4 jähriges kind will nicht auf die toilette

“Unser Kind macht immer noch in die Hose!” – Stuhlverlust bei Kindern

Was versteht man unter Stuhlverlust?

Unter Stuhlverlust (Inkontinenz) wird der unwillkürliche Abgang von Schleim und flüssigem Kot verstanden, während Einkoten (Enkopresis) die Entleerung von Stuhl unter unangepassten Umständen bedeutet. Stuhlverlust ist verbunden mit chronischer Verstopfung und sehr hartem Stuhl. Einkoten geht oft einher mit unangemessener Reinlichkeitserziehung oder mit emotionalen Störungen.

Es werden viele Ursachen des Einkotens genannt: Reifestörungen im Zentralnervensystem mit Auswirkungen auf die Darmkontrolle, psychische Belastungen und genetische Faktoren sind Beispiele dafür. Dementsprechend unterschiedlich sind die therapeutischen Ansätze und die Behandlung gestaltet sich meist mühsam und zeitaufwendig. Vielfache Ursachen, körperliche, geistige und emotionale Einflüsse, sowie das soziale Umfeld des Kindes sind in diesem Krankheitsbild miteinander verstrickt. Beim unbehandelten Kind kann Einkoten zu Versagensängsten führen, soziale Kontakte unterbinden und Störungen auslösen.

Emotionale Probleme als Ursache des Einkotens

Eine vorangehende medizinische Untersuchung sollte klarstellen, dass das Problem nicht das des Stuhlverlustes mit Schleim und Stuhl, sondern das des Einkotens ist, d.h. der Entleerung von Stuhl normaler Festigkeit unter unangemessenen Umständen. Bei etwa achtjährigen Kindern liegt die Häufigkeit bei 1,5%. Knaben überwiegen deutlich. Das häufigste Auftreten dieser Störung findet man zwischen dem 7. und 9. Lebensjahr. Wie beim Einnässen unterscheidet man zwischen primären und sekundären Formen.

Das Einkoten geschieht vorwiegend am Tage. Nächtliches Einkoten ist die Ausnahme. Sonst sind diese Kinder oft keineswegs unsauber, sondern legen großen Wert auf Reinlichkeit. Sie verhalten sich nach dem Einkoten ungewöhnlich ruhig und erst durch den unangenehmen Geruch werden sie für die Umgebung auffällig.

Stuhldrang wird von den Kindern meist nicht wahrgenommen, die schmutzige Wäsche verstecken sie. Oft finden sich bei den Kindern Aggressionshemmung und altersuntypische Abhängigkeit von den Eltern mit überangepassten Verhalten. Mit 7 Jahren machen noch 1 bis 2% aller Kinder in die Hose. Gewöhnlich ist dies ein Zeichen dafür, dass das Kind ernste seelische Probleme hat.

Primäres Einkoten

Dies betrifft Kinder über 3 Jahre, die nie gelernt haben, ihren Stuhlgang zu beherrschen. Obwohl alles normal ist, machen sie immer wieder in die Hose. Diese Kinder merken meistens auch nicht, dass sie gerade ihren Darm entleeren. Viele nässen zusätzlich tagsüber und auch nachts ein, d.h. sie haben auch keine Blasenkontrolle erlernt.

Sekundäres Einkoten

Hier geht es um Kinder – egal welchen Alters, die schon einmal sauber waren und plötzlich wieder ruckfällig werden. Manchmal verstecken sie ihre Ausscheidungen in Kästen oder Betten, mitunter schmieren sie sie auch an die Wand oder ins Leintuch. Die Beschaffenheit der Entleerungen ist ganz normal.

Sauberkeitstraining

Das Training der Darm- und Blasenkontrolle unterscheidet sich sowohl in zeitlicher als auch methodischer Hinsicht. Die Darmkontrolle erfolgt gewöhnlich zuerst und wird am Anfang des zweiten Lebensjahres erreicht. Die Darmkontrolle ist einfacher, wenn Entleerungen annähernd regelmäßig erfolgen und Warnzeichen vorangehen, die das Baby selbst zu erleben scheint. Die Eltern können oft das Herannahen einer Darmentleerung sehen oder riechen und das Baby meist rechtzeitig auf das Töpfchen setzen. Eine willkürliche Beherrschung der Darmkontrolle wird erst im Kleinkindalter möglich, wenn das Kind die Bedeutung bestimmter Ereignisse erkennen und die Tätigkeiten des Zurückhaltens, Entspannens und Ausstoßens ausführen kann. Angst, zu langes Festhalten, Belastung, Ekel, Bestrafung, moralische Entrüstung verlängern und komplizieren den Vorgang. Manche Kinder halten an bestimmten gewohnten und für die Entleerung geeigneten Umständen fest und können unter anderen Bedingungen ihr Bedürfnis nicht verrichten.

Einkoten ist ein Verhalten, das die Eltern schnell schockiert. Kuriose Verhaltensweisen kommen in der therapeutischen Arbeit zum Vorschein: z.B. dass Stuhl in Papier eingepackt in sauberer Wäsche gefunden wird. Auch die Reaktionen der gleichaltrigen Kinder sind ausfallend und oft werden diese Kinder verspottet und gehänselt. Eine Hauptaufgabe der Therapie ist, durch Untersuchungen herauszufinden, ob es sich um eine emotionale Störung handelt und worin sie begründet ist.

Beherrschung der Darmentleerung

Damit eine Mutter ihr Kind an geregelte Darmentleerung gewöhnen kann, ist eine vertrauensvolle Beziehung nötig. Sie zeigt sich in der Bezeichnung “das töpfende Paar” analog zum “stillenden Paar” . Der Erfolg des Trainings beruht auf der Erfahrung: Wenn das Kind “sein Geschäft” am richtigen Ort und zur richtigen Zeit erledigt, dann gewinnt es die Sympathie und Liebe der Mutter. Wenn es sich jedoch nicht entsprechend verhält, verliert es die Sympathie der Mutter.

Für das Kind kann die Stuhlentleerung mit Freude, Angst, Schuldgefühlen, oder mit dem Gefühl von Gehorsam verbunden sein. Es kann beeindruckt sein durch die Menge des Stuhls. Es kann beunruhigt sein, dass es etwas verliert, das von ihm kommt. Oder es kann geängstigt werden durch den Lärm der Wasserspülung.

Die Sauberkeitserziehung wird dadurch noch komplizierter, weil man vom Kind erwartet, dass es lernt, dass das Absetzen des Kots in den Topf eine gute Tat ist. Zusätzlich macht es der Mutter damit Freude. Ganz anders ist das Objekt, das es mühevoll hervorbringt, um der Mutter zu gefallen, etwas Schlechtes, das mit Ekel betrachtet wird, nicht berührt werden darf und rasch fortgeworfen wird. Die emotionalen Faktoren spielen daher bei der Beherrschung der Darmentleerung eine außerordentliche Rolle. Und es ist absolut verständlich, dass es dabei zu emotionalen Verstimmungen kommen kann, die sich in körperlichen Symptomen ausdrücken können, wie in Stuhlzurückhaltung oder Stuhlverlust.

Für das Kleinkind ist das Erlernen der Schließmuskelbeherrschung eine Waffe, die zur Selbstbehauptung gebraucht werden kann. Es ist eine neue Methode, “Nein” zu sagen, den Gehorsam zu verweigern. Verschiedene Faktoren spielen mit, ob das Kind diese Waffe braucht oder nicht. Wenn die Stuhlverhaltung keine große Beachtung bei der Mutter hervorruft, weil sie dieses Verhalten als normal auffasst und als unschädlich für die Gesundheit ansieht, wird dies für das Kind kein Erfolgserlebnis sein. Wenn dieses Verhalten zu ständigen Auseinandersetzungen führt, ist es wahrscheinlich, dass sich früher oder später der Konflikt in körperlichen Symptomen ausdrücken muss.

Ursachen und Auslöser des Einkotens (Enkopresis)

Psychische Ursachen
Als eine der Ursachen für Einkoten wird eine starke innere nervöse Spannung des Kindes genannt. Warum drückt sich diese nun gerade in Form des Einkotens aus? Eine schwer zu beantwortende Frage. Doch man kommt der Antwort etwas näher, wenn man überlegt, welche unbewussten Regungen des Kindes in dieser Verhaltensauffälligkeit zum Ausdruck gebracht werden. In der Regel kann man davon ausgehen, dass das Symptom des Kindes einen Ruf nach Zuwendung und Liebe darstellt, der verschiedene Ursachen haben kann. Diese Störung kann eventuell auf ein gestörtes Eltern -Kind -Verhältnis zurückgeführt werden, auf Geschwisterrivalität, auf Überforderung, auf zu stark akzentuiertes Leistungsverhalten.

Das Eltern-Kind-Verhältnis ist meist dann gestört, wenn die Eltern dem Kind in einer nervösen Stimmungslage begegnen und es zu Spannungen zwischen den Eltern kommt. Nicht selten kommt es zum Einkoten, wenn sich das Kind seinen Geschwistern gegenüber benachteiligt fühlt. So setzt das Einkoten beispielsweise so wie das Bettnässen häufig ein, wenn ein Geschwisterkind geboren wird, und das ältere Kind erleben muss, dass sich die ganze Liebe und Aufmerksamkeit dem Neugeborenen zuwendet.

Häufig findet sich auch das Einkoten bei Kindern, die aus irgendwelchen Gründen noch nicht den geistig seelischen Entwicklungsstand erreicht haben, der ihrem Alter entsprechen würde. Einkoten kann daher nicht nur als Folge einer lieblosen Erziehung gesehen werden, sondern es kann ebenfalls als Folge einer stark verwöhnenden, das Kind klein und unmündig haltenden Erziehung zu beobachten sein. Solche überforderten Kinder, die den Anforderungen, die die Umwelt außerhalb der Familie an sie stellt, nicht gerecht werden können, drücken dann durch Einkoten ihren Wunsch danach aus, noch einmal ein kleines Kind zu sein, an das solche Anforderungen nicht gestellt werden.

Viele einkotende Kinder sind innerlich ängstlich, unsicher und vespannt. Sie können zwar vorübergehend sich eifrig und leistungsbemüht zeigen, reagieren in der Regel aber sehr stark entmutigt. Im weitesten Sinne lässt sich feststellen: Einkoten geht oft einher mit einer Störung des Leistungsverhaltens. Denn das Saubersein ist für das Kind eine Leistung, die es nicht ungestört zu erbringen vermag. Dieser Zusammenhang zwischen dem Einkoten und der Störung des Leistungsverhaltens kommt bisweilen sehr deutlich zum Ausdruck, wenn das Kind nur während der Schulzeit (wenn Leistungen von ihm verlangt werden) einkotet, in der Ferienzeit jedoch trocken bleibt.

Eine zu frühe Beherrschung der Ausscheidungsvorgänge ist nur durch Drill zu erreichen, jedoch verbunden mit vielen Misserfolgen. Sie belasten das Kind erheblich. Wenn die Reinlichkeitserziehung durch einen starken Appell an das Schamgefühl des Kindes und durch Unmutsäußerungen der Eltern zu früh betrieben wird, wird das Kind wegen seiner körperlichen Unreife die Eltern oft enttäuschen müssen, obwohl es ihnen gerne gefallen möchte. Es kann dann auf Grund zahlreicher Misserfolge das Gefühl der Geborgenheit verlieren. Vielfach entwickelt das Kind Schuldgefühle und ein Minderheitsbewusstsein und wird schließlich von Ängsten und Zweifel geplagt. Dadurch kann das Kind in eine nervöse innere Spannung geraten, die sich dann häufig in dem Symptom des Einkotens äußert.

Besonders häufig finden wir das Einkoten bei Kindern, von denen weitgehende Anpassung und Selbstaufgabe gefordert wird. Solche Kinder können Gefühle des Ärgerns, Neids und der Wut kaum äußern. Es sind durchwegs sehr gefügige Kinder, die kaum in der Lage sind, für sich selbst etwas zu fordern. Darüber hinaus sind Kinder, die einkoten, häufig einer inkonsequenten Erziehung ausgesetzt.

Äußere Ursachen
Oft sind Belastungen und Veränderungen Auslöser für das Einkoten; z.B. ein Umzug, die Geburt eines Geschwisterchens, ein Krankenhausaufenthalt, Schulwechsel, Scheidung. Der Darm reagiert empfindlich auf alle Emotionen. Konflikte und Stresssituationen äußern sich bei Kindern vorwiegend körperlich und in der Leistungsmotivation, während der Beziehungsbereich unterentwickelt ist. In den Familien wird viel Wert auf Sekundärtugenden wie Höflichkeit, Fleiß, Gewissenhaftigkeit gelegt. Aber auch Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Gehorsam spielen eine große Rolle.

Die elementaren Grunderfahrungen sind eher unterentwickelt. Oft besteht eine Mutter-Kind-Beziehung, die zwischen Verbundenheit (Nähe) und Ablösung (Distanz) schwankt. Ganz besonders entwicklungsbedürftig sind Grunderfahrungen wie Liebe und Vertrauen. Die psychosomatische Verarbeitung des inneren Konflikts drückt sich im Einkoten aus. Da Kinder wie Seismographen die eigentliche Familienatmosphäre anzeigen, bekommt das Symptom im Familiengefüge eine Bedeutung, die es deutlich zu machen gilt. Das Kind macht in Krisen durch frühkindliche Verhaltensweisen auf Konfliktfelder der Familie aufmerksam. Passiv und sprachlos zeigt das Kind durch die Organsprache, dass Probleme unerträglich wurden.

Für Anforderungen wie Pünktlichkeit, Ordnung, Leistung und Gewissenhaftigkeit bestehen überhöhte elterliche Erwartungen. Dagegen werden die emotionalen Bedürfnisse des Kindes nach Kontakt, Geborgenheit, Vertrauen nicht ausreichend befriedigt. Zusätzlich zu Sauberkeit und Leistung besteht eine übertriebene Höflichkeitserwartung, die jedes lebhafte Verhalten des Kindes unterdrückt. Im häufig beobachteten Kotschmieren hat das Kind ein Ventil den Konflikt aktiv anzugehen.

Therapeutische Hilfen

Es werden zunächst die Konfliktbereiche ermittelt, die zusammen mit dem Einkoten und auch anderen Erziehungsproblemen stehen. Einkoten und Einnässen ist nicht nur peinlich für die betroffenen Kinder. Nicht selten kommen Eltern mit dem Schuldgefühl zur Therapie, dass sie am Auftreten des Problems verantwortlich sind. Sie sehen sich zum Teil als Mitverursacher. Bei meinem therapeutischen Vorgehen handelt es sich vorwiegend um ein funktional orientiertes Behandlungskonzept. Dabei werden die Maßnahmen und das Vorgehen an folgenden Überlegungen ausgerichtet:

  1. den persönlichen Merkmalen des einkotenden Kindes
  2. seiner Familie, sowie
  3. den Charakteristika des Einkotverhaltens.

In der Behandlung kommen neben familienzentrierten, spieltherapeutischen Maßnahmen verhaltenstherapeutische, funktionsspezifische Ansätze zum Tragen. Vor der Therapie wird eine diagnostische Phase der Behandlung vorgeschalten. Diese besteht aus folgenden Erhebungen:

  1. Elternfragebögen zum Einkoten
  2. Erhebung zur Einstellung der Eltern zum Einkoten
  3. Anamneseerhebung
  4. Entwicklungs- und lebensgeschichtliche Untersuchungen mit den Eltern und dem Kind.

Danach erfolgt eine Diagnostik des Einkotens:

  1. Erheben der Ausgangsdaten / aktuelle Symptomatik / Baselineerhebung,
  2. Abhängigkeit der Symptomatik von speziellen Situationen,
  3. Entwicklung der Symptomatik,
  4. Schwankungen in der Häufigkeit des Auftretens,
  5. bisherige Vorbehandlungen,
  6. bisherige Bewältigungsversuche des Kindes und der Familie.

Die Erstuntersuchung wird durch eine Verlaufsdiagnostik ergänzt. Die Datenerhebung beschränkt sich im einfachsten Fall auf die Dokumentation der Häufigkeit der Symptomatik, kann aber auch genaue Beobachtungen einschließen. Bei entsprechend komplexerer Gestaltung können damit auch Angaben über mögliche Auslöser mitgeliefert werden. Eine wesentliche Aufgabe besteht in der Kalenderführung, in dem die wichtigsten Ereignisse wie einkoten und einkotfreie Tage oder Nächte systematisch notiert werden. Der Kalender wird nach einem Zeitraum von etwa vier Wochen gemeinsam ausgewertet und es wird nach typischen Mustern gefahndet. In der Therapiephase kommen verhaltenstherapeutische Techniken zum Einsatz. Diagnose und Therapie gehen fließend ineinander über. Psychotherapeutisches Vorgehen zielt in der Einzelbehandlung nicht nur darauf ab, dass das Kind sein Symptom aufgeben kann, sondern dass es das Symptom als ein von ihm aktiv gestaltetes Geschehen mit besonderer Bedeutung wahrnimmt und so nach anderen Problemlösungen suchen kann. Mit Hilfe von positiver und negativer Verstärkung wird eine Veränderung der Einflüsse angestrebt, die das Weiterbestehen der Störung unterstützen. Sie umfassen z.B. das Belohnen des Kindes bei Aufsuchen der Toilette. Nicht selten geht es auch darum, die über Jahre eingeschliffenen Verhaltensmuster zu unterbrechen und so eine Entkrampfung der Gesamtsituation herbeizuführen. Denn die Eltern, die für einen erfolglosen Umgang mit der Symptomatik verantwortlich sind, lösen zusätzlich eine gespannte und gereizte Atmosphäre im Familienleben aus.

Wenn beim Einkoten – wie in den meisten Fällen zu erwarten ist – eine organische Schädigung ausgeschlossen werden kann, dann muss nicht das Einkoten, sondern die Ursache angegangen werden, um eine echte Heilung zu erreichen.

Seitens der Eltern heißt das, dem Kind soviel als möglich Erlebnisse des Geborgenseins zu vermitteln und dem Ruf nach Zuwendung so gut als möglich zu entsprechen. Jeder Appell an das Gewissen des Kindes oder an sein Schamgefühl ist zu unterlassen, es würde nur neue Schuldgefühle auslösen, die innere Gespanntheit noch erhöhen und das Symptom verstärken. Ganz entscheidend ist es, dass das Kind vorbehaltlos geliebt wird, und dass es nicht nur wegen des Einkotens erhöhte Zuwendung erfährt. Sollte das Kind befürchten: Diese Zuwendung geht ihm wieder verloren, sobald das Symptom verschwindet, dann wird das Einkoten wahrscheinlich nicht aufhören, sondern sich möglicherweise verstärken.

Autorin

Dr. Christine Fauland ist als Psychotherapeutin im Institut für Kommunikationspädagogik mit dem Schwerpunkt Einnässen und Einkoten tätig.

Kontakt

Dr. Christine Fauland
Institut für Kommunikationspädagogik-Wien
Univ. Prof. Dr. Karl Garnitschnig & Team
Breitenfurterstraße 360-368/3/R6
A-1230 Wien

Stuhlgang-Probleme: Verstopfte Kinder brauchen rasche Hilfe

BauchschmerzenKindergesundheitVerstopfung

Stiftung Kindergesundheit informiert über Stuhlgang-Probleme bei Babys und kleinen Kindern

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung leidet jeder siebte bis zehnte Erwachsene in Deutschland unter einer chronischen Verstopfung. Was weniger bekannt ist: Eine chronische „Obstipation“ gehört bereits im Kindes- und Jugendalter zu den häufigsten und manchmal auch hartnäckigsten Gesundheitsstörungen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

Wie oft ein Kind sein großes Geschäft macht, was normal und nicht mehr normal ist, hängt sehr vom Alter ab. Besonders unter reiner Muttermilchernährung kann die Streubreite zwischen sechs Mal am Tag und nur alle 10 Tage liegen. Junge Säuglinge pressen bei der Stuhlentleerung z.T. ganz gewaltig mit hochrotem Kopf. Auch das darf nicht mit Verstopfung verwechselt werden und ist normal, solange der Stuhl nicht hart ist und die Kinder gut gedeihen. Mit Einführung der Flaschennahrung oder Beikost entleeren die Kinder meist 1 bis 2 mal pro Tag in die Windel, aber wie bei älteren Kindern und Erwachsenen ist ein Stuhlgang alle 2 Tage ebenfalls noch in der Norm.

„Gerade diese große Variationsbreite in den ersten Lebensjahren verunsichert viele Eltern. Sie beobachten die Stuhlgewohnheiten des Kindes besonders aufmerksam und machen sich bei jeder Unregelmäßigkeit Sorgen“, berichtet Professor Dr. med. Sibylle Koletzko, Pädiatrische Gastroenterologin an der Dr. von Haunerschen Kinderklinik der Universität München. „Das stellt sich zwar in vielen Fällen als unnötig heraus, doch ob das Problem wirklich harmlos ist, kann nur eine Kinderärztin oder Kinderarzt nach genauer Befragung der Eltern und einer gründlichen körperlichen Untersuchung des Kindes entscheiden“.

Wenn nötig, wird die Diagnostik durch Ultraschalluntersuchung und eine Blutentnahme fürs Labor ergänzt. Ausgedehntere Untersuchungen sind meist überflüssig: Organische Ursachen, wie z. B. die angeborene Darmkrankheit „Morbus Hirschsprung“ sind jenseits des Säuglingsalters ausgesprochen selten. Manchmal ist eine Kuhmilcheiweißallergie die Ursache. „Das Ziel ist, eine rasche und effektive Behandlung einzuleiten, damit sich die Verstopfung nicht zu einem chronischen Problem entwickelt“, so Professor Sibylle Koletzko.

Für eine Verstopfung typische Zeichen sind, wenn der Stuhl nur alle paar Tage, aber nicht in der normalen Konsistenz, sondern als harter Batzen oder in kleinen Kugeln entleert wird („Schafkot“). Er ist so fest, dass das Kind Mühe hat, ihn rauszudrücken. Der Bauch ist aufgetrieben, das Kind klagt über Schmerzen.

Was steckt hinter dem Stau im Darm?

Manchmal sind es Änderungen im normalen Tagesablauf, die den Stuhlgang des Kindes durcheinander bringen: eine lange Reise, ungewohntes Essen, eine Krankheit, die das Kind ein paar Tage ans Bett fesselt. Auch psychische Belastungssituationen wirken sich auf die Darmfunktion aus: zum Beispiel ein Umzug, Geburt eines Geschwisters oder Konflikte in der Familie.

Bei Babys kann die Umstellung von der Brust auf das Fläschchen oder die erste Breimahlzeit der Auslöser sein. Kleinkinder wiederum entwickeln manchmal zum Zeitpunkt des Sauberwerdens oder nach einer Durchfallerkrankung eine Verstopfung. Größere Kinder ekeln sich von den schmutzigen Toiletten im Kindergarten oder in der Schule oder haben einfach „keine Zeit“, um aufs Klo zu gehen.

Manche Kinder machen auch als „Kraftprobe“ mit den Eltern „dicht“: Sie unterdrücken den Stuhlgang viele Tage lang. Manchmal steckt ein Protest dahinter, z.B. wenn die Eltern das Kind zu früh zur Sauberkeit erziehen möchten.

Wenn die „Sitzung“ zur Qual wird

Dauert die Verstopfung länger als zwei Monate an, spricht man von „chronischer Obstipation“. „Am Anfang der hartnäckigen Verstopfung steht oft ein wunder Po oder ein winziger, aber sehr schmerzhafter Einriss in der Afterschleimhaut“, berichtet Professor Sibylle Koletzko. „Er entsteht meist durch den zu harten Stuhl. Da das Kind die Schmerzen beim Stuhlgang fürchtet, hält es den Stuhl aktiv zurück, was erneut zur Bildung von zu hartem Stuhl und zu erneuten Schmerzen führt – ein Teufelskreis entsteht“.

Der Versuch, die Stuhlentleerung zu verhindern, führt oft zu abenteuerlichen Manövern: Die Kinder überkreuzen im Sitzen oder Stehen die Beine, hocken auf der eigenen Faust, rutschen auf Stuhllehnen herum oder verkriechen sich unter dem Tisch. Sie bekommen vor Anstrengung oft einen hochroten Kopf.

Eine weitere, sehr unangenehme Folge kann die Ausweitung des Darmes sein, wodurch das Kind nach einer Zeit das Gefühl für den Stuhldrang verliert. Durch Fäulnis entsteht weicher Stuhl, der an den gestauten Kotmassen seitlich vorbeifließt und in kleinen Mengen in die Unterwäsche abgesetzt wird.

Dieses „Stuhlschmieren“ darf nicht als Durchfall fehlgedeutet werden. Es hat mit psychischem Fehlverhalten nichts zu tun: „Das Kind kann nichts dafür! Schimpfen und Bestrafen nützen in dieser Situation überhaupt nichts und sollten unbedingt vermieden werden“, betont Professor Sibylle Koletzko. „Das Kind braucht vielmehr Hilfe, um die Kontrolle über seine Darmfunktionen zurück zu bekommen“.

So rasch wie möglich behandeln!

Eine Verstopfung bei Kindern muss so rasch wie möglich behandelt werden, um ggf. ein Vermeidungsverhalten zu verhindern. Die Behandlung der Verstopfung soll dem Kind zunächst die Angst vor einem schmerzhaften Stuhlgang nehmen. Je nach Alter des Kindes und Dauer des Problems wird die Verstopfung mit unterschiedlichen Mittel behandelt. Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt in Anlehnung an die Vorschläge der „Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung“ folgendes Vorgehen:

Säuglinge und junge Kleinkinder:

  • Pflege des Po‘s und Afters, keine Manipulationen z.B. mit einem Fieberthermometer;
  • Ernährungsumstellung, um den Stuhl weich zu halten (z. B. mit Birnenmus oder Vollkornbrei);
  • Bei hartnäckiger Verstopfung kann eine Kuhmilcheiweißunverträglichkeit die Ursache sein. Der „Allergietest“ im Blut oder der Hautpricktest hilft da selten weiter. Eine kuhmilchfreie Ernährung über 2 bis 4 Wochen kann Klärung bringen, aber immer nur nach Rücksprache mit dem Kinder- und Jugendarzt und entsprechender Ernährungsberatung;
  • Medikamente zum Weichhalten des Stuhls nach Verordnung durch den Kinder- und Jugendarzt. Sie sind unbedenklich und erzeugen keine Abhängigkeit;
  • Sauberkeitstraining erst nach Heilung der Verstopfung.

Kindergarten- und Schulkinder:

  • Erklären der Darmfunktion mit einfachen Worten.
  • „Toilettentraining“: Nach der Hauptmahlzeit oder bei Anzeichen für Stuhldrang sollte das Kind an den Toilettengang erinnert werden. Wenn das Kind versucht, zu „verkneifen“, sollte es davon abgelenkt werden.

  • Die Sitzungen sollten nicht mehr als 5 bis 10 Minuten dauern. Hilfreich ist bequemes Sitzen auf der Toilette (z. B. mit Schemel oder Kindersitz) und ein Lob für jedes Absetzen von Stuhl.
  • Weichhalten des Stuhls mit Medikamenten nach Verordnung durch den Kinder- und Jugendarzt.

Welche Abführmittel für Kinder?

Mittlerweile s
tehen dazu für Kinder Produkte in Pulverform zur Verfügung. Sie enthalten langkettige Moleküle, so genannte Polyethylenglykole (PEG, auch Macrogol genannt), die aufgrund ihrer osmotischen Wirkung im Darm Wasser binden und den Stuhl weich machen. Sie werden unverändert ausgeschieden. Das Pulver wird in Wasser oder andere Flüssigkeiten eingerührt und getrunken, kann aber auch mit Suppe oder Brei gegeben werden. Die Präparate können aufgrund ihrer guten Verträglichkeit auch über einen längeren Zeitraum angewandt werden.

Zum Abführen bei Kindern ebenfalls im Gebrauch sind auch noch Lactulose und – seltener – Paraffinöl. Sie haben jedoch mehr Nebenwirkungen wie Bauchweh und Blähungen als PEG.

Wichtig: Abführmittel für Erwachsene sind für Kinder nicht geeignet!

Die Eltern sollten geduldig sein, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit: Nur eine konsequente und langfristige Behandlung kann den Teufelskreis von Stuhlverhaltung und Darmausweitung unterbrechen. Es kann mitunter viele Monate dauern, bis sich die Entleerungsstörung wieder normalisiert.

Was sonst noch hilft

Das Wichtigste zur Vorbeugung: Gesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen, genügend Flüssigkeit und Bewegung. Kinder, die zu Verstopfung neigen, sollten weniger Kuchen, Weißbrot, Schokolade, und Milch bekommen. Stattdessen mehr Obstsäfte, Gemüse, Salate, Vollkornbrot, Haferflocken, Obst und Joghurt.

Über die Entstehung und die Behandlung der Verstopfung kursieren viele wissenschaftlich unbewiesene Annahmen. Hier zwei Beispiele:

  • Verstopfung führt zur „inneren Vergiftung“ des Körpers. Diese uralte Vorstellung findet sich schon in einer ägyptischen Papyrusrolle aus dem 16. Jahrhundert vor Christus und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders intensiv propagiert (Motto: „Der Tod lauert im Darm!“). Für derartige Befürchtungen gibt es jedoch keinerlei Beweise: Die angeblich im Darm entstehenden Giftstoffe sind nie nachgewiesen worden.
  • Abführmittel sind auf die Dauer gefährlich. Sorgfältig durchgeführte Studien widerlegen diese Annahme. Eine Analyse von 105 wissenschaftlichen Publikationen aus 30 Jahren ergab: Laxantien wie PEG passieren nicht die Blut-Hirn-Schranke und können nicht süchtig machen. Bei ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung droht auch keine Gewöhnung.

Verstopfung: Sitzhaltung in der Hocke hilft beim Stuhlgang

Langes Sitzen, Pressen und Drücken: Verstopfung plagt viele Menschen. Dass die Sitzposition schuld an ihrem Problem sein könnte, vermuten die wenigsten. Doch es stimmt: Die Haltung, die wir meistens auf der Toilette einnehmen, ist alles andere als optimal.

Für uns ist es selbstverständlich auf der Toilette zu sitzen wie auf einem Stuhl. Dabei ist diese Haltung eigentlich gar nicht natürlich. Zu Urzeiten und bevor die Sitztoilette erfunden wurde, haben sich die Menschen einfach hingehockt, um ihr „Geschäft“ zu verrichten. In vielen Teilen Asiens und Afrikas, aber auch in einigen europäischen Ländern, gibt es heute immer noch Hocktoiletten. Bemerkenswert dabei ist, dass Darmprobleme, wie Verstopfung oder Hämorrhoiden, in diesen Regionen fast gar nicht vorkommen.

Auch Giulia Enders berichtet in Ihrem Bestseller „Darm mit Charme“ von einer Studie, in der Probanden für den Stuhlgang im Sitzen durchschnittlich 130 Sekunden benötigten, während der Stuhlgang in der Hocke nur 50 Sekunden dauerte.

Info: Es gibt zwei Arten von Verstopfung: den trägen Darm und die Stuhlentleerungsstörung. Während der Stuhl beim trägen Darm kaum vorankommt, kommt es bei der Stuhlentleerungsstörung zu einer Blockade im Inneren.

Aufrechte Sitzhaltung auf der Toilette führt zu Knick im Darm

Die Erklärung ist simpel: In der tiefen Hocke (auch asiatische Hocke genannt) ist der Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel kleiner. Dadurch entspannt sich der Beckenbodenmuskel und der Darm befindet sich in einer geraden Position, sodass die Stuhlentleerung erleichtert wird.

Das aufrechte Sitzen auf der Toilette kann die Probleme hingegen verschlimmern: „Bei der normalen Toilettenposition ist der Enddarm leicht geknickt, was die Entleerung beziehungsweise die vollständige Entleerung erschwert“, erklärt Professor Thomas Frieling, Direktor der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum in Krefeld und Vorstandsmitglied der Gastro-Liga. Schuld ist der innere Schambein-Mastdarm-Muskel – ein Muskel des Beckenbodens – der sich in der aufrechten Sitzhaltung nicht komplett entspannen kann.

Ein steiler Winkel zwischen Darm und After verbessert den Stuhlgang. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Hocksitzhaltung lässt sich auf dem heimischen Klo einfach nachahmen. Besonders wer unter Verstopfung leidet, kann von einer Fußbank profitieren. Auf diese stellt man seine Füße, während man auf der Toilette sitzt. Der dadurch entstehende steilere Winkel zwischen Darm und After sorgt dafür, dass sich der Enddarm begradigt und der Stuhl leichter herausgleiten kann.

„Ideal ist eine Höhe zwischen 20 und 30 Zentimetern“, empfiehlt Frieling. „Dann befinden Sie sich in der natürlichen Hockstellung, in der bereits unsere Vorfahren saßen. Der Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel beträgt dann etwa 35 Grad. Die Entleerung klappt so am einfachsten.“

Hämorrhoiden und Analfissuren vorbeugen

Doch der kleine Hocker hat noch weitere Vorteile: „Da man in der Hockstellung auf der Toilette weniger pressen muss, können vergrößerten Hämorrhoiden und Analfissuren, also kleinen Schleimhauteinrissen am After, vorgebeugt werden“, erklärt der Experte und rät, bei Problemen mit Verstopfung das Bänkchen einfach mal auszuprobieren. „Falsch machen können Sie da nichts.“ Es gibt spezielle Toiletten-Fußbänkchen zu kaufen, doch ein schlichter Fußschemel tut ebenfalls seinen Dienst, solange er die richtige Höhe hat.

Denkerpose für leichteren Stuhlgang

Es kann bereits helfen, auf der Toilette die sogenannte „Denkerpose“ einzunehmen. Zu diesem Ergebnis kamen die beiden Ärzte Shigetsugu Takano und Dana Sands. In ihrer Forschungsarbeit „Einfluss der Körperhaltung auf den Stuhlgang: eine prospektive Studie der ‚Denkerposition‘“ konnten sie zeigen, dass es die Stuhlentleerung erleichtert, wenn man den Oberkörper dabei nach vorne neigt, die Ellenbogen in Nähe der Knie auf die Oberschenkel stützt und den Kopf in die Hand legt. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachmagazin „Techniques in Coloproctology“.

Den Darm nicht stressen

Für welche Variante man sich auch entscheidet: „Manchmal braucht der Darm einfach etwas länger, bis er aktiv wird“, sagt Frieling. „Man sollte sich entspannen und warten, bis die natürliche Darmmotorik einsetzt“, so sein Tipp. Mit Zeitdruck geht man also besser nicht auf Toilette.

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Weitere Tipps für eine gute Verdauung

Die Sitzhaltung allein kann allerdings keine Wunder vollbringen. Wichtig ist auch, dass man auf einen gesunden Lebensstil achtet. Wer ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, sorgt für einen weichen Stuhl und stimuliert die Darmaktivität. Ballaststoffe aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten machen den Stuhl voluminöser und weicher. Regelmäßige Bewegung regt die Eigenbewegung des Darms an. Lässt sich die Verstopfung nicht bekämpfen, sollte man einen Arzt um Rat fragen. Nur wenn die Ursache bekannt ist, lassen sich die Beschwerden langfristig behandeln.

Darum sitzt du falsch auf dem Klo

Die Sitzhaltung beim Stuhlgang ist für uns heute selbstverständlich. Dabei haben die Menschen es seit Anbeginn der Zeit eigentlich ganz anders gemacht – ohne Stuhl, in der Hocke. Ob wir sitzen oder hocken hat erhebliche Auswirkungen auf den Entleerungs-Vorgang.

Hocken wir, haben wir automatisch einen entspannten Beckenbodenmuskel. Das bedeutet, der Darm ist gerade. Gehen wir in die Sitzstellung, wird der Beckenbodenmuskel abgeknickt – die Entleerung erschwert sich.

Röntgenbilder haben gezeigt: Wenn Rücken und Oberschenkel einen Winkel von etwa 90 Grad aufweisen, ist der letzte Teil des Darms gekrümmt. Bei einem Winkel von etwa 20 Grad ist er gerade. Die Entleerung wird leichter.

Außerdem geht es hockend schneller. In einer Studie brauchten Testpersonen in der Hocke weniger als 1 Minute. Im Sitzen waren es mehr als 2 Minuten. Während des Klogangs machen zudem viele Menschen einen entscheidenen Fehler. Sie denken, dass sie pressen müssen, damit der Stuhlgang überhaupt kommt. In Wirklichkeit müssen wir uns dafür aber entspannen. Der Press-Druck hilft gar nicht.

Für die nächste Sitzung heißt das: Druck rausnehmen und entspannen. Gut Ding will eben Weile haben.

Ein mutmaßlicher Drogendealer sitzt in Großbritannien seit mehr als 30 Tagen in Untersuchungshaft und war seitdem nicht auf der Toilette, zumindest nicht zur Darmentleerung. Er soll Drogenbeutel verschluckt haben. Sie sollen der Polizei als Beweis dienen, da der Verdächtige bisher die Aussage verweigert.

Länger als einen Monat kein Stuhlgang – wie ist das möglich? BILD fragte bei Prof. Stefan Christl, Chefarzt Gastroenterologie im Asklepios Klinikum Harburg, nach.

Hintergrund

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„Ausbleibender Stuhlgang über einen längeren Zeitraum ist dann ein Problem, wenn festsitzender Stuhl einen Darmverschluss verursacht. Bewusst unterdrücken kann man den Stuhlgang nur begrenzt, jedenfalls nicht einen Monat lang. Vermutlich wird in dem konkreten Fall auch eine kleine Menge Stuhl ausgeschieden, die erwarteten Beutel jedoch nicht, da sie vielleicht im Magen verblieben sind. Die Form und/oder Größe der Beutel könnten dazu führen, dass sie nicht aus dem Magen entleert werden und dann auch sehr lange dort verbleiben“, erklärt Prof. Christl.

Ab wann wird ein ausbleibender Toilettengang gesundheitsgefährdend?

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Prof. Christl: „Als unbedenklich gilt ein Intervall von einem bis drei Tage, aber auch eine Frequenz von einmal in der Woche, wenn damit keine Beschwerden verbunden sind. Ein echter Darmverschluss ist problematisch und kann ernste gesundheitliche Konsequenzen haben, wenn er nicht behandelt wird. Wenn dies nicht geschieht, kann der Darm perforieren, wodurch der Inhalt in die Bauchhöhle gelangt und zu einer lebensbedrohlichen Entzündung führt.“

Info Darm

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Was können die Gründe sein, wenn für einen längeren Zeitraum der Stuhlgang ausbleibt?

Prof. Christl: „Verschiedene Krankheitsbilder (z.B. Hirschsprungkrankheit bei Kindern), ein träger Darm im fortgeschrittenen Alter, bestimmte Medikamente (z.B. Opiate) und allgemein ein Ballaststoffmangel können die Darmtätigkeit verlangsamen und so zu weniger Stuhlgang oder auch Verstopfung führen.“

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Verdrücken des Stuhlgangs

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In der Tat ist eine Verstopfung und die damit einhergehenden Reaktionen des Kindes manchmal sehr langwierig und nicht so einfach zu behandeln. Zunächst müssen organische Veränderungen wie z. B. Verengungen oder Nervenstörungen im Bereich des Enddarmes sowie Auffälligkeiten in der Zusammensetzung der Blutsalze oder eine Schilddrüsenunterfunktion ausgeschlossen werden.
Häufig wird aber durch irgendwelche Umstände bei den Kindern ein Prozess in Gang gebracht, bei dem sie sich den Stuhldrang unterdrücken und tagelang keinen Stuhlgang haben. Kommt es dann zum großen Geschäft, ist dies meist noch unangenehmer, weil die Schleimhaut angegriffen und der Stuhl natürlich noch härter ist. Dadurch wird ein regelrechter Kreislauf in Gang gesetzt. Chronische Verstopfung ist allerdings nicht zu verharmlosen, sollte sie sehr lange bestehen, führt dies zu Veränderungen der Schleimhaut mit chronischen Entzündungen und auch zu Veränderungen der Nervenversorgung der Schleimhäute, wodurch die Verstopfung nur noch schlimmer wird.
Wichtig ist am Anfang der Behandlung für regelmäßigen Stuhlgang zu sorgen. Unterstützen kann man dies zunächst mit einer ausgewogenen Ernährung. Möglichst viel Obst und Gemüse; Milch und Milchprodukte sollten nicht in übermäßiger Menge verzehrt werden. Das Kind sollte zwar ausreichend trinken, allerdings sollte nicht zuviel zu trinken gegeben werden, da das Kind gerade durch Fruchtsäfte oder Limonaden ein Sättigungsgefühl entwickelt und dann weniger ißt und damit der Darm keine Ballaststoffe bekommt, die er für eine gute Verdauung braucht.
Weiterhin kann es notwendig sein, am Anfang durch kleine Einläufe (z. B. Microklist) für einen regelmäßigen Stuhlgang zu sorgen. Um den Stuhl weich zu bekommen, wird auch Lactulose-Sirup gegeben. Selten werden Medikamente verschrieben, die die Darmtätigkeit direkt anregen, dies bedarf aber einer ärztlichen Kontrolle.
Bei aller Schwierigkeit und notwendiger Konsequenz sollten Sie ach versuchen, den Stuhlgang nicht zum allgegenwärtigen Thema werden zu lassen, sondern etwas Gelassenheit zu zeigen.
Alle diese Maßnahmen wirken nicht schnell und unmittelbar. Da das Problem schon einige Zeit besteht, wird es sicherlich auch einige Zeit brauchen, bis eine Besserung eintritt.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Dr. med. S.-T. Klinke

Darmverschluss kann lebensbedrohlich sein

Von einem Darmverschluss (Ileus) sprechen Ärzte dann, wenn das Verdauungsorgan seine Tätigkeit einstellt und so verstopft. Der Verschluss von Dünn- oder Dickdarm gehört zu den gefährlichsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Wer gefährdet ist und wie man vorbeugt.

Ursache für einen Darmverschluss kann eine Lähmung oder Einengung des Darms, beispielsweise durch einen Tumor, sein. Nicht nur Neugeborene und Kleinkinder können vom Darmverschluss betroffen sein, sondern auch bei Erwachsenen kann der Transport des Stuhlgangs zum Erliegen kommen. So können nach einer Bauchoperation Verwachsungen entstehen, die den Darm einengen. Tumore oder eingeklemmte Bauchwandbrüche können den Abtransport des Stuhls ebenfalls behindern. Doch auch harter Kot kann zum Verschluss führen. Die Verengung im Darm verhindert dann den Abtransport des Stuhls.

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse ist die Hälfte der Darmverschlüsse in Höhe des Dünndarms auf Verwachsungen zurückzuführen. Darmverschlüsse in Höhe des Dickdarms seien zu 60 Prozent durch bösartige Tumore bedingt.

Darmverschluss durch Lähmung des Darm

Doch nicht nur Verengungen im Darm können zu einem Verschluss führen. Auch ein gelähmter Darm kann Schwierigkeiten bereiten. Dazu kommt es beispielsweise aufgrund einer Vergiftung – ausgelöst durch Medikamente, bestimmte Speisen oder Alkohol. Bauchfellentzündungen, Durchblutungsstörungen des Darms sowie hormonelle Störungen – wie sie in der Schwangerschaft auftreten können – gehören ebenfalls zu den Risikofaktoren. Nach Operationen und bei Diabetes mellitus ist das Risiko ebenfalls erhöht.

Erste Symptome meist unspezifisch

Zu den ersten, eher unspezifischen Warnzeichen gehören häufiges Aufstoßen, Bauchschmerzen, Erbrechen, aber auch Übelkeit und Fieber. In vielen Fällen beschleunigt sich zudem der Puls. Der Verschluss kann aber auch mit starkem Durchfall oder blutigem Stuhlgang einsetzen. Ein Arzt sollte dann schnellstmöglich die Ursache klären.

Bleibt der Stuhlgang aus, wird es gefährlich

Ist der Verschluss bereits weiter fortgeschritten, haben Betroffene überhaupt keinen Stuhlgang mehr. Es gehen auch keine Winde mehr ab. Das führt zu heftigen krampfartigen Bauchschmerzen. In schlimmen Fällen wird der Kot sogar erbrochen. Wer operiert wurde oder unter Diabetes leidet, sollte das dem Arzt sagen und ihm auch seinen Verdacht auf einen Darmverschluss mitteilen. Liegt ein Darmverschluss vor, muss schnell gehandelt werden, da dieser ein potentiell lebensbedrohliches Krankheitsbild ist.

Oft hilft nur noch eine Operation

Als erste Maßnahme führen Ärzte dem Betroffenen über einen Tropf Flüssigkeit zu. Dann versuchen sie, mit Hilfe von Medikamenten und Einläufen, den Verschluss zu lösen. Gelingt das nicht, muss häufig operiert werden.

Da hinter einem Darmverschluss vielfältige Ursachen stecken können, ist es oft schwer, vorzubeugen. Wichtig ist, dass die Warnzeichen ernst genommen werden und man sich nicht scheut, einen Arzt aufzusuchen, wenn man unter den oben genannten Symptomen leidet. Das gilt auch, wenn man schon mehrere Tage nicht mehr richtig auf der Toilette war.

Viel trinken für weichen Stuhlgang

Allerdings kann auch harter Kot zu dem Verschluss führen – und hier kann in der Regel jeder etwas tun. Um den Stuhlgang weich zu halten, sollte man viel trinken. Am besten gleich nach dem Aufstehen ein Glas stilles Wasser. Wer sich zudem regelmäßig bewegt, aktiviert seinen Stoffwechsel und regt die Darmtätigkeit an. Zu viel Sitzen dagegen lässt die Darmmuskulatur erschlaffen.

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Wer generell Schwierigkeiten mit dem großen Geschäft hat, kann mit Weizenkleie oder Flohsamen seinen Stuhlgang aufweichen und die Verdauung anregen. Auch getrocknete Früchte wie Pflaumen helfen. Die in Obst, Gemüse und Vollkorn enthaltenen Faserstoffe massieren den Darm ebenfalls und helfen bei der Ausscheidung.

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