Den Wutanfall in der Öffentlichkeit wenn möglich schon vorab verhindern, indem ich ausnahmweise mal etwas mehr durchgehen lasse oder ganz am Anfang einlenke. Und eine Alternative zum Wunsch des Kindes anbiete, die mindestens so verlockend ist. Gemeinsam auf den Spielplatz gehen oder etwas Vorlesen zum Beispiel.
  2. Den unangenehmen Ort so schnell wie möglich verlassen. Das sage ich meinem Kind vorher auch, manchmal hilft das, wenn er nicht gehen möchte.
  3. Ablenken. Im absoluten Notfall wird bei uns in Situationen, aus denen wir nicht herauskommen, dann auch mal ein Video auf dem Smartphone angemacht.

Manche Kinder lassen sich bei einem Wutanfall gut ablenken, indem man etwas ganz Unerwartetes tut. Ich habe vor Kurzem zum Beispiel ganz plötzlich unter das T-shirt meines fast 3-jährigen Sohnes gefasst, während er einen Wutanfall hatte. Als er mich ganz verdutzt und empört ansah, erklärte ich ihm dass ich “den Grant” einfach rausgezogen habe und wir den jetzt nicht wieder reinlassen. Der Wutanfall meines Kleinkindes war beendet. So ein Ablenkungsmanöver würde ich nicht jedes Mal veranstalten, aber in Notfällen ist mir jedes Mittel recht.

Auch hilft es, wenn man andere Personen mit einbezieht. Wenn ein Außenstehender etwas sagt, ist mein Sohn auf der Stelle still. Weil das so selten passiert, beeindruckt ihn das sehr. Manchmal hilft es bei meinem fast 3-jährigen auch tatsächlich, wenn ich ihm sage, dass mir das peinlich ist vor den anderen Menschen, wenn er so laut schreit. Dann hört er entweder ganz auf oder versucht, leiser zu brüllen.

Die Wut der Eltern

Wenn Dein Kleinkind einen Wutanfall hat, behalte im Hinterkopf: Dein Kind wütet in der Regel nicht, um Dich oder andere zu ärgern oder gar zu manipulieren. Es ist komplett überwältigt von seinen Gefühlen, möglicherweise hört es gar nicht mehr, was die Menschen um es herum sagen. Vielleicht macht ihm diese Situation auch selbst Angst. Versuche also, einen Wutanfall Deines Kleinkindes nicht persönlich zu nehmen und Verständnis aufzubringen. Ich weiß, das ist viel verlangt. Aber führt häufig schneller zum Ziel, als selbst wütend zu werden. Auch nachträgliche Strafen bringen gar nichts, denn bei einem Wutanfall kann Dein Kind sich nicht kontrollieren.

Und häufig ist es das genau das, was passiert: Auch wir Eltern haben nach wie vor ein emotionales Gehirn, das bei sehr großem die Kontrolle übernimmt. Wir werden wütend. Oder trotzig. Auch Du bist dann plötzlich wie ferngesteuert und verfällst eventuell in Verhaltensweisen, die Du vielleicht aus der eigenen Kindheit kennst — und die Du niemals an seinem eigenen Kind anwenden wolltest.

Halte Dir auch vor Augen, dass ein Verständnis für die Gefühle anderer Menschen bei Deinem Kind vielleicht nur sehr wenig ausgeprägt ist. Denn die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, die sogenannte Empathie, entwickelt sich meist erst ab dem 3. Geburtstag, manchmal auch viel später. Deinem Kind ist es also nicht egal, wie es Dir geht, es kann einfach noch nicht verstehen, warum Dir das so unangenehm ist oder Dich auch wütend macht.

Warum manche Kinder besonders wütend sind

Wie häufig ein Kind wütend wird und wie heftig ein Wutanfall beim Kleinkind dann ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Charakter des Kindes
  • spezifisch wahrgenommene Problematik
  • erlernte Frustrationstoleranz
  • allgemeines Frustrationslevel

Gegen den Charakter Deines Kindes kannst Du nicht angehen. Manche Menschen sind von Geburt an impulsiv und aufbrausend, andere eher ruhig und ausgeglichen.

An anderen Punkten kannst Du als Elternteil allerdings etwas ändern. Mache aus den Dingen kein Drama, wenn mal ein Glas kaputt geht. Oder Dein Kind einen Fleck auf Deine Lieblingsbluse gemacht hat. Natürlich kannst Du sagen, dass Dich das ärgert, aber davon geht die Welt nicht unter. So sieht Dein Kind, dass Dinge mal schief gehen können, ohne dass das ein großes Problem darstellt. Zur spezifisch wahrgenommenen Problematik gehört allerdings auch, wie wichtig Deinem Kind die Sache war, die seinen Wutanfall verursacht hat. Das ist von außen oft nicht vorhersehbar und die Reaktion fällt für uns gefühlt sehr heftig aus.

Frustrationstoleranz ist eine kognitive Fähigkeit, die schon sehr früh im Leben erlernt wird. Dazu musst Du Deinem Kind aber auch gestatten, mal Misserfolge zu erleben.

Kannst Du einem Wutanfall vorbeugen?

Am meisten kann man meiner Erfahrung nach Wutanfällen beim Kleinkind vorbeugen, indem man das allgemeine Frustrationslevel niedrig hält. Vielleicht kennst Du das selbst auch: Wenn Dir an einem Tag schon viele doofe Dinge passiert sind, braucht es nicht mehr viel, bis Du an die Decke gehst. Wenn Du Dich dagegen insgesamt wohl und verstanden fühlst, können auch ein paar kleinere Misserfolge die Laune nicht trüben. Wenn Du also selbst das Gefühl hast, dass ein Wutanfall den nächsten jagt, sei umso verständnisvoller. Unternimm etwas Tolles mit Deinem Kind, kitzel es mal von oben bis unten ab, geht gemeinsam an der frischen Luft toben, esst zusammen ein Eis. Was auch immer Deinem Kind ein gutes Gefühl gibt. Du wirst sehen, das wirkt Wunder!

Schlafmangel macht wütend Für manche Eltern ist das der ultimative Tipp für Kinder in der Trotzphase: Sorge dafür, dass Dein Kind genug schläft! Denn in unausgeschlafenem Zustand fällt es Kindern noch schwerer, ihr emotionales Gehirn zu steuern.

Ein Kind, das einen Wutanfall bekommt, fühlt sich hilflos und braucht Autonomie und ein Gefühl der Würde. Es muss in der Lage sein, sein Leben selbst nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wenn wir über das Kind bestimmen, können wir dadurch den Wutanfall auslösen. Manchmal ruft uns ein Wutanfall aber auch dazu auf, unsere Aufmerksamkeit einem bestimmten Problem zuzuwenden und manchmal muss das Kind einfach heftige Gefühle herauslassen, die etwas betreffen, was wir nicht ändern können. Dann braucht es nur unsere liebevolle Aufmerksamkeit. Wenn der Wutanfall Teil des Heilungsprozesses ist und wir das Kind beschwichtigen, oder ihm seine Wut auszureden versuchen, durchkreuzen wir die Heilung.

Würden Sie auf irgendwen anders als auf Ihr Herz hören?

Wenn Sie über Ihr Kind bestimmen und dadurch Wut bei ihm hervorrufen, führen Sie ein stummes Selbstgespräch und ergründen Sie in Ihrem Herzen, wer Sie für Ihr Kind sein wollen. Die liebevolle Mutter oder der liebevolle Vater, die oder der Sie sind, will Ihr Kind nicht kontrollieren und verärgern. Eine Stimme in Ihrem Inneren flüstert Ihnen unproduktive Worte oder Handlungen ins Ohr.

Was sind Ihre Gedanken? „Sie sollte vom Spielplatz weggehen, wenn ich ihr das sage…“ Wirklich? Würden Sie auf irgendwen anders als auf Ihr Herz hören, wenn Sie sich bestens amüsieren? Verlassen Sie sofort die Party, wenn Ihr Kind sich langweilt oder Ihr Partner Sie darum bittet? Sind diese Gedanken liebevoll und ehrlich? Im Grunde ist es Ihr eigener innerer Wutanfall, der durch Ihr Kind ausgedrückt wird.

Ihr Bedürfnis nach Kontrolle ist außer Kontrolle geraten, und vielleicht sind Sie hin- und hergerissen dazwischen, jemanden zu beeindrucken und auf Ihr Kind einzugehen. Fragen Sie sich: Wie würden Sie in denselben Situationen mit Ihrem Kind sein, wenn Sie diese Gedanken gar nicht hätten? Stellen Sie sich einfach vor, Sie wären frei von dem Geschwätz in Ihrem Inneren, und sehen Sie im Geiste vor sich, wie Sie Ihr Kind behandeln würden.

Kein Grund zu schreien

Wutanfälle müssen nicht zwangsläufig auftreten. Aber auch wenn Sie Ihr Baby liebevoll behandeln und eine bejahende Haltung zu ihm und später zu dem Weg, den das Kind geht, entwickeln, sind sie nicht immer unumgänglich. Halten Sie Ihr Baby ständig im Arm, so eignet es sich sanfte Kommunikationsfähigkeiten an. Tragetuch und Familienbett ermöglichen dem Baby oder Kleinkind, Signale zu senden, ohne zu weinen und ohne sich frustriert zu fühlen. Es wird dann dazwischen unterscheiden, friedlich um etwas zu bitten und zu weinen, um Gefühle auszudrücken. Später, wenn es sprechen lernt, wird es wahrscheinlich damit fortfahren und Worte und nicht Wutanfälle benutzen, um seine Bedürfnisse mitzuteilen.

Wenn ein Kind weiß, dass seine Eltern auf seine Worte reagieren, wie sie in seiner Babyzeit auf seine sanften Signale reagiert haben, hat es keinen Grund zu schreien, um auf sich aufmerksam zu machen; wenn ein solches Kind einen Wutanfall bekommt, hat es wahrscheinlich eher das Bedürfnis, dass Sie ihm einfach zuhören oder sich um etwas kümmern, was schief gelaufen ist.

Verwirrend kann es werden, wenn das Kind einen Wutanfall bekommt, weil seine sanfteren Kommunikationsversuche nicht den nötigen Kontakt zu Ihnen herbeigeführt haben. Deswegen brauchen Sie sich nicht schuldig oder als unzulängliche Eltern zu fühlen. Das passiert bei fast allen Kindern, trotz der besten Absichten ihrer Eltern, aufmerksam und liebevoll zu sein.

Gedanken erforschen, anstatt danach zu handeln

Falls Sie nervös werden, weil Ihr Kind wütend über etwas ist, was sich nicht ändern lässt, wollen Sie dem schreienden Kind vielleicht schnell irgendetwas geben, die Realität ändern, es irgendwie entschädigen oder sogar wider alle Logik handeln, nur damit der Wutanfall aufhört. Doch auf diese Weise hören Sie seine Botschaft nicht und durchkreuzen seinen Heilungsprozess. Durch eine solche Reaktion lernt das Kind mit der Zeit, Wutanfälle und Tränen nicht zur Selbstheilung einzusetzen, sondern um etwas zu bekommen. Doch man sollte niemandem die Schuld an diesem Missverständnis geben. Es ist Teil des Menschseins; Eltern und Kind sind beide in den Strategien ihres Inneren gefangen und tun ihr Bestes. Vielleicht haben die Eltern den Eindruck, ihr Kind würde sie „manipulieren“. Aber es reagiert lediglich auf die Signale, die ihm mit den besten Absichten gegeben wurden.

Um Panik zu vermeiden, wenn Ihr Kind einen Wutanfall wegen einer Situation bekommt, die sich nicht ändern lässt, führen Sie ein stummes Selbstgespräch; erforschen Sie Ihre Gedanken, statt Ihr Handeln davon diktieren zu lassen. Ihre Gedanken sind wahrscheinlich: „Ich muss ihn glücklich machen“, „Was ist mit ihm los?“, „Ich bin eine so schlechte Mutter/ein so schlechter Vater“, „Was mache ich nur falsch?“, „O nein, das arme Kind, das ist ja furchtbar“, „Wenn andere Leute ihn sehen, denken sie bestimmt, ich hätte keine Ahnung, wie man sich als Eltern verhalten sollte“ und so weiter. Schreiben Sie die Gedanken auf und sehen Sie sie auf dem Papier an.

Wenn Sie diese Gedanken für wahr halten, hat das zur Folge, dass Sie einen Kreuzzug gegen die Realität des Wutanfalls Ihres Kindes führen. Dabei ist im Grunde jede Verbindung zu Ihrem Kind und zu sich selbst unterbrochen. Wenn Sie diese Gedanken prüfen, stellen Sie fest, dass sie nichts mit der Wahrheit, der Realität oder mit Ihrem Kind zu tun haben. Es sind einfach Ängste, die Sie als Mensch geerbt haben. Ohne sie würde es Ihnen leicht fallen, Ihr Kind bedingungslos zu lieben und ihm Ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

Auf das wirkliche Bedürfnis eingehen

Wenn Sie Ihre Gedanken erforschen, machen Sie sich bewusst, dass sich Ihre Gedanken natürlicherweise um Sie selbst drehen, eben weil es Ihre Gedanken sind. Sie sind es, der denkt, etwas sei verkehrt oder furchtbar oder Ihr Image in den Augen anderer könne Schaden nehmen. Sie sind es, der den Wunsch hat, den Wutanfall um Ihrer selbst willen zu beenden, weil Sie diese Gedanken haben.

Wenn Sie tief in sich hineinschauen, wissen Sie nicht einmal, ob diese Gedanken für Sie wirklich wahr sind. Sie stellen sich automatisch ein. Wenn Sie irgendwie herausfinden könnten, wie Sie reagieren würden, wenn Ihnen diese Gedanken nicht in den Sinn kämen, könnte es sein, dass der Wutanfall Ihres Kindes vollkommen harmlos aussähe und Sie mit viel mehr Liebe reagieren würden und Ihrem Kind enger verbunden wären.

Ein Wutanfall ist eine wirksame Methode, um angestaute heftige Gefühle auszudrücken, und ist insofern ein Heilungsprozess. Dass Schreien oder Wüten dazu eingesetzt wird, um etwas Unerreichbares zu bekommen, lässt sich leicht vermeiden, indem wir unsere Reaktionen auf die friedlichen Signale des Kindes einstellen und Zwang vermeiden. Wenn heilende Wutanfälle auftreten, jedoch durch Entschädigungen gestoppt werden, bleibt das Problem ungelöst, weil auf das wirkliche Bedürfnis nicht eingegangen wurde.

Trotzphase beim Kind

Zu Beginn des zweiten Lebensjahres beginnt ein Kind langsam, seinen eigenen Willen zu entwickeln und diesen auch zum Ausdruck zu bringen. Es möchte nun selbständig handeln und dies möglichst durchsetzen. Das sogenannte Trotzalter beginnt. Je nach Ausprägung des Temperaments geschieht das unterschiedlich stark.

Wie lange dauert die Trotzphase?

Die erste Trotzphase kann durchaus mit zwei Jahren, also im Kleinkindalter, beginnen und bis zum sechsten Lebensjahr andauern. Bei den meisten Kindern geht sie jedoch langsam mit drei oder vier Jahren wieder zurück. Die erste Trotzphase wird auch als anale Phase nach Freud bezeichnet.

In diesem Alter wollen Kinder immer genau das haben, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Schreien und Strampeln sind noch die harmloseren Ausdrucksformen in diesem Trotzalter. Auf den Boden trommeln, den Kopf wiederholt gegen ein Möbelstück schlagen und schreien, bis das Gesicht blau anläuft, sind Trotzreaktionen, die so manche Eltern beunruhigen oder gar zur Verzweiflung bringen können.

So bringen Sie Ihr bockiges Kind zur Ruhe

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Die Trotzphase als Entwicklungsphase

Kinder erkennen in der Trotzphase, dass sie mit ihrem Verhalten Einfluss auf ihre Umwelt nehmen können. Sie merken nun, dass sie als Person Entscheidungen treffen können, auch wenn sie die Tragweite der Entscheidungen meist noch nicht einzuordnen wissen. Sie lernen auch, dass es für nahezu jede Entscheidung eine Alternative gibt. Hiermit sind Kinder noch überfordert, da sie noch nicht wirklich zwei Angebote miteinander vergleichen können. Bietet man einem Kind zwei Möglichkeiten zur Auswahl, etwa beim Essen, entscheidet sich das Kind meistens schnell für die Zweite, ohne wirklich einen Vergleich anstellen zu können. Wird die Mahlzeit dann serviert, merkt das Kind, dass es doch lieber die andere Speise gehabt hätte. Da es sich jedoch noch nicht richtig ausdrücken kann, entlädt sich der hieraus entstandene Frust in einem Wutanfall.

Das Trotzalter bei Kleinkindern ist eine wichtige Phase, in der die Selbstständigkeit des Kindes zunimmt und es eigene Kompetenzen entwickelt. Deshalb sollten Eltern auch nicht immer dagegen halten, denn sonst entsteht daraus nur noch mehr Trotz beim Kind oder es wird zunehmend antriebslos und abhängig, da es seine Kompetenzen eben nicht entwickeln kann.

4 Dinge, die beim zweiten Kind anders werden

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Ursachen für und hilfreiche Tipps gegen Wutanfälle in der Trotzphase

  • Von Entscheidungen überfordert: Es ist dem Kind keine Hilfe, wenn es sich ständig zwischen Angeboten entscheiden muss: Apfel oder Banane, Zoobesuch oder Spielplatz, Milchreis oder Grießbrei. Im zweiten bis dritten Lebensjahr kann das Kind noch keine Vergleiche vornehmen und zwischen Angeboten abwägen. Manchmal soll das Kind entscheiden dürfen, oft ist es besser, wenn die Eltern zum Wohl des Kindes entscheiden, wenn man hiermit einen Tobsuchtsanfall vermeiden kann.
  • Verbote machen schlechte Laune: Bekommt ein Kind zu oft ein Nein zu hören, wächst womöglich eine Frustration heran, die beim zehnten Nein in einem Trotzanfall endet. Beobachten Sie, wie oft Sie Ihrem Kind etwas verweigern, was es gerne tun möchte. Im Bedarfsfall lässt sich hier mit einem Nein-Tagebuch nachvollziehen, wie viele Verbote Ihr Kind täglich zu hören bekommt. Überlegen Sie sich Alternativen, um die Situationen zu entschärfen, um extreme Trotzreaktionen zu vermeiden.
  • „Alleine machen“: Ihr Kind soll Aufgaben übernehmen, die es allein bewältigen kann. Einfache Aufträge, etwa eine Sache von A nach B tragen, oder leichte, von den Eltern unterstützte Tätigkeiten, sind besser zu bewältigen. Zu schwere Aufgaben kann man als Eltern nonverbal unterstützen, indem man dem Kind hilft, ohne dabei zu sagen „das kannst du nicht“.
  • Wartezeiten vermeiden: Kleinkinder haben noch kein Zeitgefühl. Sagt man „gleich fahren wir zur Oma“ denkt das Kind, es geht sofort los. Muss der Elternteil dann erst noch die Spülmaschine ausräumen und die Wäsche aufhängen, wird ein Kind schnell ungeduldig. Es ist also hilfreich, dem Kind nicht zu früh zu sagen, was als nächstes ansteht.
  • Müdigkeit und Trotzreaktionen: Im Trotzalter ist von Seiten der Eltern viel Sensibilität gefragt. Ein müdes Kind trotzt schneller als ein ausgeschlafenes. Sorgen Sie für ausreichend Schlaf bei Ihrem Kind.
  • Ruhig bleiben: Einem Wutanfall mit Gelassenheit zu begegnen, ist keine leichte Aufgabe. Schimpfen oder gar selbst schreien ist selten von Erfolg gekrönt. Trotzdem dürfen Sie nicht nachgeben, sonst lernt das Kind Trotzreaktionen gezielt einzusetzen, wenn es merkt, dass es damit seinen Willen durchsetzen kann.

So viel sollten sich Kleinkinder bewegen

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Wie lange dauert die Trotzphase mit 2 Jahren?

Als meiner anfing zu toben wenn er etwas wollte sind wir mit ihm auf einen Flohmarkt. Er wollte unbedingt Autos haben. Ich bin dann mit ihm zu einem Stand gelaufen und hab vorgewarnt, „EIN Auto oder KEIN Auto, aber OHNE wah-wah-wah (sein Wort für Geschrei) OK? Komm wir versuchen mal ob Du das schaffst.“ Als er dann brüllte (weil er nicht ein sondern ALLE Autos haben wollte) sind wir (brüllend) ohne Auto zurück zu Papa. Pause gemacht, und nochmal versucht. Gleiche Ankündigung. Beim dritten Mal hat er sich ein Auto ausgesucht, wollte schreien hat’s aber doch nicht gemacht. Also Auto gekauft und, „suuuper gemacht! Ganz toll! Und weil Du das so prima kannst suchen wir dir an einen anderen Stand noch ein Auto.“ Da ging es reibungslos.
Mir war wichtig dass er sieht, dass ich ihm seinen Wunsch auch erfüllen WILL, nur eben ohne toben und brüllen und nicht unbegrenzt. Im Supermarkt haben wir es ähnlich gemacht. Er darf sich eine Sache aussuchen die er auch bekommt, aber wenn es Gebrüll gibt kommt alles weg. Haben wir 2-3 Mal gemacht und danach hatten wir das Problem nicht mehr. Er darf sich was aussuchen, und wenn er lieb ist darf er später noch eine Runde auf diesen mechanischen Autos fahren die immer im Eingang stehen.
Ich glaube ein Kind lernt auch, wo es Vorteile hat und wo eben nicht. Wenn ich alles haben will kommt nix bei raus, wenn ich mich mit einer Sache zufrieden gebe bekomme ich die, und lob obendrauf und hab anschließend meinen Spaß. So richtig toben mit brüllen und um sich schlagen macht er gar nicht mehr. Mittlerweile diskutiert er eher, „Aber Mama, ich möchte gerne Salzstangen UND Kekse, OK Mama? Weil Mama will doch auch Kekse. Besser beides nehmen, ja?“. Und weil er das so schön macht kann ich dann vorschlagen, „Ok wir nehmen beides, aber die Kekse essen wir erst zuhause, und nur eins. Deal?“ „DEAL!“ Er wird im Juni 3.

Trotzphase: 10 Erziehungstipps

Dein Kind schreit und wirft sich auf den Boden, wenn es nicht bekommt, was es will oder es verschließt sich plötzlich und will nicht mehr essen? Die Trotzphase hat begonnen. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und mit Geduld und Verständnis auf das Verhalten des Kindes reagieren. Hilfreich ist es, wenn Du Dir immer wieder klarmachst, dass es sich bei der Trotzphase eben nur um eine vorübergehende ‚Phase‘ handelt. Sie gehört zur Entwicklung eines jeden Menschen dazu und geht wieder vorbei. Diese zehn Erziehungstipps können Dir im Umgang mit Deinem Kind in der Trotzphase helfen:

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1. Trotzphase: Verhalten nicht persönlich nehmen

Nimm das Verhalten Deines Kindes nicht persönlich! Dein Kind trotzt nicht, um Dich zu ärgern. Es kann seine Wut noch nicht steuern und wird durch einen Wutanfall selbst in Angst und Schrecken versetzt. Wenn Du Dich von seiner Wut mitreißen lässt, verstärkst Du nur seine Angst und seinen Trotz.

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2. Trotzphase: Geduld haben und Freiheiten lassen

Dein Kind möchte immer mehr Dinge alleine machen, was natürlich bedeutet, dass schon mal der Tisch unter Wasser gesetzt wird oder ein Glas zu Bruch geht. Du solltest Deinem Kind möglichst viel erlauben und es vorsichtig unterstützen, ohne ihm zu viel abzunehmen. Dies zahlt sich für alle Zeiten aus. Kann Dein Kind seine Fähigkeiten erproben und verbessern, wird es immer selbstbewusster und selbstständiger.

3. Trotzphase: Regeln und Verbote

In der Trotzphase sollte die Regelung des Tagesablaufs neu überdacht werden. Es gilt: So wenig Regeln und Verbote wie möglich. Das bedeutet nicht, dass Du nun in allem nachgeben sollst. Überlegt Euch, welche Dinge Euch wirklich wichtig sind und setzt konsequent die Einhaltung dieser Grundregeln durch.

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4. Trotzphase: Dein Kind ernst nehmen

Dein Kind befindet sich in einer Entwicklungsphase zu mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Um diese Entwicklung positiv zu beeinflussen, solltest Du den Willen Deines Kindes ernst nehmen und auch mal zu Kompromissen bereit sein, wenn es nicht gerade um Eure Grundregeln geht.

5. Trotzphase: Konsequent bleiben

Bei Geschrei solltest Du nicht nachgeben. Wenn Du einmal „Nein“ zur Schokolade gesagt hast, dann bleib auch dabei. Dein Kind muss wissen, dass es mit Geschrei und Getrampel nichts erreicht. Das heißt, dass Kompromisse frühzeitig geschlossen werden sollten, bevor Dein Kind ausflippt.

6. Trotzphase: Wenn nötig „Nein“ sagen

Wenn Dein Kind etwas Unmögliches oder Gefährliches will, solltest Du sanft und entschieden „Nein“ sagen und warten, bis es sich ein wenig beruhigt. Dann kannst Du ihm eine realistische und angemessene Alternative anbieten.

7. Trotzphase: Ablenkung

Besonders bei beginnenden Wutanfällen in der Öffentlichkeit ist es angebracht, wenn Du schnell reagierst und versuchst, Dein Kind mit einem raschen Szenenwechsel abzulenken, nach dem Motto: „Schau doch mal der Bagger da vorne.“ oder „Hast Du Lust, auf der Rolltreppe zu fahren?“

8. Trotzphase: Keine leeren Drohungen

Drohe niemals Deinem Kind mit Worten wie „Wenn Dein Vater kommt, wirst du was erleben“ oder „Ich gebe Dich weg“. So etwas kann Dein Kind stark verängstigen und dauerhaft sein Selbstvertrauen schwächen.

9. Trotzphase: Keine Gewalt!

Selbst wenn Dein Kind noch so laut brüllt, wenn es schlägt und trampelt und die Wut in Dir hochsteigt – Du solltest nie versuchen, Dein Kind mit Gewalt zur Vernunft zu bringen. Dadurch schadest Du seinem Selbstvertrauen und seiner Entwicklung. Was Du tun kannst, wenn Du kurz davor bist, die Kontrolle zu verlieren, erfährst Du in unserem Artikel „So erziehst Du gewaltfrei“.

10. Trotzphase: Grundregeln absprechen

Auch Freunde und Familie sollten die Einhaltung der Grundregeln durchsetzen, denn: Wenn zwar die Eltern konsequent sind, die Großeltern aber dem Kind nachgeben, wird das Kind nur umso stärker versuchen, auch bei den Eltern seinen Willen durchzusetzen.

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