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Alkohol in der Schwangerschaft

Alkohol gelangt über die Plazenta zum ungeborenen Kind und kann unterschiedliche negative Auswirkungen auf dessen Entwicklung haben. (wavebreakmedia / )

Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist eine der Hauptursachen für angeborene Fehlbildungen von Kindern. Auch kleine Mengen Alkohol können ausreichend sein, um das ungeborene Kind nachhaltig zu schädigen.

In welcher Form schädigt Alkohol das ungeborene Kind?

Sowohl der Alkohol (Ethanol bzw. Ethylalkohol) als auch dessen Abbauprodukte (Acetaldehyd) gelangen über den Mutterkuchen ungehindert zum Ungeborenen und schädigen die kindlichen Zellen. Das ungeborene Kind ist dabei den gleichen Blutalkoholspiegeln ausgesetzt wie die Mutter.

Durch die Verstoffwechselung von Alkohol entstehen stark toxische Metaboliten, die die kindlichen Zellen angreifen können. Eine ausreichende Zellentwicklung und -vermehrung wird dadurch verhindert, so dass sich Gewebe mangel- oder fehlerhaft entwickeln. Das Gehirn ist dabei besonders empfindlich, Alkohol und seine Abbauprodukte wirken wie ein „Nervengift“. Bei rund 90 Prozent aller alkoholgeschädigten Kinder treten daher Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung auf.

Da die Leber des Kindes noch nicht vollständig ausgebildet ist, kann sie den Alkohol nicht so effektiv und schnell abbauen wie das erwachsene Organ. Der Alkohol sammelt sich, die negative Wirkung auf den Organismus wird dadurch noch verstärkt.

Wird der Embryo – besonders zu Beginn der Schwangerschaft, also in der Zeit der Organentwicklung – immer wieder Alkohol ausgesetzt, können sämtliche Körperzellen Schaden nehmen. Obwohl im Prinzip alle Organe und Organsysteme des entstehenden Kindes in Mitleidenschaft gezogen werden können, sind bei einer typischer Ausprägung bestimmte Körperteile besonders betroffen.

Bei der schwersten Form der Schädigung, welche erstmals 1968 von dem französischen Kinderarzt Paul Lemoine beschrieben wurde, handelt es sich um das Fetale Alkohol-Syndrom (FAS oder auch Alkohol-Embryopathie).

++ Mehr zum Thema: Fetales Alkoholsyndrom ++

Welche Alkoholmenge ist bedenklich?

Verantwortungsvolle Schwangere sollten Alkohol prinzipiell meiden. Es scheint eine individuelle Empfindlichkeit vorzuliegen, weshalb grundsätzliche Angaben zum Ausmaß der Schädigung nicht möglich sind. Je schlechter Alkohol vertragen wird, desto geringer scheint auch die Dosis zu sein, die ausreicht, um gravierende Schäden zu verursachen. Das heißt, auch Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft relativ wenig Alkohol trinken, können deutliche Anzeichen eines FAS aufweisen.

Eine lineare Abhängigkeit des Schweregrades der Alkoholschädigung von der Alkoholmenge ist nicht nachzuweisen. Besonders negativ wirken sich offensichtlich regelmäßiges Trinken und der Konsum hochprozentiger Getränke aus. Zu beachten ist, dass aber auch bereits der gewohnheitsmäßige Genuss von zwei Gläsern Bier oder einem Viertelliter Wein zu einer Reduzierung des kindlichen Intelligenz-Quotienten führen kann.

Als weitere Risikofaktoren für die Entstehung eines fetalen Alkoholsyndroms gelten unter anderem Alkoholkonsum vor allem zu Beginn der Schwangerschaft (im ersten und zweiten Trimenon) bzw. regelmäßiger Alkoholkonsum im Verlauf der gesamten Schwangerschaft.

Das Vollbild der Alkohol-Embryopathie (FAS) wird bei Kindern von Alkoholikerinnen beschrieben. Dabei spielen Grad und Dauer der Abhängigkeit eine entscheidende Rolle. Zudem leiden Alkoholikerinnen häufig unter Unterernährung bzw. unter einem Mangel an Vitaminen und Spurenelementen, was sich zusätzlich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirkt.

Wie wirkt sich Alkohol auf Frauen aus?

Bekanntlich schädigt Alkohol die Leber. Folge davon kann sein, dass Sexualhormone nicht mehr entsprechend abgebaut werden und infolge die Regelkreise zwischen Gehirn und Eierstöcken durcheinander geraten. Daraus erklären sich Störungen der Eireifung und des Monatszyklus, die in einer eingeschränkten Fruchtbarkeit resultieren können.

Wie wirkt sich Alkohol auf Männer aus?

Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Sperma-Qualität beeinträchtigen. Der Anteil der fehlgebildeten Samenfäden steigt, die Samendichte wird reduziert. Somit sollten Männer mit Kinderwunsch auf übermäßigen Alkoholgenuss verzichten – die Zeugungsfähigkeit steht auf dem Spiel. Außerdem wird durch ausgeprägten längerfristigen Alkoholkonsum die sexuelle Lust herabgesetzt. Während das FAS als Konsequenz mütterlichen Missbrauchs beobachtet wird, zeigen Kinder von trinkenden Vätern häufiger Hyperaktivität und beeinträchtigte intellektuelle Fähigkeiten.

Was sollte man bei bestehendem Kinderwunsch tun?

Um etwaige Risiken für das Kind so gering wie möglich zu halten, sollte schon einige Monate vor der Befruchtung auf Alkohol weitgehend verzichtet werden. Unterstützend kann es dabei sein, wenn auch der Partner Alkohol meidet. Zu beachten ist jedoch, dass die Enthaltsamkeit auch noch in der Stillzeit aufrecht erhalten werden sollte, da das gestillte Kind immer mittrinkt!

++ Experteninterview zum Thema: Gefahr von Alkohol in der Schwangerschaft ++

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Autoren:
Dr.med. Kerstin Lehermayr, Dr. Britta Bürger (Erstautorin 2001)

Aktualisiert am: 20.03.2014 | 11:22

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Kein Alkohol in der Schwangerschaft

Frauen, die in der Schwangerschaft Alkohol trinken, können bei ihrem Kind das fetale Alkoholsyndrom (FAS) auslösen. Die betroffenen Kinder sind oft lebenslang motorisch und mental geschädigt.

Das Krankheitsbild

Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) wird auch als Alkoholembryopathie bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein spezifisches polymorphes Fehlbildungssyndrom mit körperlichen Fehlbildungen sowie geistigen, statomotorischen und verhaltensbezogenen Veränderungen beim Kind. Das FAS entsteht während der Schwangerschaft durch mütterlichen Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit. In Deutschland sind bei ihrer Geburt schon etwa 10 000 Kinder pro Jahr durch Alkohol geschädigt. Über 2 000 weisen schwerste Entwicklungsstörungen auf.

Die Schädigungen, die durch intrauterine Alkoholexposition hervorgerufen werden, werden unter dem Oberbegriff Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD, fetal alcohol spectrum disorders) zusammengefasst. Im Vergleich zu anderen neuropädiatrischen Erkrankungen wie z. B. dem Down-Syndrom mit einer Prävalenz von ca. 0,1 bis 0,2 % und der Cerebralparese mit einer Prävalenz von ca. 0,2 bis 0,3 % kommt das Fetale Alkoholsyndrom in Deutschland sehr häufig vor. Das Vollbild des FAS tritt dabei nach Expertenschätzung nur bei ca. 10 % aller Kinder mit pränatalen Alkohol-Folgeschäden auf. Das bedeutet, dass die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) eine der häufigsten angeborenen Erkrankungen darstellt, ohne als solche bislang erkannt und berücksichtigt zu werden.

Da die Symptome beim Neugeborenen nicht immer leicht zu erkennen sind, muss mit einer zusätzlichen hohen Dunkelziffer gerechnet werden. Der Grund: Das embryofetale Gehirn reagiert während der gesamten Schwangerschaft besonders empfindlich auf toxische Substanzen. Daher führt die Alkoholeinwirkung vor der Geburt vor allem zu neurotoxisch-enzephalopathischen Veränderungen beim Kind. Sie treten weit häufiger auf als die sichtbaren körperlichen Merkmale.

Für die Entwicklung eines FAS wurden in USA, Kanada und Europa u. a. folgende Risikofaktoren erhoben:

Alkoholkonsum

  • Hoher Alkoholkonsum
  • Chronischer Alkoholkonsum
  • Alkoholkonsum im 1. und 2. Trimenon im Gegensatz zu Alkoholkonsum ausschließlich im 3. Trimenon
  • Alkoholkonsum während der gesamten Schwangerschaft
  • Zusätzliche Einnahme von Ampheaminen oder multiplen Drogen

Mütterliche Risikofaktoren

  • Alter > 30 Jahre
  • Geringer sozioökonomischer Status
  • Mütterliche Unterernährung, Mangel an Spurenelementen oder Vitaminen
  • Stress
  • Von FASD-betroffenes Kind in der Familie

Entstehung des FAS

Der von der Mutter konsumierte Alkohol gelangt ungehindert über die Plazenta zum Kind und erreicht dort die gleiche Konzentration wie im Körper der Mutter. Dabei wirken sowohl der Alkohol selbst als auch sein Metabolit Acetaldehyd direkt toxisch. Alkohol wirkt dabei auf vielfältige Weise – als Mitosegift, als Störfaktor bei der Organbildung, als neurotoxische Substanz und auch als Suchtmittel. So kann die frühe Gewöhnung des Kindes an Alkohol Neurotransmitter und Endorphine beeinflussen und damit nicht selten das postnatale Suchtrisiko erhöhen.

Schätzungen zufolge entwickeln 20–40 % der FAS-Kinder später selbst eine Alkoholabhängigkeit.

Generell ist der Abbau von Alkohol bei Embryo und Fetus nur sehr gering, da bei ihnen weder die zum Abbau notwendige Alkoholdehydrogenase (ADH) noch die Aldehyddehydrogenase (ALDH) ausreichend entwickelt sind. Zudem ist die Entfernung von Alkohol aus der Amnionhöhle verzögert, wodurch die Einwirkzeit des Alkohols auf Embryo oder Fetus entsprechend verlängert wird. Häufen sich größere Alkoholmengen an, können diese das Ungeborene besonders stark schädigen. Die toxische Gefahr ist daher beim sogenannten Binge-Drinking (gelegentliches Exzessivtrinken) besonders groß.

Die Wirkung des Alkohols unterscheidet sich auch je nach Embryonalphase (von der Konzeption bis zur 10. Schwangerschaftswoche) bzw. Fetalperiode (11. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt). In den ersten 14 Tagen nach der Konzeption wird der Embryo durch das mütterliche Blut ernährt. In dieser Zeit geht man davon aus, dass der Alkoholkonsum der Mutter keine bleibenden Schäden beim Kind verursacht. Nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ können die zu diesem Zeitpunkt noch pluripotenten Zellen mögliche geschädigte Zellen ersetzen. Ist die toxische Störung zu groß, erfolgt ein Frühabort, ggf. auch ohne dass die Schwanger-
schaft als solche bemerkt wird.

In der Phase der Organbildung, die sich über einen Zeitraum von der ersten Schwangerschaftswoche bis zum Beginn der Fetalperiode erstreckt, ist der Embryo besonders sensibel gegenüber allen toxischen Einflüssen.

Die durch Alkohol induzierten Fehlbildungen werden in dieser Zeit ausgelöst. Im zweiten Trimenon gibt es eine starke Assoziation zwischen einem mode raten Alkoholkonsum und Aborten. Für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter ist wichtig zu wissen, dass Alkohol während der gesamten Schwangerschaft in die Gehirnentwicklung des Kindes eingreifen kann. Eine Übersicht, welche alkoholischen Getränke wie viel Alkohol (und Energie) enthalten, zeigt Tabelle 1.

Tabelle 1 | Energie- und Alkoholgehalt alkoholischer Getränke

Alkoholische Getränke Energiegehalt MJ/l Energiegehalt kcal/l Alkoholanteil g/l Alkoholanteil am Brennwert (%)
Vollbier, hell 1,6 390 35 63
Rotwein, leicht 2,7 650 80 86
Rotwein, schwer 3,2 775 95 86
Weißwein 2,9 700 85 85
Sekt 3,5 835 90 75
Weinbrand 9,9 2400 330 96

Pathophysiologische Auswirkungen durch Alkoholkonsum

Der chronische Alkoholkonsum hat auch verschiedene pathophysiologische Auswirkungen, die für die Schwangerschaft von Bedeutung sind. So herrscht im Vitamin- und Mineralstoffwechsel häufig ein Absorptionsmangel vor (Tabelle 2).

Tabelle 2 | Pathophysiologische Auswirkungen durch chronischen Alkoholkonsum

Vitamin Pathophysiologische Auswirkung
Vitamin A Einschränkung des kindlichen Sehvermögens
Vitamin B12 Störung des Erythropoese-Systems mit nachfolgender Anämie
Vitamin D Störung des Calcium-Stoffwechsels mit möglichen Folgen für die fetale Knochenreifung
Folat Gefahr fetaler Spaltbildungen
Vitamin B2 und B6 Polyneuropathien
Vitamin C Verminderung antioxidativer Prozesse (Onkogenese, Infekthäufigkeit)

Im Mineralstoffwechsel wurden Störungen des Zinkstoffwechsels mit möglichen Fehlbildungen durch Zinkmangel nachgewiesen sowie eine gesteigerte Ausscheidung von Magnesium und Calcium mit Auswirkungen auf die Erregbarkeit der Muskulatur (Wadenkrämpfe, Kontraktilität der Uterusmuskulatur).

Diagnostik

Bei der Anamnese sollte möglichst genau der Alkoholkonsum der Schwangeren erfasst werden. Dabei sind die Mengen an Alkohol, der Zeitraum des Konsums sowie das Trinkmuster (Abhängigkeit, Missbrauch oder moderater Konsum) der Schwangeren abzuklären.

Neben dem Alkoholkonsum der Mutter, der teilweise schwer nachzuweisen ist, muss für die Diagnose des FAS auch die Untersuchung des Kindes mehrere Kriterien erfüllen. Dazu zählen prä- und postnatale Wachstumsretardierungen, Dysfunktionen des zentralen Nervensystems (neurologische Auffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen, mentale Retardierung) sowie kraniofaziale Auffälligkeiten (z. B. Mikrozephalus, schmale Lidspalten, Abflachung des Mittelgesichts).

Laut S3-Leitlinie trifft die Diagnose FAS zu, wenn alle der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Wachstumsauffälligkeiten,
  • Faziale Auffälligkeiten,
  • Auffälligkeiten des Zentralen Nervensystems (ZNS),
  • Bestätigte oder nicht bestätigte intrauterine Alkohol-Exposition.

Die Empfehlung, dass für die Diagnose FAS Auffälligkeiten in allen dieser vier diagnostischen Säulen auftreten sollten, ist angelehnt an die bisherigen internationalen Leitlinien zur Diagnostik des FAS. Zudem konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass Auffälligkeiten in nur einer diagnostischen Säule nicht ausreichend für die Diagnose FAS sind. Laut S3-Leitlinie wird jedoch empfohlen, dass, wenn ein Kind Auffälligkeiten in einer der vier diagnostischen Säulen zeigt, die drei anderen diagnostischen Säulen beurteilt oder ihre Beurteilung veranlasst wird.

Derzeit kann keine Schwellendosis für den Alkoholkonsum, ab der eine Schädigung des Kindes eintritt, definiert werden. Daher sollten Frauen während der gesamten Schwangerschaft (und Stillzeit) auf Alkohol verzichten.

Dabei ist besonders wichtig, dass alle professionellen Helfer – z. B. Pflegepersonal, Hebammen, Ärzte – hinsichtlich der klinischen Auffälligkeiten eines FAS sensibilisiert und dazu ermutigt werden sollen, ihren Verdacht auszusprechen und die notwendige Diagnostik in die Wege zu leiten.

Symptomatik

Die Symptome des FAS können sich von Fall zu Fall deutlich unterscheiden. Tabelle 3 gibt einen Überblick über das gesamte Spektrum der Symptome bei FAS. Neben den hier aufgeführten Symptomen gibt es auch schwächere Krankheitserscheinungen, sogenannte Alkoholeffekte, mit überwiegend neurotoxischen Auswirkungen. Dazu zählen etwa Hirnfunktionsstörungen (z. B. fein- und grobmotorische Störungen), Hirnleistungsschwächen des Groß- und Kleinhirns (z. B. intellektuelle Leistungsminderung und Merkschwächen) und Verhaltensstörungen (z. B. Ungehemmtheit, unangepasstes Sozialverhalten).

Zu den Spätfolgen, die bis ins Erwachsenenalter bestehen, zählen die Mikrozephalie sowie psychische, neurologische und mentale Entwicklungsstörungen. Die Merkmale des FAS im Gesicht lassen sich dagegen mit zunehmendem Alter immer weniger gut erkennen.

Tabelle 3 | Überblick über das gesamte Spektrum der Symptome bei FAS

Kardinalsymptome Kraniofaziale Dysmorphie Fakultative Syndrome
Min­der­wuchs und Un­ter­ge­wicht
(vor- und nachgeburtlich)
Auge
klein,
schmal,
zum Teil verschieden groß,
nach unten gestellte Lidachsen,
„Mongolenfältchen“
Kardiovaskuläre Fehlbildungen
Herzfehler Hämangiom
Kleinköpfigkeit (Mikrozephalie) Ohr
nicht ausgeformt,
oft tief angesetzt,
schräg stehend,
nach hinten gedreht
Urogenitale Fehlbildungen
Nierenfehlbildung
Hypospadie
Kryptorchismus
Klitorishypertrophie
Steißbeingrübchen
Leistenbruch
Mentale und statomotorische Entwicklungsverzögerung
Sprach- und Hörstörungen
Ess- und Schluckstörungen (bei Säuglingen)
Hyperaktivität/Verhaltensstörungen
Muskelhypotonie,
feinmotorische Dysfunktion/
Koordinationsstörungen
Nase
Nasolabialfalten
Stupsnase
Extremitäten- und Skelettfehlbildungen
Verkürzung und Beugung des Kleinfingers
Bleibende Verkrümmung des Kleinfingers
Verwachsung von Elle und Speiche
Unterentwicklung der Fingerendglieder
Hüftluxation
Kleine Zähne
Trichterbrust
Mund
schmales Oberlippenrot
hoher Gaumen/Gaumenspalte
wenig modelliertes Philtrum

Gibt es einen toxischen Schwellenwert für Alkohol?

Bei der Wirkung von Alkohol in der Schwangerschaft wirken viele Faktoren zusammen. So spielt neben den genetischen Faktoren der Mutter auch ihr Alkoholstoffwechsel eine wichtige Rolle. Zusätzlich zum Entwicklungsstadium des Embryos oder Feten ist auch die Alkoholdosis entscheidend (steigende Dosis erhöht
Toxizität).

Bei der Anamnese sind die Angaben zum Alkoholkonsum nicht immer verlässlich, sodass die tatsächlichen Konsummengen nur schwer einschätzbar sind. Außerdem können auch andere Faktoren wie Nikotin, Drogen, Mangelernährung, Sozialstatus und Medikamente den Verlauf entscheidend beeinflussen. Eine Schwellendosis ist daher bis heute nicht bekannt. Als gesichert gilt dennoch, dass ein Alkoholkonsum von 30 g Alkohol pro Tag zu einem milden FAS führt und bei einem Konsum von 60 g Alkohol pro Tag schwere Formen des FAS entstehen.

Auch in der Stillzeit sollte die Mutter keinen Alkohol trinken. Da die Alkoholkonzentration im Blut und in der Muttermilch annähernd parallel verläuft, hat regelmäßiger Alkoholkonsum auch in der Stillzeit Auswirkungen auf die mentale und motorische Entwicklung des Kindes. Bereits bei einem täglichen Konsum von 15 g Alkohol der Mutter zeigen gestillte Kinder deutliche Retardierungen in ihrer Entwicklung.

Fazit

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann beim ungeborenen Kind das fetale Alkoholsyndrom (FAS) auslösen und das Kind lebenslang schädigen. Unter den vielen möglichen Schädigungen sind vor allem Wachstumsretardierungen, Gesichtsveränderungen und Auffälligkeiten des zentralen Nervensystems zu beobachten. Da FAS nicht immer eindeutig und leicht zu erkennen ist, geht man zusätzlich zu den diagnostizierten Fällen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Bisher konnte kein toxischer Schwellenwert definiert werden, ab dem ein Kind nachweislich durch Alkohol geschädigt wird. Das hängt mit vielen verschiedenen Faktoren wie dem Alkoholstoffwechsel der Mutter, der Menge des konsumierten Alkohols sowie dem Entwicklungsstadium des Feten zusammen. Schwangere sollten
daran denken, dass Alkohol das ungeborene Kind in jedem Stadium der Entwicklung schädigen kann. Sie sollten daher in der Schwangerschaft vollständig auf Alkohol verzichten. Das gilt ebenso für die Stillzeit, da Alkohol auch in die Muttermilch übergeht.

Idealerweise werden nicht nur Schwangere, sondern alle Frauen im gebärfähigen Alter über den schädigenden Einfluss von Alkohol in der Schwangerschaft informiert. Hier können besonders Frauenärzte und Ernährungsfachkräfte zur Aufklärung beitragen.

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Alkoholfrei durch die Schwangerschaft – Ein Beratungsleitfaden für die Schwangerenvorsorge, 2009
  2. Biesalski HK, Bischoff SC, Puchstein C (Hrsg.): Ernährungsmedizin, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 4. Auflage (2010)
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck (2013)
  4. Landgraf M, Heinen F: S3-LeitlinieDiagnostik des Fetalen Alkoholsyndroms, Kurzfassung, AWMF-Registernr.: 022-025, 2012
  5. Lucas BR, Latimer J, Pinto RZ et al.: Gross Motor Defi cits in Children Prenatally Exposed to Alcohol: A Metaanalysis. Pediatrics 134 (2014) e192–e209
  6. Pei J, Denys K, Hughes J et al.: Mental health issues in fetal alcohol spectrum disorder. J Ment Health 20 (2011) 438–448

Hat Alkohol schon in den ersten Wochen einer Schwangerschaft einen negativen Einfluss?

Bei Mäusen konnten finnische Wissenschaftler zeigen, dass Alkohol schon zu Beginn der Schwangerschaft bestimmte Genfunktionen im Gehirn der Nachkommen verändert. Die frühe Alkohol-Exposition war auch später bei den erwachsenen Tieren an den Gehirnstrukturen ersichtlich. Der Zeitpunkt des Alkoholkonsums bei trächtigen Mäusen entsprach den Wochen 3 bis 6 beim menschlichen Fötus.

Darüber hinaus fanden die Experten auch in anderem Gewebe ähnliche Änderungen von Genfunktionen bei den Mäusen, die am Anfang ihrer embryonalen Entwicklung Alkohol ausgesetzt waren. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Alkohol dauerhafte Änderungen der Genregulation in den ersten Zellen des sich entwickelnden Embryos auslöst.

Wird ein ungeborenes Kind während der Schwangerschaft Alkohol ausgesetzt, kann dies für das Kind viele negative Folgen haben, wie z.B. Lernschwierigkeiten sowie angeborene Fehlbildungen. Welche Mechanismen durch Alkohol ausgelöst werden und wie sie die fetale Entwicklung beeinflussen, ist noch nicht vollständig erforscht. Auch die Diagnose alkoholbedingter Schädigungen beim Kind ist schwierig.
Beim Mausmodell, wo das Muttertier in der frühen Schwangerschaft Alkohol getrunken hatte, zeigten die Nachkommen ähnliche Symptome wie beim fetalen Alkoholsyndrom (FAS) des Menschen: geringeres Wachstum, Veränderungen des Gesichts und der Schädelstrukturen sowie Hyperaktivität.
Die frühe Schwangerschaft ist eine besonders aktive Phase der Zellteilung und der Differenzierung. In diesem Stadium reagiert der Embryo besonders empfindlich auf äußere Einflüsse und alle Änderungen dieser Zeit können verschiedene Gewebe beeinflussen.

Die Studie unter der Leitung von Dr. Nina Kaminen-Ahola sollte überprüfen, ob Alkohol in der frühen Schwangerschaft Änderungen im Epigenom zur Folge haben kann, das die Gene des Embryos reguliert. Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler, ob die Änderungen später in der Gen-Funktion und Gehirnstruktur der Nachkommen zu sehen seien.

Die Forschung konzentrierte sich auf den Hippocampus, einer Hirnstruktur, die wichtig für das Gedächtnis und das Lernen ist. Es ist bekannt, dass er besonders empfindlich auf Alkohol reagiert. In der Studie veränderte die frühe Alkohol-Exposition sowohl das Epigenom als auch die Funktion von mehreren Genen im Hippocampus der Mäuse-Babys. Auch noch als erwachsene Tiere zeigten diejenigen Mäuse, die in ihrer embryonalen Entwicklung mit Alkohol in Kontakt kamen, veränderte Strukturen u.a. im Hippocampus, im Knochenmark und bei den Riechkolben.

„Die Ergebnisse unterstützen unsere Annahme, dass Alkohol in einem sehr frühen Stadium dauerhaft die Genregulation verändert“, fasste Forscherin Nina Kaminen-Ahola zusammen.

4 Alkohol-Mythen zum Thema Schwangerschaft

Mindestens jede siebte Schwangere trinkt einmal im Monat Alkohol. Manche von ihnen auch häufiger. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es Schätzungen, die besagen, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 10.000 Kinder mit alkoholbedingten Folgeschäden zur Welt kommen. Beide Zahlen hängen zusammen. Denn der Alkoholkonsum der Mutter hat direkten Einfluss auf die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes. Wir wollen deshalb den Tag des alkoholgeschädigten Kindes am 9. September nutzen, um mit einigen Mythen aufzuräumen, die sich um das Thema „Alkohol in der Schwangerschaft“ ranken.

Mythos 1: Ein Gläschen Alkohol während der Schwangerschaft wird schon nicht schaden.

Das gern herangezogene „Gläschen in Ehren“ gibt es nicht, wenn Sie schwanger sind. Schon kleine Mengen Alkohol können schwerwiegende Folgen für die Entwicklung Ihres Kindes haben. Deshalb gelten die üblichen Grenzwerte für risikoarmen Konsum in dieser Zeit nicht. Jedes Glas Alkohol ist zu viel. Denn während der Schwangerschaft sind Mutter und Kind über die Nabelschnur und die Plazenta verbunden. Der Alkohol erreicht dadurch genauso schnell den Blutkreislauf des Kindes wie den der Mutter. Nur kann das ungeborene Kind den Alkohol längst nicht so schnell abbauen wie Sie, da seine Organe noch nicht voll entwickelt sind. Der schädliche Alkohol zirkuliert deshalb deutlich länger im Blutkreislauf des Kindes als in dem der Mutter.

Was aber, wenn Sie noch gar nicht wussten, dass Sie schwanger sind und in der ersten Zeit Alkohol getrunken haben? Viele Frauen befürchten, dass sie damit dem Kind geschadet haben könnten. Die Sorge ist in der Regel unbegründet, denn die Natur verfährt in den ersten 14 Tagen nach der Befruchtung nach dem sogenannten Alles-oder-Nichts-Prinzip. Ist eine Eizelle in diesem frühen Stadium schwer geschädigt, teilt sie sich nicht weiter und wird meist unbemerkt vom Körper wieder abgestoßen. Ist die Eizelle gesund, nistet sie sich etwa 10 bis 14 Tage nach der Befruchtung in der Gebärmutter ein. Ab jetzt wird der Embryo über den Blutkreislauf der Mutter mit Nährstoffen versorgt. Falls Sie sich Sorgen machen, weil Sie erst später von Ihrer Schwangerschaft erfahren haben, sprechen Sie darüber offen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

Mythos 2: Alkohol schadet doch nur in der Spätschwangerschaft.

Alkohol ist in jeder Phase der Schwangerschaft ein Gesundheitsrisiko für das ungeborene Kind. Welche Auswirkungen der Alkohol aber genau hat, unterscheidet sich je nach Entwicklungsphase. Zusammengefasst lässt sich sagen: In der Frühphase der Schwangerschaft verursacht Alkohol in der Regel schwerwiegende körperliche Schäden. Alkoholkonsum im späteren Verlauf der Schwangerschaft kann zu Wachstumsstörungen, nervösen Auffälligkeiten und geistigen Entwicklungsstörungen beim Kind führen. Im schlimmsten Fall leiden Kinder unter dem sogenannten „Fetalen Alkoholsyndrom“ (FAS) und das möglicherweise ihr ganzes Leben. Kinder mit FAS können beispielsweise mit körperlichen Missbildungen oder geistigen Entwicklungsstörungen zur Welt kommen.

Mythos 3: Es kommt darauf an, was man trinkt.

Ob Sie Bier, Schnaps, Wein oder einen Cocktail trinken, macht keinen Unterschied. Jede Art von Alkohol schadet Ihrem ungeborenen Kind. Zwar haben die Getränke jeweils einen unterschiedlichen Alkoholgehalt. Doch mit jedem Standardglas nehmen Sie die gleiche Menge reinen Alkohols, nämlich 10 bis 11 Gramm, zu sich. 0,1 Liter Wein hat damit die gleiche Wirkung wie ein kleines Bier (0,25 Liter) oder ein Glas Schnaps (4 Zentiliter).

Mythos 4: Sekt regt in der Stillzeit die Milchproduktion an.

Das Gegenteil dieses weitverbreiteten Mythos ist der Fall. Untersuchungen zeigen, dass Alkoholkonsum den Milchfluss eindämmen kann. Darüber hinaus steigt nicht nur der Alkoholgehalt in Ihrem Blutkreislauf, sondern auch in der Muttermilch. Und da sich nicht immer voraussagen lässt, wann Ihr Kind das nächste Mal gestillt werden will, sollten sie nicht darauf setzen, dass der Alkohol in Ihrem Blut bis dahin bestimmt wieder abgebaut ist. Besser Sie verzichten auch während der Stillzeit noch ganz auf Alkohol.

1.- 4. Schwangerschaftswoche (SSW)

3. SSW – die Schwangerschaft beginnt

Zu Beginn der 3. SSW beginnt die eigentliche Schwangerschaft. Unmittelbar nach der Befruchtung befinden sich im Inneren des Eis zwei Zellkerne: der Kern der Eizelle mit den weiblichen Erbanlagen und der Kopf des Spermiums mit den männlichen Erbinformationen. Mit ihrem Verschmelzen entsteht der einzigartige genetische Code eines neuen Menschen. Wenig später wird sich diese Ursprungszelle (Zygote) erstmals teilen und damit zum Ausgangspunkt von Milliarden weiterer Zellen.

Am zweiten Tag nach der Befruchtung besteht dieses Zell-Cluster aus vier, einen Tag später bereits aus acht Zellen. In der 3 SSW ähnelt sein Aussehen zunächst einer Maulbeere (lateinisch: Morula), Wissenschaftler sprechen deshalb auch vom Morula-Stadium der Embryonalentwicklung. Einen Tag später bildet sich im Inneren des Zell-Clusters ein Hohlraum aus – die Morula hat sich zur Keimblase (Blastozyste) fortentwickelt, die aus zwei verschiedenen Zelltypen besteht:

Aus den Embryoblasten entwickelt sich der eigentliche Embryo – das Baby trägt bis zum Ende des ersten Trimesters diesen wissenschaftlichen Namen, erst nachdem alle wichtigen Organanlagen ausgebildet sind, wird es als Fötus bezeichnet werden. Aus den Trophoblasten entsteht die Plazenta (Mutterkuchen), die zusammen mit der mit ihr verbundenen Nabelschnur später die Nähr- und Sauerstoffversorgung des Babys übernimmt und die Abfallprodukte seines Stoffwechsels entsorgt.

Während der 3. SSW wandert der Embryo unermüdlich aus dem Eileiter zum Uterus, den er gewöhnlich zum Beginn der folgenden Schwangerschaftswoche erreicht. Bei seiner Ankunft in der Gebärmutter besteht er bereits aus etwa 70 bis 100 Zellen. Äusserliche Anzeichen der Schwangerschaft sind in diesem frühen Stadium noch nicht zu sehen, die meisten Frauen wissen in der 3. SSW noch gar nicht, dass sie schwanger sind.

Die Befruchtung leitet jedoch eine Vielzahl von hormonellen Veränderungen ein, die für den Erhalt der Schwangerschaft und die weitere Embryonalentwicklung sorgen. Unmittelbar nach dem Eisprung hat beispielsweise das Eizellbläschen als Gelbkörper (Corpus Luteum) eine neue Aufgabe übernommen: Es produziert jetzt das Gelbkörperhormon Progesteron, das den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut bewirkt und für die Einnistung der Eizelle damit von entscheidender Bedeutung ist.

4. SSW – alles oder nichts!

Durchschnittlich sieben Tage nach der Befruchtung und zu Beginn der 4. SSW nistet sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter ein. In dieser Phase entscheidet sich nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“, ob die Schwangerschaft erhalten bleibt.

Unmittelbar vor der Einnistung (Nidation) kann der Embryo besonders leicht durch äussere Einwirkungen geschädigt werden. Falls es dem gerade entstehenden Organismus nicht gelingt, eine solche Schädigung zu kompensieren, stoppt seine Entwicklung – die Keimblase wird dann zusammen mit der nächsten Periode „ausgespült“.

Kurz vor der Nidation schlüpft der Embryo aus der ihn umgebenden Hülle aus und bohrt sich danach in die Uterusschleimhaut ein, bis er vollkommen von ihr überzogen ist. Zwischen den Embryoblasten und den Trophoblasten bilden sich jetzt die Fruchthöhle sowie der Dottersack, der in den nächsten Wochen für die Nährstoffversorgung des Embryos sorgen wird. Um das eingenistete Ei herum bildet sich ab jetzt die Plazenta aus. Gegen Ende der 4. Schwangerschaftswoche misst der Embryo nur einen halben Millimeter – bis zur Geburt erreicht das Baby eine Länge von etwa 51 bis 52 Zentimetern und ein durchschnittliches Gewicht von rund 3.200 Gramm.

Drei Keimblätter als Organanlagen

Bis zur 4. SSW sind die Embryonalzellen pluripotent – aus jeder Zelle könnte sich theoretisch jedes beliebige Organ entwickeln. Ab dieser Woche setzt die zelluläre Spezialisierung ein. Aus den Embryoblasten entwickelt sich die sogenannte Keimscheibe, die eine rundliche Form besitzt. Sie wird aus zwei und bald darauf aus drei Keimblättern gebildet:

  • Aus dem inneren Keimblatt (Entoderm) werden im Verlauf der Embryonalentwicklung die meisten inneren Organe – unter anderem Lungen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Harnblase und Harnröhre sowie der innere Verdauungstrakt – entstehen.
  • Aus dem mittleren Keimblatt (Mesoderm) entwickeln sich Herz und Blutgefässe, Bindegewebe und Skelett, die glatte Muskulatur der Eingeweide, die Milz, Blutkörperchen und das Lymphsystem, die Nieren sowie die Keimdrüsen und die inneren Geschlechtsorgane.
  • Aus dem äusseren Keimblatt (Ektoderm) bilden sich Haut, Nervensystem und Sinnesorgane.

Erste Schwangerschaftszeichen bei der Mutter

In der 4. SSW verspüren viele Frauen die ersten körperlichen Signale der Schwangerschaft. Durch das Einnisten des Embryos in die Gebärmutter kann es zur sogenannten Nidationsblutung kommen, die sich als leichte Schmierblutung bemerkbar macht. Oft beginnen die Brüste in dieser Woche schmerzhaft zu ziehen und zu spannen, bei einigen Frauen wird bereits jetzt die Haut der Warzenhöfe dunkler.

Die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron verlangsamt zum Schutz des Embryos den Ablauf aller Körpervorgänge der Schwangeren, sorgt aber auch dafür, dass diese sich häufig müde fühlt und sich die ersten schwangerschaftsbedingten Verstopfungen melden.

Einige Frauen verspüren in der 4 SSW bereits die ersten Schwangerschaftsbeschwerden: Morgenübelkeit, vermehrter Speichelfluss sowie eine emotionale „Berg-und Talfahrt“, die sie durch das gesamte erste Trimester der Schwangerschaft begleiten wird.

Frauen, die regelmäßig viel trinken, wurden auch untersucht und es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei ihnen niedriger war.

Viele Frauen verzichten trotzdem ganz auf Alkohol, wenn sie schwanger werden möchten, weil sie nichts riskieren wollen. Denn dass man schwanger ist, bemerken viele Frauen erst nach einigen Wochen. Und sie wollen dem Fötus nicht schaden. Allerdings gibt es in diesem Bereich noch viele offene Fragen: Es ist zum Beispiel nicht klar, wie der Alkohol wirkt und welche Mengen schädlich sind.

Entwicklungsphase des Fötus ausschlaggebend

Im Moment gehen die Forscher davon aus, dass der Zeitpunkt der Schwangerschaft eine Rolle spielt. Das bedeutet, wenn eine Frau in einer wichtigen Entwicklungsphase des Embryos Alkohol trinkt, kann das Kind Organ- oder Nervenschäden davon tragen. Eine andere Frau trinkt vielleicht häufiger, dem Kind passiert aber glücklicherweise nichts, weil es sich in einem anderen Stadium befindet, in dem es nicht so anfällig ist. Darum gilt während der Schwangerschaft: Jeder Tropfen Alkohol kann schaden.

Übrigens: die zugehörigen Männer wurden in der Studie nicht untersucht. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Alkohol die Spermienqualität deutlich senken kann, auch schon in moderaten Mengen.

Während der gesamten Schwangerschaft bilden Sie und Ihr Baby eine Einheit: Ihre Körper sind über die Nabelschnur und die Plazenta verbunden. Wenn Sie in der Schwangerschaft alkoholische Getränke zu sich nehmen, verbreitet sich der Alkohol nicht nur schnell in Ihrem Körper, er erreicht auch rasch den Blutkreislauf Ihres ungeborenen Kindes. Innerhalb weniger Minuten haben Sie und Ihr Kind den gleichen Alkoholspiegel.

Im Gegensatz zu Ihnen braucht Ihr ungeborenes Baby aber sehr viel länger, um den Alkohol abzubauen. Seine Organe sind noch nicht voll entwickelt. Deswegen fällt es seinem Organismus viel schwerer, den Blutalkoholspiegel wieder zu senken. Der Körper Ihres Babys ist also der schädigenden Wirkung des Alkohols sehr viel länger ausgesetzt.

Alkohol schadet dem werdenden Kind

Schon ein einziger erhöhter Alkoholkonsum reicht aus, um die Gesundheit des werdenden Kindes zu gefährden. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob Sie Alkohol in den ersten Wochen der Schwangerschaft trinken oder zum Ende hin. Alkohol ist ein Zellgift, das Organe und Nerven des entstehenden Kindes zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft angreifen kann und damit in allen Entwicklungsstadien eine große Gefahr für die Entwicklung des Embryos und Fötus birgt. In den ersten 14 Tagen nach der Befruchtung allerdings gilt das sogenannte Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Verzichten Sie deshalb während der gesamten Schwangerschaft und auch in der Stillzeit Ihrem Baby zuliebe völlig auf alkoholische Getränke. Wenn es Ihnen schwerfällt, bietet das IRIS-Onlineprogramm Hilfestellung. Auch Ihr Partner kann Sie unterstützen.

Heuchelei in der Gesellschaft

Manchmal kann Reinhold Feldmann gallig werden. Der heuchlerische Umgang mit Bier & Co, das „Schmuddel-Image“ von DEN Trinkern, die ja so ganz anders sind als man selbst, obwohl fast jeder trinkt, macht seine Arbeit oft zu einem Kampf gegen Windmühlenflügel. Das kann zuweilen frustrieren.

Laut Erhebung des Robert-Koch-Institutes genehmigen sich 14 Prozent der Schwangeren regelmässig Wein, Sekt oder Bier. Die Metastudie an 400 Einzel-Forschungen des Centers of Addiction and Mental Health in Toronto spricht von 26 Prozent; eine Umfrage der Berliner Charité von 2002 gar von 58. Zehn Prozent der trinkenden Schwangeren, so die Schweizerische Fachstelle für Alkoholprobleme, giessen sich zwei- bis viermal im Monat ein Glas ein. Zwei Prozent stossen mehrmals wöchentlich an.

Wer will schliesslich Spassbremse sein in einer Gesellschaft voller Feierabend-Drinks, dem Bierchen zur Entspannung und Wein zum Nachtessen? Besonders junge, kluge und erfolgreiche Frauen legen – entgegen aller Smoothie-, Rohkost- und Yoga Gesundheitstrends − beim Alkohol zu.

Öffentlich statt heimlich

Schliesslich arbeiten sie wie Männer, gehen aus wie Männer − warum dann nicht auch tüchtig schlucken wie die? Doch während Männer im Alter von 25 Jahren am meisten in sich hineinschütten, steigt der Alkoholkonsum bei Frauen bis zum Alter von 40 Jahren kontinuierlich an. Dazwischen liegt die Phase, in der sie schwanger werden.

„Ob Frauen heute wirklich mehr trinken als früher, das weiss ich nicht“, sagt Margot Matthis, Chefärztin der Frauenfachklinik für Suchterkrankungen Wysshölzli in Herzogenbuchsee. „Vielleicht trinken sie nur nicht länger wie früher heimlich zu Hause, sondern öffentlich.“ Ins Wysshölzli kommen Frauen, wenn der Alkohol ihr Leben im Würgegriff hat. Hier sollen sie lernen, sich daraus zu befreien, ihren Alltag wieder selbst zu gestalten. Am besten ohne Alkohol. Ein paar vielleicht mit ab und an einem Glas.

„Keinem Glas in der Schwangerschaft allerdings“, sagt Margot Matthis und ist sich mit Reinhold Feldmann vollkommen einig. „Nein, auch kein Schlückchen“, findet der Münsteraner Wissenschaftler. „Denn seien wir mal ehrlich: dieses Schlückchen ist doch lebensfremd. Kennen Sie jemanden, der eine Flasche Bier aufmacht, ein Schlückchen trinkt und den Rest wegschüttet? Na, bitte.“

Feilschen um Schlückchen und Gläschen nervt Reinhold Feldmann ähnlich wie das Gemäkel, man dürfe niemanden bevormunden, bloss niemandem reinreden. Tatsachen zu benennen, das ist für ihn keine Bevormundung, sondern Pflicht. „Und eine Tatsache ist: Wir kennen derzeit kein schlimmeres Gift für Ungeborene als Alkohol. Heroin-Babys leiden nach der Geburt zwar unter Entzugserscheinungen. Aber sie können sich erholen und normal entwickeln. Alkohol-Babys bleiben lebenslänglich geschädigt.“

Bei Gisela Michalowski quengelt ihr jüngstes FAS-Kind jetzt lautstark. Es hat Hunger, es mag nicht mehr warten, es schnieft. Das Stimmchen wird weinerlich wie von einem Kleinkind. 11 Jahre ist es alt.

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