11 und schwanger

Karriere: „Ich bin schwanger“ – wie sag ich es meinem Chef

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Der Teststreifen ist blau, die Gewissheit da: „Ich bin schwanger.“ Nach der ersten Freude plagen viele berufstätige Frauen aber auch unzählige Fragen. Sie sind sich vor allem unsicher, wie und wann sie ihren Chef über die Schwangerschaft informieren sollen. „Bei der Mitteilungspflicht der Schwangerschaft an den Arbeitgeber handelt es sich um eine Soll-Vorschrift“, erklärt der Arbeitsrechtler Martin Hensche aus Berlin. Das heißt: Die Frau soll – muss aber nicht – ihren Arbeitgeber unterrichten. „Die Schwangere ist de facto frei in der Wahl des Zeitpunkts.“

Diese Freiheit sollten sich Frauen auch nehmen, rät Arbeitswissenschaftlerin Frauke Greven aus Köln. Mit ihrer Agentur „spielraum“ berät sie Frauen in Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Die Schwangere sollte das Selbstbewusstsein haben, ihren Chef erst zu informieren, wenn sie sich selbst ganz sicher ist.“ Immerhin besteht in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Und die werdende Mutter muss sich auch erst einmal an den neuen Zustand gewöhnen.

Wen die Morgenübelkeit plagt, der sollte dennoch so früh wie möglich ein Gespräch mit dem Chef suchen. „Spätestens wenn die Kollegen etwas merken oder es gar wissen, ist es besser, mit dem Arbeitgeber zu reden“, sagt Beraterin Greven. „Denn der Flurfunk ist sehr schnell.“ Damit das Gespräch in einer stressfreien Atmosphäre abläuft, rät sie, es terminlich zu planen – und das Thema nicht zwischen Tür und Angel anzusprechen. „Also auch lieber nicht an einem Montagmorgen oder Freitagnachmittag den Chef damit überraschen“, sagt Greven.

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Vor dem Gespräch sind viele Frauen nervös. Manchmal zu Recht, wie Annette Rethemeier, Beraterin bei pro familia in Hamburg, weiß: „Es gibt auch Arbeitgeber, die die Frauen spüren lassen, dass sie Schwangere und junge Mütter in ihrem Betrieb nicht schätzen.“ Wer sich im Voraus auf eine entsprechend kühle Reaktion des Chefs einstellt, ist während des Gesprächs weniger enttäuscht.

Frauen in leitenden Positionen haben Angst vor dem Abstieg

Insbesondere Frauen in leitenden Positionen stoßen nach Erfahrung von Pro-familia-Beraterin Rethemeier nicht immer auf das Wohlwollen des Arbeitgebers. „Sie haben daher oft Angst, ihre leitende Position zu verlieren.“ Aus diesem Grund, verschweigen einige Frauen monatelang, dass sie schwanger sind – und verzichten damit auf wichtige Mutterschutzregeln. Denn erst wenn der Arbeitgeber von der Schwangerschaft weiß, kann er diese Regeln berücksichtigen. Unter anderem dürfen Schwangere nicht mit schweren körperlichen Arbeiten beschäftigt oder gesundheitsgefährdenden Stoffen oder Strahlen ausgesetzt werden.

Auch dürfen werdende Mütter nicht mehr als 8,5 Stunden täglich oder 90 Stunden in der Doppelwoche beschäftigt werden. Für alle schwangeren Angestellten gilt laut Mutterschutz dagegen ein besonderer Kündigungsschutz – nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch vier Monate nach der Entbindung noch, sagt Hensche. Angestellte, die noch in der Probezeit sind, brauchen auch keine Angst um ihren Job zu haben: „Die Probezeit ist beendet, sobald die Frau ihrem Chef sagt, dass sie schwanger ist“, erläutert Rethemeier. Ist der Arbeitsvertrag befristet, lässt sich das durch eine Schwangerschaft aber nicht aufheben.

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Probleme zwischen Arbeitgeber und Angestellter kommen nach Erfahrung von Rechtsanwalt Hensche oft erst dann auf, wenn die Frau wieder in den Job einsteigen will. „Manchmal haben sich in der Zwischenzeit die Strukturen im Betrieb geändert, und der Arbeitgeber hat keine passende Stelle mehr für die Frau“, sagt Hensche. Zum Teil wünschen sich die Mütter auch eine Teilzeitstelle, die der Arbeitgeber nicht bieten kann oder will.

Damit es dann nicht zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommt, rät Familienberaterin Greven, das Thema Wiedereinstieg frühzeitig anzusprechen. „Hier sollte die werdende Mutter bereits so früh wie möglich konkret werden und ruhig auch eigene Ideen vortragen.“

Als sie schwanger wurde, arbeitete Kerstin B. in einem großen deutschen Unternehmen. Sie vertraute auf das gute Verhältnis zu ihrem Chef und unterrichtete ihn früh über das bevorstehende Ereignis. Der freute sich zwar für sie. Gleichzeitig schloss er eine Rückkehr in seine Abteilung nach dem gewünschten Jahr Elternzeit jedoch von vorneherein aus. Die Ansage des Chefs sprach sich unter den Kollegen schnell herum. In wichtige Prozesse banden einige Kollegen Kerstin B. nun nicht mehr ein. „Man musste sich mit mir nicht mehr arrangieren“, erinnert sie sich.

Damit ist Kerstin B. kein Einzelfall. Eine Schwangerschaft wirkt sich für Frauen im Job oft negativ aus. Das zeigt eine Umfrage der Fachhochschule Frankfurt am Main unter rund 1800 berufstätigen Müttern. Demnach sagten fast drei von vier Frauen (72 Prozent), dass anstehende Karriereschritte während der Schwangerschaft auf Eis gelegt oder sogar gestrichen wurden. Bei einem Teil standen während der Schwangerschaft Gehaltserhöhungen an. Von ihnen sagte jede Zweite (48 Prozent), dass die Gehaltserhöhung vermindert oder sogar gestrichen wurde.

Wann also sollte eine Frau ihrem Chef über die Schwangerschaft Bescheid sagen? Und wie? Dem Mutterschutzgesetz zufolge ist die Situation eindeutig: Frauen sollen den Arbeitgeber über ihre Schwangerschaft unterrichten, sobald sie davon wissen. Sie müssen ihn allerdings nicht informieren. Wann sie den Chef informieren will, bleibt jeder Frau selbst überlassen: Grundsätzlich könnten Frauen den Zeitpunkt frei wählen, erläutert Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht.

In der Praxis sagen die meisten vor dem dritten Monat nichts, da es bis dahin ein erhöhtes Risiko gibt, das Kind zu verlieren. Danach sollten Arbeitnehmerinnen aber nicht zu lange warten. „Wenn man ohne Not die Mitteilung hinauszögert, schadet man sich und dem Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber“, warnt Christian Vetter vom Bundesverband der Personalmanager.

Letztendlich muss aber jede Schwangere selbst entscheiden, wann der ideale Zeitpunkt für die Information des Vorgesetzten ist. Wichtig ist es dabei, dem Chef von dem Ereignis nicht zwischen Tür und Angel zu erzählen, sondern sich einen Termin für ein ruhiges Gespräch geben zu lassen. Gut zu wissen: Der Vorgesetzte darf die Information nicht weitergeben, wenn die Frau das nicht will. Auch die Einbindung des Betriebsrats ist nach Ansicht des Arbeitsgerichts Berlin gegen den Willen der Schwangeren unzulässig (Az.: 76 BV 13504/07).

Während der Schwangerschaft haben Frauen besondere Rechte, erläutert Christa Holste vom Familienbüro Lüneburg. Vom Beginn der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Entbindung genießen Frauen Kündigungsschutz. Außerdem sieht das Mutterschutzgesetz gesetzliche Beschäftigungsverbote vor: So dürfen Schwangere keine Akkord-, Fließband-, Sonntags- oder Nachtarbeit machen. Überstunden sind ebenfalls tabu. Mehr als 8,5 Stunden Arbeit pro Tag sowie 90 Stunden innerhalb von zwei Wochen sind ebenfalls gesetzlich verboten.

Haben Arbeitnehmerinnen einen unbefristeten Vertrag, sind aber noch in der Probezeit, haben sie durch ihre Schwangerschaft Kündigungsschutz. Das gilt allerdings nicht, wenn der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer vereinbart hat, nach Ablauf der Probezeit einen neuen Vertrag zu schließen. Anhaltspunkt dafür ist die Klausel: „Mit der Probezeit endet dieser Vertrag.“ Die Schwangerschaft schützt nur vor einer Kündigung, nicht aber vor einer Befristung des Arbeitsvertrags.

Für das Gespräch mit dem Chef raten die Experten Frauen, sich möglichst gut vorzubereiten. So sollten sich werdende Mütter vor dem Gespräch vor allem auch darüber Gedanken machen, wie sie auf Fragen zur Elternzeit reagieren wollen, rät Christian Vetter vom Bundesverband der Personalmanager. Denn: Viele Chefs wollen wissen, was die Mütter konkret planen. Ein schriftlicher Antrag und somit eine verbindliche Festlegung muss aber erst sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit beim Arbeitgeber vorliegen. Da Mütter sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung nicht beschäftigt werden dürfen, beginnt ihre Elternzeit in der neunten Woche nach Geburt ihres Kindes. Ein Antrag in der ersten Woche nach der Entbindung ist daher fristgerecht.

Ist das Gespräch mit dem Chef geschafft, sollten die Schwangeren auch ihre Kollegen informieren. Dabei gilt der Grundsatz: so früh wie möglich und am besten persönlich. „Wenn ich in einem kleinen Team arbeite, in dem mein Mutterschutz direkte Auswirkungen auf die Kollegen hat, ist es nur fair, mit den Kollegen direkt zu besprechen“, betont Christa Holste vom Familienbüro Lüneburg.

Doch auch hierbei ist Fingerspitzengefühl gefragt. „In seinem Arbeitsumfeld sollte man alle zum gleichen Zeitpunkt informieren“, rät Christian Vetter. Denn werden einzelne Kollegen früher eingeweiht, könnte es möglicherweise Gerede geben. (dpa)

Schwanger! Wie sag ich’s meinem Chef?

Wann Sie Ihren Arbeitgeber/Ihre Arbeitgeberin über Ihre Schwangerschaft informieren möchten, das ist Ihnen überlassen, solange Sie voll arbeitsfähig sind.

7 Tipps für das Gespräch mit Ihrem Chef

Das Gespräch mit dem Vorgesetzen fällt vielen nicht leicht. Babywelten hat deshalb ein paar Tipps zusammengetragen, die Ihnen das Gespräch erleichtern können:

1. Der richtige Zeitpunkt

Es gibt keine Vorschriften, wann Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre Schwangerschaft informieren müssen – nur, dass Sie das irgendwann tun müssen..

Experten empfehlen jedoch, das Ende des dritten Monats abzuwarten, da im ersten Trimester die Gefahr einer Fehlgeburt leider noch recht hoch ist. Nach 12 Wochen hat sich Ihre Schwangerschaft aber stabilisiert. Sie brauchen auch keine Angst zu haben, dass Sie gleich entlassen werden. Denn wenn Sie in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen, geniessen Sie vom ersten Tag Ihrer Schwangerschaft einen vollen Kündigungsschutz. Das heisst: Ihr/e Chef/in kann Ihnen nicht kündigen – nur Sie können das Arbeitsverhältnis auflösen. Lesen Sie dazu aber unbedingt unseren Artikel Schwanger: Wann soll ich kündigen?

Wenn Sie jedoch bereits im ersten Trimester nicht mehr voll einsatzfähig sind oder wenn Sie Ihr Baby durch Ihre Arbeit gefährden würden, sollten Sie auf Ihre/n Chef/in informieren. Denn nur wenn Ihr/e Arbeitgeber/in von der Schwangerschaft Kenntnis hat, können die nötigen Schutzmassnahmen getroffen werden.

2. Termin vereinbaren

Wichtig ist: Weihen Sie niemanden im Büro in Ihr Geheimnis ein, bevor Sie nicht den Chef oder die Chefin informiert haben – auch wenn Sie die Kollegin oder den Kollegen noch so nett finden.

Der Erste, der im Büro von der Schwangerschaft erfährt, sollte Ihr Vorgesetzter sein, sonst könnte er sich übergangen fühlen und Ihnen später möglicherweise Steine in den Weg legen.

Wenn Sie Ihren Vorgesetzten von der Schwangerschaft erzählen, sollten Sie das nicht zwischen Tür und Angel tun. Machen Sie mit ihr/ihm einen Termin ab und erzählen Sie ihr/ihm unter vier Augen und in aller Ruhe von der Schwangerschaft. Denn wichtig ist, dass das Vertrauensverhältnis intakt bleibt.

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